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Patienten
Versorgungsforschung: Übergreifende Studien


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Koronare Herzerkrankungen: Deutsche Ärzte schneiden schlechter ab bei Diagnostik, Medikamentenverordnung und Prävention

Artikel 1364 Welche diagnostischen Schritte und welche therapeutischen Maßnahmen bei koronaren Herzerkrankungen, aber auch bei anderen Krankheiten ergriffen werden, hängt auch ab von Merkmalen des Patienten und des behandelnden Arztes. Dass es indes auch länderspezifische Unterschiede gibt, hat jetzt eine Studie gezeigt, die in der Open-Access-Zeitschrift BMC Health Services Research veröffentlicht wurde. Sogenannte "standardisierte Patienten", also professionelle Schauspieler, die einen Patienten mit einer bestimmten Erkrankung spielen, wurden auf Video gefilmt. Diese Videos wurden niedergelassenen Ärzten (Internisten, Allgemeinärzte) aus den USA, dem United Kingdom und Deutschland vorgeführt. In den Filmszenen erzählten die Schauspieler-Patienten über ihre Beschwerden, und zwar solche, die typischerweise bei einer koronaren Herzerkrankung auftreten, wie unter anderem: Druckgefühle in der Brust, Zunahme der Druckgefühle bei Kraftanstrengung, seit über drei Monaten Unwohlsein, überhöhter Blutdruck.

Die Videos wurden mit verschiedenen Schauspielern gedreht, wobei man Merkmale wie Alter, Geschlecht, Hautfarbe und sozialer Status variierte. Sie wurden dann insgesamt 384 zufällig ausgewählten Ärzten gezeigt, 128 aus jedem der drei Länder. Dabei wurden Arztmerkmale wie Geschlecht und Berufserfahrung variiert. Danach wurden die an der Studie teilnehmenden Ärzte anhand eines Fragebogens zu einer Vielzahl von Aspekten befragt: Welche Fragen sie den Patienten stellen würden, welche diagnostischen Tests sie durchführen und welche Medikamente sie verschreiben würden, welche Diagnose sie vorläufig stellen würden und wie sicher sie mit dieser Diagnose seien, ob sie den Patienten bestimmte Ratschläge geben würden, was ihr Gesundheitsverhalten anbetrifft, und vieles andere mehr.

In der Auswertung der Antworten zeigte sich dann:
• Für die Zahl der Fragen, die der Arzt einem Patienten stellt, um zu einer fundierteren Diagnose zu kommen, zeigen sich erhebliche Unterschiede. US-Ärzte stellen die meisten, deutsche Ärzte die wenigsten Fragen. Die Durchschnittswerte betrugen: USA 8,7 Fragen - UK 5,5 - D 3,1. Dieses Ergebnis zeigte sich durchgängig für alle Fragenbereiche (Krankheitsgeschichte, Gesundheitsverhalten, Schmerzen usw.)
• Die (korrekte) Diagnose koronare Herzerkrankung wurde am häufigsten von US-Ärzten gestellt (95%), am zweithäufigsten von Ärzten aus dem United Kingdom (88%) und von deutschen Ärzten am seltensten (74%). Dieselbe Reihenfolge zeigte sich auch für die Selbsteinstufung, wie sicher man bei dieser Diagnose sei.
• Bei der jeweils vorgeschlagenen Therapie sind deutsche Ärzte erneut nur an dritter Stelle zu finden, was die korrekte Medikamenten-Verschreibung anbetrifft (D 17% - UK 48% - USA 67%). Dafür überweisen sie Patienten sehr viel häufiger an Spezialisten (52% im Vergleich zu 5% der US-Ärzte, UK 30%)
• Und schließlich zeigen sich auch Differenzen, was Verhaltensratschläge zu einer gesunden Lebensweise anbetrifft. Nur 9% der deutschen Ärzte gehen auf den Risikofaktor Rauchen ein (UK: 55%, USA: 32%) und dasselbe gilt für das Eingehen auf den Alkoholkonsum des Patienten.

Die Wissenschaftler geben keine zusammenfassende Bewertung der diagnostischen und therapeutischen Qualifikationen ab. Durchgängig zeigt sich jedoch, dass die deutschen Ärzte sehr viel schlechter abschneiden im Vergleich zu ihren Kollegen aus dem United Kingdom und den USA. Woran dies liegt, bleibt in der Studie offen. Einer von vielen möglichen Erklärungsansätzen könnte jedoch in den Aussagen liegen, wie viel Zeit sich die Ärzte in den einzelnen Ländern für einen solchen Patienten nehmen, wie er in den Videos zu sehen war. Hier lagen die Werte in den USA bei 18 Minuten, UK-Ärzte sagten im Durchschnitt 10 Minuten und deutsche Ärzte: fünfeinhalb Minuten .

Die Studie ist hier im Volltext kostenlos nachzulesen: Olaf von dem Knesebeck u.a.: Country differences in the diagnosis and management of coronary heart disease - a comparison between the US, the UK and Germany (BMC Health Services Research 2008, 8:198doi:10.1186/1472-6963-8-198)

Gerd Marstedt, 15.10.2008