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Gesundheits-Informationen im Internet: Websites der Regierung werden ebenso weggeklickt wie die der Pharma-Industrie

Artikel 0617 Internet-Nutzer, die nach Gesundheits- oder Krankheits-Informationen suchen, mögen Websites mit sehr detaillierten medizinischen Informationen, wie sie von staatlicher Seite veröffentlicht werden, gar nicht. Aber auch Websites der Pharma-Industrie werden schnell weggeklickt. Von Interesse sind hingegen Seiten mit einem "human touch", wo also beispielsweise persönliche Erfahrungsberichte anderer Seitenbesucher über ihre Krankheit oder Therapie zu finden sind. Dies sind Befunde eines englischen Forschungsprojekts, die von Wissenschaftlern der Universitäten Northumbria and Sheffield jetzt veröffentlicht wurden.

Die Studie wurde in drei aufeinanderfolgenden Etappen durchgeführt. In einer ersten Phase bat man Benutzer von Internet-Cafes ein Tagebuch zu führen über ihre Surf-Erfahrungen bei der Suche nach Gesundheits-Informationen. Dabei waren drei Themen vorgegeben: Informationen zur weiblichen Menopause, zu Bluthochdruck und zu Änderungen des persönlichen Gesundheitsverhaltens. In der zweiten Phase beantworteten etwa 2.000 Internetnutzer einen ausführlichen Fragebogen über ihre Erfahrungen mit Gesundheits-Infos im WWW. In einer dritten Phase schließlich wurde ein Experiment durchgeführt, indem man zwei Websites (über Alkohol-Risiken) mit ähnlichem Inhalt vorgab, dabei aber bestimmte Merkmale variierte. Hier sollte getestet werden, ob die zuvor erkannten Merkmale vertrauenswürdiger und weniger vertrauenswürdiger Seiten auch in der Praxis funktionieren.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die typischen Suchstrategien der Nutzer sich in drei Phasen vollziehen: Einer ersten Phase des schnellen Überfliegens einer Vielzahl aufgesuchter Seiten, einer zweiten Phase, in der recht genau der Inhalt einiger weniger übrig gebliebener Seiten geprüft wird. In einer letzten Phase werden dann Informationen auf diesen Seiten miteinander verglichen werden und einige wenige stabilisieren sich zu eigenen Lieblingsseiten.

Dabei fand sich das überraschende Ergebnis, dass schon in der ersten Phase Websites von Pharma-Unternehmen oder solche von staatlichen Gesundheitsbehörden (National Health Service) schnell wieder verlassen wurden. "Die medizinischen Informationen von Pharma-Unternehmen sind meist sehr zuverlässig", erklärte Professor Pamela Briggs, eine der Wissenschaftlerinnen des Projekts. Aber die Besucher misstrauten den Motiven und Zielsetzungen der Pharmaunternehmen. Websites mit Werbebannern für Medikamente oder ähnliches werden daher fast schon reflexartig wieder verlassen. "Unparteilichkeit ist bei der Suche nach Gesundheitsinformationen eine unabdingbare Voraussetzung, um Vertrauen zu haben." Doch auch den staatlichen Websites ging es nicht viel besser. Auch sie wurden meist schon nach schnellem Überfliegen wieder verlassen, meist deshalb, weil dort viel zu viel Informationen oder viel zu allgemeine Texte angeboten wurden.

Große Resonanz finden anderseits aber Websites, mit einem "human touch". Benutzer finden Seiten interessant, auf denen andere ihre persönlichen Erfahrungen mitteilen, über erlittene Krankheiten, erfolgreiche und erfolglose Therapien. Mitteilungen anderer über ihre persönlichen Probleme und Sorgen sind offensichtlich ein Kernelement, um Vertrauen aufzubauen. Von daher finden englische Seiten wie DIPEX - Database of Individual Patient Experiences oder Project AWARE ganz besonderen Zuspruch. Allerdings erkennen die Wissenschaftler hier auch Risiken der Manipulation. Es sei nicht auszuschließen, dass solche als besonders vertrauenswürdig erscheinenden Websites mit User-Beiträgen auch manipulativ mit Informationen gefüttert werden, die von Beauftragten aus dem Umfeld kommerzieller Einrichtungen und Unternehmen kommen.

Gleichwohl haben sie auch einige Regeln veröffentlicht, wie man eine Gesundheitsseite gestalten sollte, um bei Benutzern überhaupt auf Resonanz zu stoßen. Dazu zählt etwa: Keine Bannerwerbung für Medizinprodukte, Eigene Motive und Zielsetzungen verdeutlichen, Links zu vertrauenswürdigen Seiten mit ähnlichem Inhalt, Möglichkeiten für Benutzer-Beiträge (z.B. Forum) einrichten, interaktive Elemente und andere Info-Möglichkeiten (Email, Newsletter, RSS), Möglichkeit zur persönlichen Einrichtung der Seiteninformationen, klare Hinweise geben zum Datenschutz.

• Hier ist eine Pressemitteilung mit einer Zusammenfassung der Projektergebnisse: Prescriptions for Health Advice Online
• Hier ist eine ausführliche Projektbeschreibung mit Ergebnissen (PDF, 12 Seiten): Bodies Online - Information and advice-seeking in the health and fitness domain
• Hier sind weitere Veröffentlichungen aus dem Projekt
• Ein Aufsatz mit Projektergebnissen, veröffentlicht in "Social Science & Medicine" (Vol. 64, Issue 9, May 2007, Pages 1853-1862): How do patients evaluate and make use of online health information?

Gerd Marstedt, 7.3.2007