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Wie sieht die "digitale Spaltung" Deutschlands im Jahr 2011 aus? Nachdenkliches zum Setzen auf wirksame Internet-Gesundheitsinfos

Artikel 1978 Angesichts der schier ungebremsten Zunahme von gesundheitsbezogenen Informationsangeboten im Internet, ob Qualitätsberichte der Krankenhäuser, Krankenhaus- oder Arztnavigatoren und Listen, bleiben auch die kritischen Hinweise auf ihre möglicherweise eingeschränkte Bedarfsgerechtigkeit oder Reichweite aktuell.

So verwies ein Forums-Beitrag im Jahre 2007 auf folgende empirisch belegbaren Probleme: "Ein Einwand gegen eine zu starke Konzentration der Informationsbemühungen auf derartige Angebote war schon lange der, dass möglicherweise die Bevölkerungsgruppen mit dem höchsten praktischen Bedarf an Informationen, d.h. Kranke, Ältere und Angehörige unterer sozialer Schichten, zu den Nicht- oder Geringnutzern des Internet gehören oder auch nur mit Schwierigkeiten etwas mit der speziellen Art der Informationsvermittlung dieses Medium anfangen können."

Die Ergebnisse des "(N)onliner Atlas 2010" ließen eine praktische Warnung vor der tatsächlichen Wirkkraft von Internet-Angeboten realistisch erscheinen: "Wer glaubt, eine relevante Anzahl von überwiegend älteren NutzerInnen von gesundheitsbezogenen Versorgungsangeboten allein über dieses Medium (Internet) ausreichend informieren zu können, irrt sich grundsätzlich."

Die 72 Seiten des gerade erschienenen 2011er-Bandes des sich als "Topographie des digitalen Grabens durch Deutschland" bezeichnenden Atlanten, begründet keine grundsätzliche Abkehr von den bisherigen Bewertungen.
Auch wenn jetzt 74,7% aller Deutschen über 14 Jahren online sind, war dies gerade noch ein Zuwachs von 2,7% gegenüber 2010 und in Prozentpunkten ein geringerer Zuwachs als in allen Jahren seit 2001. Knapp 18 Millionen BürgerInnen benutzen egal für welche Fragen und Interessen weiterhin kein Internet.

Eine Reihe nach Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss und Einkommen differenzierte Angaben, belegen trotz gradueller Zunahme der Nutzungsverhältnisse die prinzipielle Ungleichverteilung zu Ungunsten der Menschen mit überdurchschnittlichem Bedarf an Gesundheitsonformationen und -leistungen:

• Auch im Frühjahr 2011 gehen nur 52,5% der über 50-Jährigen ins Internet. Umgekehrt gehören abetrotz überdurchschnittlichen Zuwachsraten 37% der 60-69-Jährigen und 71,8% der über 70-Jährigen zu den Offlinern.
• Während 90,2 % aller Abiturienten und Studenten das Internet nutzen, surfen von den Volks- und Hauptschülern gerade mal 60,5% - immerhin 3,9% mehr als 2010.
• 80,7% der Männer aber lediglich 68,9% der Frauen - häufig die Gesundheitsexperten in Familien - gegen überhaupt ins Internet.
• Den 53% aller Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro, die überhaupt einen Internetzugang haben, stehen 92,3% unter den Personen mit mehr als 3.000 Euro gegenüber.
• Die regionale Ungleichheit wird nach unten durch Sachsen-Anhalt mit insgesamt 64,2% und nach oben Bremen mit einem Onlineranteil von 80,2% markiert.

Der materialreiche (N)onliner Atlas 2010 ist als PDF-Datei kostenlos erhältlich. Wann sich Krankenkassen, Verbände oder Patientenorganisationen keine Gedanken mehr über andere Disseminationsformen für ihre Informationen machen müssen, wird frühestens der nächste Atlas zeigen.

Bernard Braun, 11.7.11