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Schönheitsoperationen: Der psychologische Nutzen ist überaus fraglich

Artikel 0431 Die Versprechungen der plastischen und ästhetischen Chirurgie sind immens, zielen nicht nur auf eine attraktivere Figur und mehr Sex-Appeal, sondern heben auch nachhaltige psychologische Effekte hervor: Ein besseres Selbstwertgefühl, mehr Lebenszufriedenheit und Selbstbewußtsein. Ob mit Schönheitsoperationen jedoch tatsächlich auch nachhaltige Positiveffekte für die Psyche der Patienten erreicht werden, wird jetzt durch eine Übersichtsarbeit in der Zeitschrift New Scientist mehr als in Frage gestellt. Der Artikel wertet eine Reihe wissenschaftlicher Studien zu den kurz- und langfristen psychologischen Effekten ästhetischer Chirgugie bei Patienten in den USA aus (Rachel Nowak: Cosmetic surgery special: When looks can kill).

Im Jahre 2005 wurden in den USA 291.000 Frauen Brust-Implantate eingesetzt und 324.000 Fettabsaugungen durchgeführt. Nimmt man alle Eingriffe zusammen, so belief sich die Zahl kosmetisch-chirurgischer Eingriffe auf etwa 10,2 Millionen. In Deutschland werden jährlich mindestens 300.000 kosmetische Operationen durchgeführt. Genaue Zahlen kennt niemand, denn die Eingriffe werden nicht von den Kassen bezahlt und daher nicht zentral registriert. Klar ist jedoch: Kosmetische Operationen nehmen zu. Von 1992 bis 2000 stieg der Anteil von Brustvergrößerungen bei den Operationen um 476% und Fettabsaugungen nahmen um 386% zu. (Quelle: WDR Gesundheit - Ästhetische Chirurgie)

Wissenschaftliche Studien über die körperlichen und seelischen Effekte solcher Eingriffe waren bislang rar und ihr Fazit widersprüchlich. David Sarwer von der University of Pennsylvania School of Medicine in Philadelphia fand nun heraus, dass etwa jeder fünfte Patient, der sich einer kosmetischen chirurgischen Operation unterzogen hatte, auch Medikamente gegen psychische Erkrankungen einnahm, häufig ein Antidepressivum. Fünf weitere Studien aus den USA und Kanada, darunter auch sehr große mit 13.000 bzw. 24.000 Frauen, die Brustimplantate bekommen hatten, fanden nun ein noch überraschenderes Ergebnis: Die Selbstmordquote dieser Frauen lag zwei- bis dreimal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Erklärung der Wissenschaftler für diesen überraschenden Befund ist recht naheliegend: Mit hoher Wahrscheinlichkeit leiden Frauen, die sich einer Schönheitsoperation an ihren Brüsten unterziehen, sehr viel häufiger an psychischen Erkrankungen, die von den Ärzten (und Schönheitschirurgen) allerdings nicht erkannt oder unterschätzt werden. Dies gilt beispielsweise für das Krankheitsbild der körperlichen Dismorphie (vereinfacht: eine extrem negative Wahrnehmung des eigenen Körpers). Zwar ist diese Krankheit nicht sehr stark verbreitet (etwa 1-3% in der Bevölkerung), man fand jedoch, dass drei von vier Betroffenen sich nach chirurgischen Behandlungen umgesehen oder schon durchgeführt haben. Unter dem Strich wird aus der Übersichtsarbeit damit deutlich, dass viele Patienten mit seelischen Problemen schnelle Hilfe im Rahmen medizinisch-körperlicher Interventionen suchen und viele Ärzte diesem Wunsch allzuschnell nachgeben.

Der Übersichtsartikel (auf englisch, NewScientist.com) ist hier frei abrufbar: Rachel Nowak: Cosmetic surgery special: When looks can kill

Gerd Marstedt, 29.12.2006