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Interventionen für mehr körperliche Bewegung waren bislang nur begrenzt erfolgreich

Artikel 0732 "Gesunde Ernährung und mehr Bewegung - Schlüssel für mehr Lebensqualität" heißt das Eckpunktepapier der Bundesregierung, das eilig veröffentlicht wurde, nachdem unlängst die (nur sehr begrenzt zutreffende) Pressemeldung die Runde machte, Deutsche seien die dicksten Europäer. "Rund 30 % der Erwachsenen sind körperlich kaum aktiv, bewegen sich also im Alltag zu wenig. Auch Kinder bewegen sich heute viel weniger als früher. Mehr Bewegung ist der Schlüssel für mehr Lebensqualität in jedem Alter", erklärte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bei der Vorstellung des Papiers.

Tatsächlich ist die Forschungslage eindeutig, wie zum Beispiel aus dem RKI-Gesundheitsbericht "Körperliche Aktivität" hervorgeht: "Ein körperlich inaktiver Lebensstil ist ein wesentlicher verhaltensbezogener Risikofaktor, mit dem eine Reihe von Gesundheitsgefährdungen einher geht. (...) Nach Schätzungen aus den USA sind ca. 250.000 Todesfälle im Jahr, das sind 23 % aller durch chronische Erkrankungen bedingten Todesfälle, dem Mangel an regelmäßiger körperlicher Aktivität zuzurechnen. Für Deutschland wurde geschätzt, dass mehr als 6.500 Herz-Kreislauf-Todesfälle pro Jahr vermieden würden, wenn lediglich die Hälfte der körperlich inaktiven Männer im Alter von 40 bis 69 Jahren gemäßigten körperlichen Aktivitäten nachgingen." vgl. RKI: Körperliche Aktivität - GBE-Heft 26

Die Diagnose steht also, wie aber sieht es mit der Therapie aus? Eine jetzt im "British Medical Journal" veröffentliche Metaanalyse schon veröffentlichter Studien hat die Effektivität unterschiedlicher Interventionen zur Förderung der körperlichen Bewegung (spezieller Fokus: das "Gehen", also spazieren gehen, zur Arbeit oder einkaufen gehen, Wandern, Walking) noch einmal unter die Lupe genommen. Das Resultat kann nur sehr begrenzt Optimismus aufkommen lassen. Das Fazit der Studie geht dahin, dass solche Maßnahmen nur in sehr begrenztem Umfang wirksam sind. "Die erfolgreichsten Interventionen konnten bei den Teilnehmern eine Steigerung des Zu-Fuß-Gehens um bis zu 30-60 Minuten in der Woche erreichen - zumindest über einen kurzen Zeitraum. Im Hinblick auf eine systematische Gesundheitsförderung in der Bevölkerung ist festzustellen, dass die meisten Forschungsbefunde wohl eine gewisse Wirksamkeit der Interventionen belegen aber keine nachhaltige Effizienz."

30-60 Minuten zusätzliches Zu-Fuss-Gehen in der Woche zumindest innerhalb eines kurzen Beobachtungszeitraums - dies waren die Ergebnisse der erfolgreichsten Maßnahmen. Eine große Zahl von Interventionen verfehlte jedoch sogar diese minimale Verhaltensänderung. Von Medizinern wird allgemein mehr Bewegung empfohlen, "sollten Erwachsene mindestens 30 Minuten an moderater körperlicher Aktivität an den meisten, am besten allen Tagen der Woche ausüben, was einem zusätzlichen Energieverbrauch von ca. 200 kcal pro Tag entspricht. Als moderate körperliche Aktivitäten gelten solche, bei denen man etwas schwerer Atmen muss als normalerweise, wie z. B. beim Radfahren mit normaler Geschwindigkeit oder beim 'strammen' Spazieren gehen. Für einen optimalen gesundheitlichen Nutzen sollten Erwachsene darüber hinaus nach Möglichkeit drei Ausdauertrainingseinheiten (Dauer 20 bis 60 Minuten je Einheit) und zwei kraft- und beweglichkeitsorientierte Trainingseinheiten pro Woche ausüben." (RKI: Körperliche Aktivität - GBE-Heft 26)

Basis der Meta-Analyse waren 49 veröffentlichte Interventionsstudien, die mit unterschiedlichsten Konzepten und Anreizen arbeiteten, Individuen oder Gruppen ansprachen oder auch auf der Gemeinde-Ebene umgesetzt wurden. Eingesetzt wurden schriftliche Informationen und telefonische Instruktionen, Pädometer, geführte Gruppen und Mentoren, Medienkampagnen und Gemeinde-Feste. Dabei konnten die Wissenschaftler nicht feststellen, dass eine bestimmte Methode oder Vorgehensweise besonders erfolgreich war und ebenso blieb offen, ob bestimmte Multiplikatoren oder Veranstalter (Ärzte, Sportlehrer usw.) effektiver sind als andere.

Zwei allgemeine Aspekte des Vorgehens erwiesen sich jedoch relativ durchgängig als wichtig, um Teilnehmer zu mehr Bewegung zu animieren: Gezielte Teilnehmer-Auswahl und konzeptionelle Orientierung an der Zielgruppe. Der erste Aspekt bedeutet, dass meist solche Studien erfolgreicher waren, die eine klare Zielgruppe angesprochen hatten und sich nicht diffus an die Bevölkerung wendeten. Günstig war es darüber hinaus, wenn bei dieser Zielgruppe bereits eine Motivation zur Verhaltensänderung vorlag. Der zweite Aspekte bedeutet, dass man sich bei den Informationsmaterialien, den organisatorischen Rahmenbedingungen usw. sehr genau auf die Voraussetzungen und Motive der jeweiligen Adressaten einlässt und das Interventions-Programm auf sie "zuschneidet".

Betrachtet man die aktuell in Deutschland initiierten und viel umworbenen Präventions-Maßnahmen für mehr Bewegung wie das Regierungs-Programm 3000 Schritte extra oder die Barmer-Bild-ZDF-Kampagne Deutschland bewegt sich, dann ist leider festzustellen, dass genau diese Kriterien der Zielgruppen-Selektion und "Zuschneidung" der Programme auf die potentiellen Teilnehmer gänzlich verfehlt werden.

Die Studie über die Effektivität von Interventionen zur Förderung des Gehens ist hier im Volltext zu finden: Interventions to promote walking: systematic review (BMJ 2007;334:1204 , 9 June)

Gerd Marstedt, 12.6.2007