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Über 2,5 Millionen Kinder in Deutschland haben suchtkranke Eltern - BKK veröffentlicht Broschüre für Multiplikatoren

Artikel 0888 In Deutschland leben über 2,5 Mio. Kinder, die mit einem suchtkranken Elternteil aufwachsen. In jeder zwölften Familie ist ein Kind tagtäglich mit Alkoholabhängigkeit konfrontiert. Rund 40- 60.000 Kinder leben mit Eltern, die von illegalen Drogen abhängig sind. Diese Kinder sind einer Vielzahl von sozialen und gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt, in den Familien mangelt es häufig an Verlässlichkeit und Vertrauen. Für die Kinder ist darüber hinaus das Risiko erhöht, später einmal selbst suchtkrank zu werden.

Mit der Initiative "Kindern von Suchtkranken Halt geben" richtet sich der BKK Bundesverband gemeinsam mit dem Bundesverband der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe an Pädagogen, um für das Thema "Kinder von Suchtkranken" zu sensibilisieren und auch die praktische Hilfe zu verbessern. Die im Rahmen des Projektes erstellte Praxishilfe richtet sich an Lehrer, Kindergärtner, Übungsleiter beim Sportverein und Mitarbeiter in der Jugendhilfe.

In der Broschüre werde auch viele Forschungsergebnisse (mit Literaturangaben) vorgestellt, die die Problematik verdeutlichen:
• In Deutschland ist von 2,6 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren auszugehen, die zumindest zeitweise mit einem alkoholabhängigen Elternteil leben. Jedes siebte Kind ist somit von der Alkoholstörung eines Elternteils betroffen.
• Mehr als ein Drittel aller Drogenabhängigen hat Kinder - demnach haben fast 40.000 Kinder Eltern, die von illegalen Drogen abhängig sind.
• Jedes 300. Neugeborene ist von Alkoholembryopathie betroffen (eine durch chronischen Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft hervorgerufene vorgeburtliche Erkrankung des Kindes) - das sind ca. 2.200 Neugeborene pro Jahr.
• Es gibt ca. fünf bis sechs Millionen erwachsene Kinder suchtkranker Eltern; ein großer Teil von ihnen leidet im späteren Leben unter verschiedenen psychischen Beeinträchtigungen und Störungen.
• Ein Teil der Kinder suchtkranker Eltern neigt zu schädlichem Konsum von Alkohol und anderen Suchtmitteln und hat damit ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Abhängigkeiten. Mehr als 30 Prozent der Kinder werden selbst suchtkrank - meist sehr früh in ihrem Leben.
• Kinder suchtkranker Eltern gelten als die größte Risikogruppe bezüglich der Entwicklung eigener Suchterkrankungen ab dem Jugendalter. Zudem ist für diese Kinder das Risiko der Erkrankung an anderen psychischen Störungen deutlich erhöht. Dies betrifft besonders die Entwicklung von Angststörungen, Depressionen oder anderer Persönlichkeitsstörungen.
• Kinder suchtkranker Eltern sind während der Kindheit und Jugend häufig durch Hyperaktivität, Impulsivität und Aggressivität, durch Angstsymptome, gestörtes Essverhalten und depressive Symptome, durch Defizite in der schulischen Leistung und in der visuellen Wahrnehmung sowie durch starke innerfamiliäre Konflikterfahrung gekennzeichnet.

Hier finden Sie die 60seitige Broschüre mit vielen Hinweisen für Lehrer, Sozialpädagogen und andere Multiplikatoren zum praktischen Umgang mit der Problematik: "Leitfaden für Multiplikatoren: Kindern von Suchtkranken Halt geben - durch Beratung und Begleitung"

Gerd Marstedt, 30.8.2007