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Gesundheitsförderliche Schulernährung: Eine "realistische" Meta-Analyse bringt mehr Erkenntnisse als übliche Cochrane-Studien

Artikel 0987 Im Januar 2007 wurde eine Cochrane-Studie über die Effektivität unterschiedlicher Maßnahmen im Bereich der Schulernährung zur Verbesserung des Gesundheitszustands sozial benachteiligter Hauptschüler veröffentlicht. Die Metaanalyse endete mit einem Fazit, das man in dieser oder ähnlicher Form aus einer Vielzahl von Cochrane-Studien kennt: Die Maßnahmen "könnten einige kleinere Vorteile mit sich bringen. Wir empfehlen jedoch weitere Forschungsstudien mit fundierten Konzepten..." Einige Autoren dieser Studie haben nun erkannt, dass dieses inhaltlich vage Fazit auch für die Praxis überaus unbefriedigend ist und eine leider noch wenig gebräuchliche, inhaltlich aber aussagekräftigere Auswertung durchgeführt: Die "realistische" Meta-Analyse.

Die Bilanz und Zusammenfassung des Forschungsstands in Cochrane- und Meta-Analysen lässt oftmals beim Leser Ratlosigkeit zurück. Wohl in der Mehrzahl der Fälle wird die unbefriedigende methodische Qualität von Studien beklagt, findet man Bilanzierungen, die in vagen Einschätzungen wie "es gibt einige Hinweise darauf..." ("there is some or small evidence...") kulminieren. Auch wenn die Heterogenität von Studien oftmals kein eindeutigeres Fazit in quantitativer Hinsicht erlaubt, so vermisst man doch vielfach qualitative Zusammenfassungen oder auch nur Forschungshypothesen, unter welchen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen Interventionen erfolgreich waren und wann nicht.

Exakt dieses Defizit einer sehr formalistischen und dabei inhaltsleeren Forschungsbilanz versucht die Forschungsgruppe aus Ottawa und London zu überwinden mit ihrer "realistic review". Gemeint ist damit, dass sie die konkreten Voraussetzungen der jeweiligen Interventionsstudien noch einmal im Detail betrachteten und diskutierten und dabei auch besonderes Augenmerk legten auf jene Bedingungen, die nach Annahme der Studienautoren maßgeblich waren für den Erfolg oder Misserfolg. Der zeitliche und gedankliche Aufwand für diese Art der Analyse ist naturgemäß sehr viel höher, da er von einem Forschungsteam verlangt, noch einmal im Detail die theoretischen Annahmen, Forschungsdesign und Untersuchungsgruppen, und auch Analysemethoden und Schlussfolgerungen von außen nachzuvollziehen und auf ihre Stringenz zu bewerten.

Dass dieser Zeitaufwand gleichwohl lohnt, zeigen die Ergebnisse der "realistischen Meta-Analyse" für das Thema "Voraussetzungen für den Erfolg von Schulernährungs-Interventionen zur Verbesserung des Gesundheitszustands von Primärschülern". Während die zuvor publizierte Cochrane-Studie eher Vermutungen und vage Hinweise hierüber erbrachte, sind die Erkenntnisse aus der neuen Vorgehensweise sehr viel konkreter und auch für Praktiker nutzbar. So wird hervorgehoben, dass solche Interventionen dann eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit aufweisen, wenn:
• bei der Zielgruppe klare und eindeutige Ernährungs-Defizite vorliegen,
• die beteiligten Schulen sich sehr stark an den Maßnahmen beteiligen und klare Organisationsstrukturen hierfür aufbauen,
• die Interventionen von Akteuren aus dem jeweiligen sozialen Umfeld (Schule, Kommune) und nicht von externen Experten entwickelt werden,
• die jeweils zur Verfügung gestellten Speisen und Getränke auch schmackhaft sind und nicht aufgrund subkultureller Normen von vornherein abgelehnt werden,
• Maßnahmen (Aufsicht und Kontrolle) getroffen werden, die auch sicherstellen, dass die Speisen tatsächlich gegessen werden,
• auch auf die sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen der Mahlzeiten Wert gelegt wird.

Umgekehrt finden sich auch einige deutliche Hinweise, unter welchen Bedingungen Interventionen im genannten Bereich der Gesundheitsförderung mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Dies trifft etwa zu, wenn der Forschungscharakter der Intervention entweder zu stark in den Vordergrund tritt oder gar nicht darauf hingewiesen wird. Diese neuen Einsichten werden von der Forschungsgruppe noch einmal im Detail und anhand von Beispielen aus den evaluierten Studien diskutiert.

• Die im Januar 2007 veröffentlichte Cochrane-Studie: Kristjansson E. u.a.: School feeding for improving the physical and psychosocial health of disadvantaged elementary school children (Cochrane Database Syst Rev 2007;(1):CD004676.)
• Die "realistische Meta-Analyse": Greenhalgh T, Kristjansson E, Robinson V: Realist review to understand the efficacy of school feeding programmes (BMJ 2007;335:858-861 (27 October), doi:10.1136/bmj.39359.525174.AD)

Gerd Marstedt, 29.10.2007