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Patienten
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Internationale Studienlage eindeutig: Irreführung durch Pharmaindustrie eher Regel als Ausnahme (24.11.2005)

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Erneuter Fall von Ghostwriting durch die Pharma-Industrie von der New York Times enthüllt

Artikel 1620 Die Zeitung New York Times hat jetzt enthüllt, dass der Pharmakonzern Wyeth Artikel über Hormonersatz-Therapien von Ghostwritern, also von ihnen bezahlten Autoren schreiben, dann aber von renommierten Forschern unter deren Namen in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichen ließ. Dies geschah auch dann noch, als das durch die Therapie bewirkte höhere Brustkrebs-Risiko für Frauen bereits bekannt war. Gerichtsdokumente, die jetzt auch im Internet öffentlich zugänglich sind, belegen laut "New York Times" und der Zeitschrift "PloS Medicine", dass auf diese Weise 26 wissenschaftliche Veröffentlichungen in 18 medizinischen Fachmagazinen zustande kamen.

Es ist nicht das erste Mal, dass über die Einflussnahme der Pharmaindustrie durch das "ghostwriting" oder "ghost authorship" berichtet wird. Dabei werden Personen, die Daten ausgewertet oder einen wissenschaftlichen Aufsatz geschrieben haben, nicht als Autor genannt. Stattdessen werden renommierte Wissenschaftler gebeten, den Artikel unter ihrem Namen zu veröffentlichen. Pharmazeutische Firmen versuchen auf diese Weise, selbst gefertigten Studien einen neutralen Anstrich zu geben. 2007 berichtete eine Gruppe von dänischen, britischen und kanadischen Wissenschaftlern, dass sie bei drei Viertel der von ihnen untersuchten Studien (33 von 44) Belege für die Existenz von Ghostwritern gefunden hatten, die bei Herstellerfirmen angestellt waren. (vgl. Autorenlisten wissenschaftlicher Aufsätze als vierte Stufe der Lüge? Arzneimittelstudien zwischen Geist und Ghostwritern). Im Jahre 2008 berichtete dann eine Forschungsgruppe über Dokumente, die belegen, dass Mitarbeiter von Merck für die Veröffentlichung von klinischen Studien Manuskripte erstellt und anschließend Wissenschaftler von Universitäten gewonnen haben, als Autoren zu fungieren. Als Datenquelle haben die Wissenschaftler, die als Kläger in Gerichtsverfahren gegen Merck auftraten, aus mehreren Millionen internen Dokumenten 250 für ihre Fallstudie ausgesucht. Diese mussten den Gerichten zur Verfügung gestellt werden. (vgl. Ghost writing für Vioxx - Merck forscht und schreibt, Wissenschaftler geben ihren Namen).

Im Fall, über den jetzt die New York Times berichtete, handelte es sich um Meta-Analysen, also um Studien, die mehrere schon vorliegende Veröffentlichungen auswerteten und dabei zu einem positiven Fazit kamen. Publiziert wurden sie in 18 renommierten Fachblättern wie u.a. dem "American Journal of Obstetrics and Gynecology" oder dem "International Journal of Cardiology". Initiator des Schwindels war der US-amerikanische Pharmakonzern Wyeth, der zu den zehn weltweit größten Pharmaunternehmen gehört. Das Unternehmen hat mit den Hormonersatz-Präparaten "Premarin" und "Prempro" gewaltige Umsätze gemacht, im Jahre 2001 etwa 2 Milliarden US-Dollar. Wie die "New York Times" berichtet, wurden im Zeitraum 1998 bis 2005 hohe Summen an PR-Firmen bezahlt, die über die Vorteile der Hormon-Ersatztherapie berichteten, zu einer überwiegend positiven Bilanz kamen und dabei Risiken herunterspielten.

Besonders problematisch: Diese Praxis wurde auch dann noch weiter betrieben, als bereits Untersuchungen vorlagen, die das Risiko der Hormonersatztherapie belegten. So musste die US-Langzeitstudie "Women's Health Initiative" (WHI) mit 17.000 Teilnehmerinnen schon im Jahr 2002 abgebrochen werden, weil Risiken der Hormon-Arzneien für das Auftreten von Brustkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall höher waren als der Nutzen. Eine spätere Studie zeigte dann auch ein höheres Risiko für das Auftreten von Demenz.

Die jetzt auch der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Dokumente zeigen präzise den Weg auf, wie das Pharmaunternehmen Wyeth vorgegangen ist. Ein Sprecher der Firma erklärte zum Artikel in der New York Times, die wissenschaftlichen Aufsätze seien inhaltlich korrekt und nicht zu beanstanden. Überdies sei es eine gängige Praxis, spezielle Firmen mit schreibgewandten Autoren für Veröffentlichungen einzubeziehen. Auch heute noch würde man diesen Weg gehen, allerdings im Unterschied zu früher auch in den Artikeln darauf hinweisen, falls man eine Arbeit finanziell unterstützt habe.

• Hier ist der Artikel in der New York Times: Natasha Singer: Medical Papers by Ghostwriters Pushed Therapy (New York Times Online, August 4, 2009)
• Die Gerichtsdokumente als PDF-Datei
• Die Gerichtsdokumente einzeln, HTML
• Ein Artikel zum Fall aus der Zeitschrift PloS Medicine: Adriane Fugh-Berman: PLoS Medicine and the New York Times victorious in court; Public will have access to ghostwriting documents

Gerd Marstedt, 10.8.09