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USA - Versorgungsqualität


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Medizinische Versorgungszentren weisen bessere Versorgungsqualität auf als Gemeinschaftspraxen

Artikel 0580 Eine Analyse von rund 120 ambulanten Versorgungseinrichtungen in Kalifornien mit etwa 1,7 Millionen Versicherten hat jetzt gezeigt, dass die Art der Praxisorganisation in den USA auch einen Einfluss auf die Versorgungsqualität hat. Das mit Mitteln des Commonwealth Fund durchgeführte Forschungsprojekt hat gezeigt, dass sowohl präventive Maßnahmen als auch qualitativ hochwerte Therapieformen in Versorgungszentren (mit angestellten Ärzten) häufiger umgesetzt werden als in Gemeinschaftspraxen, zu denen einzelne Ärzte sich als selbständige Mediziner organisatorisch zusammenschließen.

Anhand der Abrechnungen der verschiedenen Versorgungseinrichtungen wurde analysiert, wie oft bei Patienten, die dafür in Frage kamen, bestimmte Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt wurden (Mammographie zur Brustkrebs-Diagnose, die sog. Papanicolaou-Frühdiagnostik zur Diagnose von Gebärmutter-Tumoren, die Untersuchung auf Chlamydien, Bakterien der Schleimhäute im Augen-, Atemwegs- und Genitalbereich). Darüber hinaus wurde auch die Durchführung qualitativ hochwertiger Therapieformen bei chronischen Erkrankungen überprüft (eine Untersuchung der Netzhaut bei Diabetikern und zwei andere Maßnahmen für Asthmatiker bzw. Patienten nach einem Infarkt).

Als Ergebnis zeigte sich, dass insbesondere bei den Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen Versorgungszentren ihren Patienten diese medizinische Leistung häufiger zuteil werden ließen als Gemeinschaftspraxen. So verteilten sich die Anteile von Patienten, die Diagnose- bzw. Therapie-Leistungen erhielten:
• Mammographie: Versorgungszentren 73%, Gemeinschaftspraxen 58%
• Papanicolaou-Frühdiagnostik: 53% zu 30%
• Chlamydien-Untersuchung: 23% zu 9%
• Netzhaut-Untersuchung bei Diabetikern: 42% zu 29%

Für die übrigen Leistungen wurden keine statistisch fundierten Unterschiede gefunden. Es zeigte sich jedoch aufgrund einer Befragung der Leiter der Versorgungseinrichtungen auch, dass diese häufiger PC-gestützte Patientenakten führen (37% zu 2%) und ebenso auch häufiger Maßnahmen zur Qualitätssicherung und -verbesserung durchführen (im Durchschnitt 7.2 im Vergleich zu 4.5 Maßnahmen).

Die Wissenschaftler führen die gefundenen Unterschiede im Wesentlichen auf zwei Bedingungen zurück. Zum einen vermuten sie, dass in Versorgungszentren die Kooperation der beteiligten Ärzte intensiver ist und dass auch die zentralisierte Entscheidungsstruktur (Welche Diagnose- und Therapieformen für welche Erkrankung bei welchen Patienten?) besser fundiert und organisiert ist. Ein zweiter Grund könnte nach Meinung der beteiligten Forscher ebenso bedeutsam sein: Andere Studien hätten gezeigt, dass jüngere Mediziner sich heute sehr viel öfter dafür entscheiden, eine angestellte Position in einem Versorgungszentrum anzunehmen, statt sich mit Kollegen selbständig zu machen. Jüngere Mediziner seien aber einfach besser ausgebildet, so dass diese bessere Qualifikation sich auch in einer höheren Versorgungsqualität für Patienten niederschlägt.

Hier findet man ein kurzes Abstract der Studie.
Eine ausführlichere Beschreibung des Studiendesign und der Ergebnisse gibt es auf der Seite des Commonwealth Fund "In the Literature": Do Integrated Medical Groups Provide Higher-Quality Medical Care Than Individual Practice Associations?

Die Ergebnisse der Studie lassen sich nicht ohne Weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen, schon deshalb nicht, weil Medizinische Versorgungszentren noch keine so große Rolle spielen wie in den USA. Erst aufgrund der Gesundheitsreform 2004 wurden die Gründungs-Möglichkeiten auch in den alten Bundesländern erleichtert und eine Aufstellung des Bundesministeriums für Gesundheit, Redaktionsbüro Gesundheit listet für Februar 2007 immerhin schon über 500 Medizinische Versorgungszentren in Deutschland auf. Folgt man allerdings den Schlussfolgerungen der Wissenschaftler, dass die intensivere Kooperation der Ärzte und die zentralisierte Entscheidung über Versorgungsrichtlinien mit ein wesentlicher Grund für die bessere Versorgungsqualität ist, dann wäre dies auch ein Hinweis auf möglicherweise bessere Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung in größeren Zentren im Vergleich zu Einzelarzt-Praxen. Auch die in Versorgungszentren der USA gefundenen stärkeren Bemühungen zur Qualitätssicherung und -verbesserung deuten in diese Richtung.

Unterschlagen darf man andererseits auch nicht, dass die Studie nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der "Versorgungsqualität" untersucht hat. Nicht nur die diagnose- und therapiebezogenen Indikatoren sind sehr begrenzt. Völlig ausgeblendet wurde auch ein Aspekt, der in der ambulanten Versorgung überaus bedeutsam ist: Die Arzt-Patient-Kommunikation und das Vertrauensverhältnis zum behandelnden Arzt.

Gerd Marstedt, 19.2.2007