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Patienten
Versorgungsforschung: Übergreifende Studien


Serie zur Geschichte, Methodik und Leistungsfähigkeit klinischer Studien im "New England Journal of Medicine" gestartet (12.8.16)
Weniger fettes Essen=weniger Herzinfarkttote!? Beispiel für von Beginn an fehlende Evidenz für zu einfache Gesundheitsempfehlungen (4.7.16)
Ungleichheit in der palliativen Behandlung am Beispiel von Schlaganfall- und Krebspatienten in Schweden (13.3.16)
Wissenschaftliche Fachgesellschaften: Eigeninteressen vor Evidenz? (19.8.15)
Wie intensiv wird das Gesundheitssystem in Anspruch genommen und geschieht dies zu oft? Daten aus Österreich, Schweden und den USA (15.12.14)
Der Datenfriedhof ist mittlerweile ganz schön lebendig oder Routinedaten in der Gesundheitsforschung (3.12.14)
"Wenn Sie so weiter machen, kriegen Sie wahrscheinlich ohne Statine bald einen Herzinfarkt …." oder Irrtum des Risikokalkulators!? (15.10.14)
4 Jahre nach Beendigung Ergebnisse von 30% der klinischen Studien in USA nicht veröffentlicht - industriefinanzierte allen voran (21.7.14)
Bedeutung der Therapietreue für den Behandlungserfolg weiter unbestritten (17.2.14)
USA: Interregionale Unterschiede beim Zuviel und Zuwenig von Arzneiverordnungen mit der Kumulation nachteiliger Verordnungsmuster (23.10.13)
Wie gut oder schlecht werden Public Health-Großrisiken gemanagt? Die Beispiele Schweinegrippe-Pandemie und EHEC-Ausbruch (8.10.13)
Wenig TeilnehmerInnen in randomisierten Studien= Überschätzung von Therapieerfolgen?! (6.10.13)
Weltweit enorme Krankheitslasten und Verluste an Lebensjahren allein durch 7 unerwünschte Behandlungsereignisse in Krankenhäusern (21.9.13)
Multiresistente Erreger in Krankenhäusern: Hysterie oder ernstes aber vermeidbares Problem. Ergebnisse einer Krankenkassen-Analyse (1.9.13)
Was kosten multiresistente Bakterien wirklich und wie gefährlich ist es, kein Antibiotikum-" Ass mehr in der Hinterhand" zu haben? (31.8.13)
Vorsicht "Bluttests": Über- und Fehlversorgung durch umfassende und wiederholte Leberfunktionstests (29.8.13)
Guten Appetit beim regelmäßigen Fischmahl: Das Geld dafür kann man durch Verzicht auf Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel ansparen. (27.9.12)
Sechsmal mehr Gesundheit? Der Faktencheck Gesundheit (11.3.12)
Kinder sind nicht nur "süß", sondern können ihre Väter auch vor dem Herztod bewahren - je mehr Kinder desto besser! (24.10.11)
Spät aber endlich! Mehr Transparenz über die regionale gesundheitliche Versorgung in Deutschland. (31.8.11)
"Darf's ein wenig mehr sein"? Blutarmut durch Blutabnahme als jüngstes Beispiel der Fehlversorgung durch Überversorgung (9.8.11)
NHS Atlas zeigt Versorgungsunterschiede auf (2.5.11)
Wie gut vorbereitet sind Krankenhäuser auf schwere Katastrophen à la Japan? Beunruhigende Ergebnisse einer US-Krankenhausbefragung (28.3.11)
Bericht des US-"Surgeon General": Egal ob "nur zwei Zigarettchen" oder "extra light", Rauchen gefährdet die Gesundheit! (12.12.10)
Atheistisch gesinnte Ärzte sind bei todkranken Patienten häufiger zu lebensverkürzenden Maßnahmen bereit (10.9.10)
Therapietreue - Ansatz zu verbesserter Gesundheit und zur Kostendämpfung (15.8.10)
Therapien mit Antibiotika: Meta-Analyse von 24 Studien stellt erneut massive Risiken der Resistenzbildung fest (27.6.10)
Placebo-Effekt: Es kommt darauf an, was Patienten in medizinischen Studien zu bekommen glauben, nicht was sie tatsächlich bekommen (12.7.09)
Auch deutsche Klinikärzte setzen gelegentlich Placebos ein - und sind von der Wirkung voll überzeugt (6.7.09)
Mythos Wissensgesellschaft: Körperorgan-Wissen britischer Patienten seit fast 40 Jahren konstant gering! (5.7.09)
Wie viel Prozent der Arbeitszeit verbringt ein Krankenhausarzt mit Patienten, Angehörigen und der Verwaltung? 11,8%, 0,9%, 12,5%! (18.6.09)
Wie wirken sich die DRG in Deutschland auf die Versorgungsqualität aus? Patientenwahrnehmungen vor und während der DRG-Einführung (13.6.09)
Ein Allgemeinarzt als fester Ansprechpartner auch in Versorgungszentren und Gemeinschaftspraxen erhöht die Versorgungsqualität (5.3.09)
Leitliniengerechte Behandlung von Herzinsuffizienz: Ärzte benachteiligen Frauen, Ärztinnen aber Männer nicht! (31.1.09)
Internationaler Vergleich der Versorgung von chronisch Kranken in acht Ländern: Deutschland - wie gewohnt - im Mittelfeld! (21.11.08)
Rund die Hälfte us-amerikanischer Internisten und Rheumatologen führt ohne ethische Bedenken Placebo-Behandlungen durch (2.11.08)
Koronare Herzerkrankungen: Deutsche Ärzte schneiden schlechter ab bei Diagnostik, Medikamentenverordnung und Prävention (15.10.2008)
Placebo wirkt auch bei einem Reizdarmsyndrom. Aber noch besser wirkt Placebo plus emotionale Unterstützung durch den Arzt (16.5.2008)
Ein etwas anderes Gesundheitsmanagementbuch: Kann man Gesundheit wie Kühlschränke managen? Nein, sondern ...! (13.4.2008)
Ein "medizinisches Zuhause" bietet nach Patientenurteilen eine bessere Behandlungsqualität (2.11.2007)
"In Health Care, Cost Isn't Proof of High Quality" zeigt Herzchirurgie-Studie in Pennsylvania (21.6.2007)
Finanzielle Beziehungen zur Industrie auch bei Reviewern von Protokollen klinischer Studien in Hochschulen (1.5.2007)
Wartezeiten können negative gesundheitliche Folgen haben: Das Beispiel Kataraktoperation. (28.4.2007)
Selbstbestimmte Rationierung durch eigenverantwortliche Patienten? (21.4.2007)
"So viel wie möglich und wie normal" muss bei chronisch Kranken nicht immer "gut" sein. (3.2.2007)
Wiederholte Knochendichtemessungen: Überversorgung durch Wiederholungsuntersuchungen trotz fehlenden Nutzens. (25.1.2007)
Autorenlisten wissenschaftlicher Aufsätze als vierte Stufe der Lüge? Arzneimittelstudien zwischen Geist und Ghostwritern (17.1.2007)
"Evidence based self care"? - Unbequeme und ernüchternde Wahrheiten zu Wirksamkeit und Nutzen (11.1.2007)
Unter-, Über- und Fehlversorgung in Deutschland: Immer noch aktuell - Das Jahresgutachten 2000/2001 des Sachverständigenrates für Gesundheit (11.12.2006)
Studien zur Versorgungsforschung decken Mängel auf (3.11.2006)
Kanada: Teure Diagnoseverfahren werden Oberschicht-Patienten häufiger verordnet (14.11.2005)

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Ein etwas anderes Gesundheitsmanagementbuch: Kann man Gesundheit wie Kühlschränke managen? Nein, sondern ...!

Artikel 1196 Wie Pilze nach einem warmen Regen schießen seit einigen Jahren zahlreiche Aufbaustudien-, Bachelor- und Masterstudiengänge in die Höhe, in deren Mittelpunkt das Gesundheitsmanagement steht. Alle diese Angebote gehen von der Notwendigkeit einer eigenständigen Professionalisierung der Managementleistungen im Gesundheitswesen aus und lehren sie.

Neben den zahllosen Vorlesungsskripts gibt es mittlerweile auch diverse Lehrbuchreihen und Lehrbücher, die sich mit dem Themenkomplex beschäftigen. Diese Entwicklung sollte man aber in mehrfacher Hinsicht kritisch begleiten und über die "déformations professionelles" oder Reduktionen vieler Managementtheorien und -ansätze frühzeitig nachzudenken beginnen.

Der Boom der meist auf sechs Semester begrenzten und bewusst praktisch orientierten Studiengängen und der die sie begleitenden Publikationen verdankt sich nicht zuletzt auch einer unvermindert anhaltenden öffentlichen Euphorie der Erwartungen zur Arbeitsplatzentwicklung im Gesundheitswesen. Die seit Mitte der 1990er Jahre allerdings tatsächlich stagnative Entwicklung der Vollarbeitsplätze im Gesundheitswesen, sollte dagegen wenigstens die völlig unreflektierte Ausdehnung solcher Ausbildungs-Angebote bremsen.

Zum anderen erzeugen oder vermitteln eine Reihe der Studiengänge und Grundlagentexte zwei Orientierungen und Erwartungen, die zu kurz greifen und möglicherweise auch die Wirksamkeit oder die Akzeptanz dieses Managements selber einschränken.

Dies betrifft Ansätze, die nach dem Motto "alles ist machbar und zu managen" verfahren und die versprechen, den Erfolg im Wesentlichen durch einzelbetriebliche Problemlösungszirkel oder durch Instrumente wie Checklisten zu erreichen. Dabei werden die Bedeutung sowie die hemmende oder fördernde Rolle von sozialen, politischen, kulturellen Makro-Bedingungen entweder nie bewusst berücksichtigt oder rasch aus den Augen verlieren.

Zu diesen Bedingungen gehören beispielsweise die von der Politik und ihren jeweiligen Gestaltungszielen vorgegebenen Rahmenbedingungen, die Eigeninteressen der Dienstleister und schließlich die soziale Verteilung der Versorgungsbedarfe, der öffentlichen Wahrnehmung und Interpretation dieser Verteilungen. Nicht- oder unterthematisiert werden vor allem die erste und dritte Rahmenbedingung bzw. Einschränkung der Freiheitsgrade von Gestaltung durch Management.

Dies hat auch mit dem häufig eng unternehmensbezogenen oder betriebswirtschaftlichen Touch mancher Managementkonzepte zu tun. Dies wird dann zum Problem, wenn man glaubt, alle Probleme auf betrieblicher Ebene und ausschließlich oder überwiegend mit Managementtechniken lösen zu können und noch nicht einmal über die Existenz eines Suppentellerrandes nachdenkt geschweige denn über ihn hinaus schaut oder tritt. Selbstverständlich heißt dies nicht, dass Managementtechniken, welche die Wirtschaftlichkeit der Versorgung zu verbessern beabsichtigen, nicht notwendig und erfolgreich sein können.

Und natürlich gibt es auch Publikationen oder Studiengängen, die versuchen, den Horizont weiter zu fassen, über das einzelne Krankenhaus oder die Einzelpraxis und den einzelnen Patienten hinausschauen und auch nicht nur auf das Vermitteln kurzfristig wirksamer Rezepte und Methoden erpicht sind.
Dazu zählt in besonderem Maße die jüngste Neuerscheinung dieses Genres: "Gesundheitssicherung - Gesundheitsversorgung - Gesundheitsmanagement. Grundlagen, Ziele, Aufgaben, Perspektiven" von Jens-Uwe Niehoff (Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2007). Hierbei handelt es sich zugleich um den zweiten Band der von H. Naegler und Th. Kersting herausgegebenen Reihe "Health Care Management".

Der Verfasser, gelernter Sozialmediziner und langjährig erfahren in der Weiterbildung von Medizinern, geht sein Thema aus drei Richtungen an:
• Vermittlung von Basiswissen zu Strukturen und Interaktionen des Gesundheitssystems, der Gesundheitssicherung und -versorgung,
• Erläuterung der gesundheitswissenschaftlichen Leitbegriffe für das Gesundheitsmanagement und mit einem
• kritischen Blick auf die Einführung von Markt und Wettbewerb.

Die Neuerscheinung geht durch ihre grundsätzlichen Ausführungen zu zentralen Entwicklungen im System der Gesundheitssicherung und -versorgung der Bundesrepublik weit über das Ziel der Wissensvermittlung hinaus. Besonderer Wert wird neben der Vermittlung von Sachinformationen darauf gelegt, aus einer sozialmedizinischen, gesundheitswissenschaftlichen und versorgungsanalytischen Perspektive zentrale Konflikte oder ihre Hintergründe zu erläutern und die sie speisenden Interessen um Gegenwart und Zukunft der "Branche" verständlich zu machen. Das Buch dürfte für die Lehre wie als griffbereites Lesewerk für die Praxis sehr nützlich sein.

Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen will, wie Niehoff versucht, den komplexen Ansprüchen gerecht zu werden, kann dies mit einer Leseprobe aus dieser Neuerscheinung zum Themenbereich "Managed Competition" tun. Die Komplexität des inhaltlichen Feldes und der zu seiner Darstellung notwendigen vielschichtigen Darstellung aufzulockern und verständlicher zu machen, schaffen der Verfasser und die Buchmacher im gesamten Buch durch systematisch eingefügte Kernfragen und -antworten sowie in Textkästen vorgestellten Praxisbeispiele.

Das Buch "Gesundheitssicherung - Gesundheitsversorgung - Gesundheitsmanagement. Grundlagen, Ziele, Aufgaben, Perspektiven" von Jens-Uwe Niehoff, umfasst 261 Seiten, 5 Abbildungen und 36 Tabellen und kostet € 34,95.

Lockeres zum Nachdenken zum Schluss: Im "ABC der Kultdeutschen" taucht "das Management" von Beschwerdemanagement bis Zuchtmanagement auf. Angesichts der Flut dessen was Management zu machen verspricht schließt der Absatz mit den Worten "Das wird immer mehr. Hier müssen wir aufpassen (Aufpaßmanagement)." (Michael Rudolf (2007): Atmo. Bingo. Credo. Das ABC der Kultdeutschen, Berlin: 75).

Bernard Braun, 13.4.2008