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Geringe Wirksamkeit der Förderung körperlicher Aktivität bei Kindern; Heranwachsende mehr Evidenz aber aufwändig!

Artikel 0924 Auch der aktuellste systematische Review von 57 kontrollierten oder randomisierten kontrollierten Studien zur Wirksamkeit unterschiedlichster Interventionen, um die körperliche Aktivität von Kindern und Heranwachsenden und damit eine wichtige Maßnahme gegen die Übergewichtigkeit oder Fettsucht dieser Gruppen zu fördern, liefert Ergebnisse, die überzogene Erwartungen an die Wirkung zahlreicher Präventionsprogramme erheblich dämpfen bzw. klarmachen, dass viele der einfachen Interventionen keinen Effekt haben.

In dem in der aktuellen "Online First"-Ausgabe des "British Medical Journals (BMJ)" (20 September 2007) publizierten Aufsatz "Effectiveness of interventions to promote physical activity in children and adolescents: Systematic review of controlled trials" von Esther van Sluijs, Alison McMinn und Simon Griffin, werden die Resultate von 33 kontrollierten Studien über Interventionen bei Kindern und 24 Studien bei Heranwachsenden dargestellt und bewertet. Von den insgesamt 57 reviewten Untersuchungen waren nur 24 von hoher methodischer Qualität - darunter 13 über Kinder.

Die Ergebnisse sehen so aus:

• 38 Studien (67 %) berichten einen positiven Interventionseffekt.
• 27 Studien (47 %) weisen eine statistisch signifikante Veränderung nach, darunter 14 Studien (42 %) bei Kindern und 13 (54 %) bei Heranwachsenden.
• Von den 10 qualitativ hochwertigsten Studien über Interventionen bei Kindern berichtete nur eine einzige einen signifikanten positiven Effekt. Dies begründet maßgeblich die Schlussfolgerung der Reviewer, es gäbe nur "limited" oder "some evidence" für die Wirksamkeit der kinderbezogenen Interventionen. Dabei wirken bei Kindern noch am ehesten umweltbezogene Interventionen und gezielte Maßnahmen für Kinder aus unteren sozialen Schichten.
• Von den 6 hochwertigsten Studien über Interventionen bei Heranwachsenden zeigten alle signifikante positive Resultate, was die Reviewer von einer "strong evidence of an effect" sprechen lässt.
• Dies gilt allerdings mit der wichtigen Einschränkung, dass ein derartig positiver Effekt nur bei Interventionen mit mehreren Komponenten auf verschiedenen "levels" nachgewiesen werden kann. Das Interventionsbündel muss aus schulbasierten Interventionen, Familien- oder Gemeindeaktivitäten, Bildungsangeboten und Umweltveränderungen bestehen
• Die auf die Erhöhung der körperlichen Aktivität zielenden Interventionen reichten von 2,6 Minuten längerer Aktivität bis zu 83 Minuten mehr Aktivität pro Woche.

Da es sich bei den reviewten Studien überwiegend um in den USA durchgeführte Forschungen handelt, ist die Generalisierbarkeit für andere Länder mit Vorsicht zu betreiben. Trotzdem gibt es unübersehbare Hinweise, sich auch in Deutschland von allzu eindimensionalen "Hurra"-Aktionsprogrammen fern zu halten.
Die sehr detaillierte tabellarische Vorstellung der Studien erleichtert das Finden und Bewerten konkreter Details aller Studien.

Der 13 Seiten umfassende Aufsatz "Effectiveness of interventions to promote physical activity in children and adolescents: Systematic review of controlled trials" ist im Online First-Angebot des BMJ komplett und kostenfrei als PDF-Datei erhältlich.

Sollte diese Downloadmöglichkeit mit dem Erscheinen des gedruckten Journals nicht mehr bestehen, kann hier ein Abstract bezogen werden.

Bernard Braun, 22.9.2007