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Prävention
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Gesundheitsförderung an deutschen Schulen: Positiveffekte setzen hohen Einsatz voraus

Artikel 1849 Das Gesundheitsförderungs-Projekt "gesund leben lernen" wird seit dem Jahr 2003 an insgesamt 62 Schulen und zwei Kitas in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt durchgeführt. In einer Veröffentlichung in der Zeitschrift "Prävention und Gesundheitsförderung" zieht die Forschungsgruppe "Versorgung und Qualität in der Prävention", angesiedelt am Institut und der Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), eine erste Bilanz. Zentraler Befund dieser Evaluation ist: "Wo das Projekt mit mehr Zeit und multimodalem Vorgehen umgesetzt wurde und auf günstige Rahmenbedingungen traf, verbesserten sich gesundheitsbezogene Strukturen und Prozesse, Schüler- und Lehrergesundheit. Im Mittel gewannen aber nur wenige Dimensionen signifikant, mit schwacher bis mittlerer Effektgröße." (S. 3)

Zu Projektbeginn wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt, danach konnte jede Schule ihren eigenen Weg gehen und aus dem Spektrum möglicher Maßnahmen zur Gesundheitsförderung auswählen: Verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen, Gesundheitstage, Umgestaltung des Schulgeländes, Fortbildungen für das Lehrerkollegium, Angebote zur Sucht- oder Übergewichtsprävention oder zur Stressbewältigung. Für das Projekt wurden zu Beginn keine konkreten und differenzierten Ergebnisindikatoren festgelegt. Die spätere Evaluation sollte jedoch überprüfen, ob Verbesserungen auf drei Ebenen erzielt wurden: (1) Organisations-Strukturen und Prozesse im Schulalltag (z.B. Partizipation, Ausstattung und Qualitätssicherung der Gesundheitsförderung), (2) Arbeitsbelastungen, Gesundheit und Gesundheitsverhalten, Ressourcen (Selbstwirksamkeit) der Lehrer, (3) vergleichbare gesundheitsbezogene Indikatoren bei Schülern.

"Das wünschenswerte Design einer cluster-randomisierten Studie", so erklären die Wissenschaftler, "war aus mehreren Gründen nicht durchführbar." Hierfür genannt werden unter anderem der höhere Kosten- und Zeitaufwand für die Einbeziehung von Kontrollgruppen sowie die befürchtete ablehnende Haltung von Schulen, die nur als Kontrollgruppe dienen sollten. Stattdessen wurde eine Beobachtungsstudie durchgeführt. Die Schulen wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, um eine Überrepräsentierung von Schulen auszuschließen, die eine besonders hohe Motivation und Erfolgsaussicht aufweisen.

Die Studie begann 2003 mit 67 Schulen, 15 davon brachen aber in den ersten beiden Jahren ab. Schriftliche Fragebogen-Erhebungen fanden dann ab Ende 2004, ab Ende 2006 und schließlich ab Januar 2008 statt. Eingesetzt wurden 4 Fragebögen zur Abschätzung der Wirkungen. Darunter waren ein Instrument zur Erfassung gesund¬heitsförderlicher Strukturen und Pro¬zesse, ein Fragebogen für Lehrer, der unter anderem Alter, Geschlecht, Arbeitszufrieden¬heit, Ar¬beitsplatzbelastungen, soziale Unterstützung, Le¬bensqualität, psychisches Wohlbefinden, Tabak- und Alkoholkonsum und Selbstwirksamkeitserwar¬tung erfasste. Der Fragebogen für Schüler war ähnlich differenziert und umfangreich und thematisierte vergleichbare Indikatoren. Schließlich wurde auch ein Dokumentationsbogen für die durchgeführten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung eingesetzt.

Es zeigte sich, dass die Schulen erhebliche Ressourcen einsetzten. Im Durchschnitt wurden 160 Arbeitsstunden investiert und 18 Maßnahmen in knapp 3 Jahren durchgeführt. Allerdings wurde dabei eine große Heterogenität deutlich, die Streuweite variierte zwischen 0 und 711 Stunden sowie 1 bis 63 Maßnahmen. Die wesentlichen Ergebnisse der Evaluation waren folgende.

• "Ohne Fleiß kein Preis": Schulen mit deutlichen strukturellen Verbesserungen und auch gesundheitlichen Positiveffekten bei der Lehrergesundheit investierten im Mittel etwa doppelt so viel Zeit in das Projekt, führten erheblich mehr Einzelmaßnahmen durch und gestalteten diese differenzierter. Schulen, an denen sich speziell die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Lehrer verbesserte, hatten mehr als doppelt so viel Zeit investiert im Vergleich zu Schulen, wo dieser Indikator sich verschlechterte (276 versus 137 Stunden).
• Verbesserungen, was die Gesundheit der Schüler anbetraf, blieben aus oder waren überaus geringfügig, zum Beispiel stieg die Schulzufriedenheit um etwa 5%, körperliches Wohlbefinden und Selbstwerterleben lediglich um etwa 3%.
• Die Lehrer berichteten über eine deutliche Zunahme ihrer erlebten Arbeitsbelastung um 12% im Projektzeitraum.
• Die drei untersuchten Wirkungsebenen zeigten unterschiedlich große Effekte: Strukturverbesserungen zeigten sich deutlicher als Veränderungen des Gesundheitszustands. Die maximal erreichten Verbesserungen betrugen 35% für Strukturveränderungen, 12% für Verbesserungen der Lehrergesundheit, 3% für Verbesserungen der Schülergesundheit.
• Die Effekte waren in den einzelnen Schulen extrem unterschiedlich: Nur eine Schule erreichte Verbesserungen auf allen drei Ebenen. an 10 von 22 Schulen (45%) traten Erfolge auf mindestens 2 Ebenen ein, an ebenso vielen gingen Erfolge auf einer Ebene mit Rückgängen auf einer anderen einher.
Das "Projektziel einer Verringerung sozi¬al bedingter gesundheitlicher Ungleichheit" wurde nach Aussage des Forschungsteams erreicht. Wie groß ist dieser Effekt ist, wird in der Veröffentlichung jedoch leider nicht dargestellt.

Unter dem Strich lautet das Fazit: "Ein Fünftel der Schulen (n=15) gab das Projekt kurz nach Beginn auf, nur etwa ein Drittel der verbleibenden profitierte klar, und davon etwa die Hälfte auf mehr als einer Ebene (Strukturen, Lehrer- oder Schülergesundheit). Das Programm bot also kein für alle Einrichtungen mit Sicherheit erfolgreiches Vorgehen. Seine Wirksamkeit war von Rahmenbedingungen und einer intensiven Durchführung abhängig. Wo ungünstige Ausgangslagen bestanden (schlechte Ausstattung, geringes soziales Kapital im Schulumfeld, besonders hohe Eingangsbelastung), wo das Projekt mit geringem Einsatz durchgeführt wurde (punktuelle Maßnahmen relativ geringer Dosis) und wo die Veränderungen der Arbeitswelt Schule (erhöhte subjektive Arbeitsbelastung der Lehrkräfte) zusammentrafen, konnte das Projekt Gesundheitsverschlechterungen nicht aufhalten." (S. 10)

Das Forschungsteam weist in der Diskussion der Befunde noch einmal darauf hin, dass die weithin vermisste systematische und methodisch fundierte Evaluation von Gesundheitsförderungsmaßnahmen in der Schule nicht nur in wissenschaftlicher Perspektive ein Problem ist. Enttäuschungen der Schüler wie Lehrer, Verluste von Zeit und finanziellen Ressourcen stellen sich gehäuft dann ein, wenn in der Evaluation von Maßnahmen nicht unterschiedliche Ausgangsbedingungen und Vorgehensweisen unterschieden und stattdessen "gelungene und ungeeignete Interventionen 'in einen Topf geworfen' und zusammen beurteilt werden." (S. 11)

Von der Studie ist kostenlos leider nur ein Abstract verfügbar: T. Kliche, D. Hart, U. Kiehl, M. Wehmhöner, U. Koch: (Wie) wirkt gesundheitsfördernde Schule? Effekte des Kooperationsprojekts "gesund leben lernen" (Prävention und Gesundheitsförderung, Online First, DOI 10.1007/s11553-010-0243-4)

Gerd Marstedt, 10.9.10