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Prävention
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Kinderrücken nehmen schweren Ranzen nicht krumm

Artikel 1322 Jeden Morgen das Gleiche: Der Schulranzen der Kinder ist viel zu schwer. Wenn die Kleinen gebückt unter der Last der Bücher, Atlanten und Hefte das Haus verlassen, meint man die Wirbelsäule förmlich ächzen zu hören. Auch die Empfehlung von Ärzten, Schulbehörden und Ministerien lauten, dass der Ranzen nicht mehr als ein Zehntel des Kindes wiegen soll. Doch Schulleiter und Lehrer setzen sich bei der Gestaltung von Stundeplan und Unterricht nonchalant über die Empfehlungen zur Gewichtsbegrenzung hinweg - und wie es scheint, haben sie offenbar recht damit: Die Untersuchung "Kidcheck" zeigte jetzt, dass selbst beim Tragen viel schwererer Ranzen keine Schäden zu erwarten sind.

Wissenschaftler des interdisziplinären Kidcheck-Teams der Universität des Saarlandes, das seit 1999 Haltungsschwächen und -schäden nachgeht, untersuchten für die Ranzenstudie 60 Kinder aus zweiten und dritten Grundschulklassen. Im Durchschnitt brachten die Ranzen 17,2 Prozent des Gewichtes der Kinder auf die Waage. Beim Vermessen der Körperhaltung mittels Laserstrahl zeigte sich, dass bepackte Kinder beim Stehen das Gewicht leicht nach vorne verlagern und so den Körper praktisch ohne Energieaufwand und Muskelanstrengung ausbalancieren.

Selbst nachdem die Kinder einen anspruchsvollen 15-minütigen Parcours samt Ranzen auf dem Rücken bewältigt hatten, zeigte die Muskulatur, wie per Elektroden ermittelt wurde, kaum Ermüdungserscheinungen. Erst bei einem Ranzengewicht von einem Drittel des Körpergewichts ließ sich eine nennenswerte Muskelaktivität zur Entlastung der Wirbelsäule messen - und selbst das werten die Forscher als willkommene Kräftigung der Muskeln. Schließlich ist die Rückenmuskulatur von Stubenhockern, von immerhin fast jedem zweiten Kind, so schwach ausgeprägt, dass sie sich nicht auf Dauer gerade halten können. Aufgrund der Testergebnisse und der relativ kurzen Tragedauer hält Studienleiter Oliver Ludwig schwere Ranzen schlichtweg für unbedenklich.

Doch woher stammt die so verbreitete 10 Prozent-Regel dann? Bei ihren Recherchen stießen die Forscher auf einen Erlass vor dem ersten Weltkrieg. Mit der Empfehlung sollte verhindert werden, dass Rekruten nach Märschen von über 20 Kilometern müde Muskeln bekommen.

Christian Weymayr, 20.8.2008