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USA - Versorgungsqualität


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Zwei Welten der Gesundheitsversorgung in den USA: Vom Abstand zwischen "lowest- and top-performing states"

Artikel 0734 Auch wenn die Erforschung von so genannten "small areas variations" der gesundheitlichen Versorgung in den USA fast schon zur Tradition oder zu den Standardbemühungen von Public Health gehört und die räumlichen Unterschiede der Risiko- und Versorgungsstruktur und -qualität in der Versorgungsplanung beachtet werden, beschäftigt sich eine weiter anwachsende Anzahl von Primärstudien und Forschungsüberblicken mit diesen Problemen.

Dies gilt auch für die gerade erschienene Studie des privaten Commonwealth Fund, die unter der Überschrift "Aiming Higher: Results from a State Scorecard on Health System Performance" (Autoren: Joel C. Cantor, Sc.D., Dina Belloff, M.A, Cathy Schoen, M.S) überwiegend bereits erschienene Ergebnisse und Auswertungen der Daten zahlreicher Regierungseinrichtungen, von Medicare, dem Statistischen Bundesamt der USA und der "Centers for Disease Control and Prevention" zu 32 Performance-Indikatoren für alle US-Bundesstaaten zusammengestellt, eine Bewertung jedes inhaltlichen Bereichs und daran anschließend ein mehrstufiges Ranking der Staaten durchgeführt hat.
Die 32 Messungen konzentrieren sich vor allem auf den Zugang zum Gesundheitssystem, d.h. beispielsweise auf den Anteil der krankenversicherten Bevölkerung, auf die Qualität der Versorgung, die sich z.B. daran bemisst wie oft die Menschen empfohlene Versorgungsleistungen wirklich erhalten, auf vermeidbare Kosten u.a. durch Wiedereinweisungen in Krankenhäusern, die Gerechtigkeit, wie sie sich z.B. in der Verteilung von Leistungsfähigkeit nach Einkommen und ethnischer Herkunft zeigt und auf gesundes Leben bemessen an der Sterblichkeit an bestimmten Erkrankungen vor dem Erreichen des 75. Lebensjahrs.

Die gefundenen Unterschiede der Gesundheits- und Lebensverhältnisse der einzelnen Bundesstaaten sind erheblich, haben ein eindeutiges Muster und sind für eine erhebliche Anzahl von US-Amerikanern gravierend:

• Die BürgerInnen der am schlechtesten gerankten 5 Bundesstaaten haben ein doppelt so hohes Risiko vorzeitig, d.h. vor dem 75. Lebensjahr an einer verzögerbaren oder angemessen behandelbaren Krankheit zu sterben als ihre MitbürgerInnen in den 5 am besten positionierten.
• Die Unterschiede der so definierten Frühsterblichkeit folgen einem eindeutigen Nord-Südgefälle. So handelt es sich bei den Bundesstaaten mit der schlechtesten Gesundheits-Performance um South Carolina, Tennessee, Arkansas, Louisiana und Mississippi (150,4 vermeidbare Tote auf 100.000 Personen), bei den am besten positionierten um Minnesota (70,2 vermeidbare Tote pro 100.000 Personen), Utah, Vermont, Wyoming und Alaska. Nur die Bundeshauptstadt Washington bzw. der District of Columbia belegt mit 160 frühzeitigen Toten pro 100.000 BürgerInnen hier noch den allerletzten Platz.
• Auch wenn man alle Messungen und Indikatoren berücksichtigt, gehören Nord-Staaten wie Hawaii, Iowa, New Hampshire, Vermont und Maine zu den Top-Performern und wiederum eher südliche Bundesstaaten wie Kentucky, Louisiana, Nevada, Arkansas, Texas, Mississippi und Oklahoma zu den Leistungsschlusslichtern.
• Der Bericht weist auf einen direkten Zusammenhang der unterschiedlichen Bemühungen von Bundesstaaten hin, ihren Bürgern einen Krankenversicherungsschutz zu verschaffen: So sorgt in Hawaii ein 1974 verabschiedetes Gesetz dafür, dass 78 % aller Erwachsenen und 94,7 % aller Kinder versichert sind. Genau umgekehrt sieht es bei den "Schlusslichtern" Mississippi und Oklahoma, wo politisch gewollt ein äußerst restriktiver Zugang zu Medicaid existiert.
• Wie hart weitere Unterschiede aussehen, zeigt zwei weitere Beispiele: Die Rate von Kindern, die trotz bestehender Möglichkeiten, dies präventiv zu verhindern, wegen Asthma stationär behandelt werden müssen, ist in South Carolina sechsmal höher als in Vermont. Die simple rechtzeitige Gabe von Antibiotika bei Operierten zum richtigen Zeitpunkt zur Vermeidung von Infektionen variiert zwischen einem Anteil von 50 % bei solchen Patienten in Nevada und 90 % ihrer LeidensgenossInnen in Conneticut.
• Selbst unter den Top-Performern existieren aber noch erhebliche Versorgungsdefizite. So bekommen auch in Hawaii nur 65 % der erwachsenen Diabeteskranken die empfohlene Behandlung zur Vermeidung von gravierenden Folgeschäden.
• Zur finanziellen Bedeutung der Unterschiede: Medicare könnte 5 Milliarden US-Dollar sparen, wenn alle Staaten die Rate der verhinderbaren Krankenhauseinweisungen für chronisch Kranke auf das Level der besten Bundesstaaten absenken würden.

Die komplette Studie (über 3 MB PDF-Datei) und weitere Überblickstexte und Materialien (Powerpoint- oder PDF-Chartpack und Executive Summary) erhält man kostenlos auf dieser Website des Commonwealth Fund.

Bernard Braun, 15.6.2007