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Versorgungsforschung: Übergreifende Studien


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Finanzielle Beziehungen zur Industrie auch bei Reviewern von Protokollen klinischer Studien in Hochschulen

Artikel 0687 Die gerade im "Forum-Gesundheitspolitik" vorgestellte Analyse zu den meist finanziellen Beziehungen von us-amerikanischen Ärzten und der Pharmaindustrie kann unverzüglich um eine weitere problematische Facette der Beziehungen zwischen der klinischen Medizin- und Behandlungsforschung und der involvierten Industrie ergänzt werden.

In einer bereits am 30. November 2006 im Medizin-Fachorgan "New England Journal of Medicine (NEJM)" (Volume 355. No. 22: 2321-2329) veröffentlichten Studie con Campbell, Weissman et al. über die "Financial Relationships between Institutional Review Board Members and Industry" in den USA wurden dazu 893 Mitglieder solcher so genannter IRB aus 100 akademischen Institutionen gefragt. In einem von immerhin 67,2 % dieser Befragten beantworteten Fragebogen, fragten die Forscher direkt nach den finanziellen Beziehungen der Mitglieder der institutionellen Reviewer-Gruppen in Gestalt von Beschäftigung, Mitgliedschaft in anderen Ausschüssen oder Kommissionen, Beratungstätigkeit, Honorare oder bezahlte Vorträge.

Warum derartige Beziehungen aus Sicht der Öffentlichkeit und Patienten hochproblematisch und nicht zu rechtfertigen sind, haben die Forscher am Anfang ihres Aufsatzes unmissverständlich festgestellt. Dabei spielen für sie folgende Aspekte die zentrale Rollen: "The clinical research enterprise rests on a belief in the integrity of both researchers and the results of their research. Relationships with industry at the level of the individual and the institution have the potential to undermine this confidence. ...Of additional interest is the extent to which relationships with industry may affect members of institutional review boards (IRB). Because IRB’s are responsible for overseeing and protecting the safety and well-being of research participants, they should be free of undue influence by financial interests or by the appearance of such interests."

Die Ergebnisse der Befragung liefern aber zum ersten Mal für die USA ein deutlich kritischeres Bild:

• 36,2 % der befragten IRB-Mitglieder gaben für das letzte Jahr wenigstens eine der erfragten Beziehungsarten zur Industrie an. 22,6 % erhielten etwa Forschungsgelder von der Industrie, 17,4 % Geld für die Teilnahme an Meetings und Konferenzen oder 14,5 % hatten als Berater Geld erhalten.
• 85,5 % sagten, sie hätten niemals gedacht, dass die Industriebeziehungen anderer Mitglieder deren IRB-beziogenen Entscheidungen in unangemessener Weise berührt hätten. 11,9 % dachten, diese passiere selten, 2,4 % sahen dies öfters geschehen und 0,2 % dachten, dies geschehe oft.
• 15,1 % berichteten, dass während des letzten Jahres mindestens ein Protokoll einer industrie-gesponsorten klinischen Studie auf den Tisch ihres IRB kam, bei dem es um ein Produkt der Firma ging, die auch finanzielle Beziehungen mit Mitgliedern dieses Boards unterhielt oder um das Produkt eines Konkurrenten dieses Sponsors, also in beiden Fällen Interessenkonflikte vorhanden gewesen sein könnten.
• Von den Befragten, die ausdrücklich einen Interessenkonflikt bestätigten (6,9 % aller IRB-Mitglieder), waren statistisch signifkant mehr als Industrieberater tätig.
• Von diesen 15,1 % der Befragten (n=78) berichteten 57,7 % immer der Leitung des IRB über ihre Beziehung, 7,7 % machten dies manchmal, 11,5 % eher selten und 23,1 % machten dies niemals.
• 45,8 % der Befragten berichteten, sie hätten in ihrer Institution eine schriftliche Definition davon, was Interessenkonflikte konstituiere, bei 12,1 % existierte eine solche Definition nicht und 42,2 % wussten davon nichts.

Die Forscher schließen ihre Studienergebnisse mit dem Hinweis ab, die Risiken derartiger Beziehungen durch die uneingeschränkte Transparenz über derartige Beziehungen und durch die Identifikation von Interessenkonflikten durch klare Standards abzumildern.

Das Abstract des NEJM-Aufsatzes "Financial Relationships between Institutional Review Board Members and Industry" ist hier erhältlich.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist auch die PDF-Version des kompletten 9-seitigen Aufsatzes über den Server der Brown University kostenlos zugänglich.

Bernard Braun, 1.5.2007