Home | Patienten | Gesundheitssystem | International | GKV | Prävention | Epidemiologie | Websites | Meilensteine | Impressum

Sitemap erstellen RSS-Feed

RSS-Feed
abonnieren


Weitere Artikel aus der Rubrik
Prävention
Präventionspolitik, Präventionsprogramme


Mammografie-Screening: Häufige Überdiagnosen als gravierender Kollateralschaden (3.11.16)
Gesundheit durch Impfen - Der unbeirrbare Glaube an biomedizinische Lösungen (29.2.16)
Klimawandel - auch ein Thema für den Gesundheitssektor (10.12.15)
Public Health als Weg zur Optimierung des Menschen im Sinne besserer Resilienz (28.6.15)
Korruption sowie private Finanzierung von Gesundheitsleistungen - wichtigste Ursachen für zunehmende Antibiotikaresistenzen (30.3.15)
Wie sich öffentlich organisierte und finanzierte Familienplanung und Sexualberatung in den USA auszahlt! (11.11.14)
Mammografie-Screening 3: Frauen schlecht informiert über Nutzen und Risiken (21.4.14)
Mammografie-Screening 2: Gynäkologen schlecht informiert über Nutzen und Risiken (20.4.14)
Mammografie-Screening 1: Nutzen fraglich, wenn dann bestenfalls gering (16.4.14)
Vorsicht Grenzwert! Welches gesundheitliche Risiko birgt die EU-Richtlinie für Feinstaub in sich? (31.12.13)
"Wer hat noch nicht, wer will noch mal": Ist die "Statinisierung" der Weltbevölkerung zwingend, sinnvoll oder vermeidbar? (3.12.13)
Ärztetag, Armut und Gesundheit: Kleinkariert, selbstbezogen und beschränkt (31.5.13)
Metaanalyse zeigt: Vitamine und antioxidative Nahrungsergänzungsmittel nützen nichts gegen Herz-Kreislaufkrankheiten. (1.2.13)
Sinkende Ausgaben = "hoher Stellenwert" der Prävention für die GKV!? Wenn nicht jetzt, wann denn dann "mehr Prävention"? (11.1.13)
Verkürzen Ängste und Depressionen das Leben? (21.8.12)
Welches "Gewicht" haben sieben Verhaltens- und Risikofaktoren auf die kardiovaskuläre Gesundheit? (10.7.12)
Macht nur konserviertes Fleisch krank - oder führt jede Art von Fleischkonsum zu höherer Sterblichkeit? (6.7.12)
Soziale Ungleichheiten der Gesundheit - Erfahrungen und Lehren aus 13 Jahren Labour-Regierung (16.5.12)
Bis zu 10 Überdiagnosen auf einen durch Früherkennung verhinderten Tod an Brustkrebs (21.4.12)
GKV-Präventionsbericht 2011: Nimmt man ein Glas, das klein genug ist, kann man davon reden es sei halb voll … (17.3.12)
Entsprechend qualifizierte Familienangehörige verringern das Risiko von Rückfällen bei depressiven Patienten beträchtlich! (20.7.11)
Prävention von Übergewicht bei Kleinkindern: Erfolgreich nur mit langem Atem (10.2.11)
IDEFICS - Ein EU-Projekt zur Prävention von Übergewicht bei Kindern geht 2011 zu Ende (5.2.11)
Prävention von Übergewicht bei Kindern: Cochrane-Metaanalyse zeigt wenig spezifische Wirkungen (26.1.11)
Gesundheitsförderung an deutschen Schulen: Positiveffekte setzen hohen Einsatz voraus (10.9.10)
"Kann denn das bisschen Rauch gefährlich sein?" - Kurzinformationen zum Gesundheitsrisiko "Passivrauchen" (20.7.10)
Wirtschaftliche Verluste im Gastgewerbe durch Rauchverbote geringer als befürchtet (5.7.10)
Alkohol: höhere Preise - weniger Probleme (18.5.10)
Irrtum korrigiert: Obst und Gemüse schützen kaum oder gar nicht vor Krebs (14.4.10)
Minderung des Softdrinkkonsums von Kindern und Jugendlichen - keine einfachen Lösungen (11.4.10)
Steuer auf Junk Food: gut für die Gesundheit (26.3.10)
Wirksamkeit von Brustkrebs-Screening überaus fraglich (24.3.10)
Meta-Analyse: Vermeidung von Übergewicht bei Schulkindern ist durch Interventionen möglich, Abbau von Übergewicht bislang nicht (11.2.10)
Fragen zur Prävention: Mehrheit der Bevölkerung ist der Meinung "Damit belästigen wir nicht den Hausarzt" (9.2.10)
Wären Präventionskampagnen erfolgreicher, wenn mehr Prinzipien der Werbepsychologie berücksichtigt würden? (16.12.09)
Ökonomie der Aufmerksamkeit: Täglich 13.000 tote Kinder und Mütter in Afrika und weltweit 6.250 Schweinegrippetote in 7 Monaten (14.11.09)
Prävention von Übergewicht bei Kindern: Die bisherige Bilanz erkennt sehr viele Defizite (31.8.09)
Programme für Jugendliche zur Sexualerziehung zeigen in England sehr unerwünschte Effekte (23.8.09)
Adhärenz bei Drogenabhängigen - und es geht doch (17.6.09)
Cochrane-Review von 34 Studien zeigt, dass Gewaltpräventionsprogramme an Schulen wirksam sind (24.4.09)
Verbesserung von Prävention wirkt sich stärker auf Lebenserwartung aus als erhöhte Ausgaben für medizinische Versorgung (24.2.09)
750 Dollar Prämie für Raucher, die ihr Laster aufgeben: Geldanreize für Nikotinverzicht zeigen in einer US-Studie Wirkung (13.2.09)
Verbot der Fernsehwerbung von Fastfood-Restaurants würde die Verbreitung von Übergewicht bei Kindern senken (9.2.09)
Weniger Feinstaub - weniger Herzinfarkte (9.2.09)
Umverteilung verbessert die Gesundheit - Vergleich der Sozialpolitik von 18 OECD-Ländern (29.11.08)
"Raucherpfennig" für Nikotinsünder, "Speck-Steuer" für Adipöse: Werden die alten Malus-Vorschläge der 90er Jahre jetzt Realität? (8.9.2008)
Kinderrücken nehmen schweren Ranzen nicht krumm (20.8.2008)
Keine oder nur geringe Wirkungen von Sexualerziehungsprogrammen für Teens in den USA auf ihr Sexualwissen und -verhalten (19.7.2008)
Rechtsgutachten im Auftrag des DKFZ argumentiert: Bundesweit einheitlicher Nichtraucherschutz wäre doch möglich (28.3.2008)
Spart Prävention Geld? (14.2.2008)
Niederländische Studie rechnet vor: Prävention bringt keine direkten Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem (8.2.2008)
Indonesien und Bangladesch: Kinder mit besserer Schulbildung haben weniger wahrscheinlich unterernährte Nachkommen (28.1.2008)
Wissenschaftler kritisieren: Leitlinien und Ratschläge zur gesunden Ernährung verursachen oft mehr Schaden als Nutzen (26.1.2008)
Kochen als Schulfach, Fahrradfahren in "gesunden Städten": England beschließt 500 Millionen Euro Programm gegen Übergewicht (24.1.2008)
Interventionen zur Erhöhung der körperlichen Aktivität zeigen bei chronisch Erkrankten Erfolg (23.1.2008)
Verbraucherzentrale fordert Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Ampel-Symbolen nach dem Vorbild Englands (23.12.2007)
Studie kritisiert fehlende wissenschaftliche Grundlagen und unzureichende Evaluation der Prävention in Deutschland (23.10.2007)
Stringentere Geschwindigkeitskontrollen sind zur Unfall-Prävention überaus effektiv, Bußgelderhöhungen eher fragwürdig (8.10.2007)
Pro und Contra zu Nutzen und Implementation der HPV-Impfung: Schwerpunkt-Thema im Canadian Medical Association Journal (29.8.2007)
Förderprogramme für Kinder aus unterprivilegierten Familien verhelfen zu besseren Bildungschancen und Lebensbedingungen (7.8.2007)
Gewalt unter Schulkindern: Viele Studien belegen den (zumindest kurzfristigen) Erfolg von Präventionsprogrammen (6.8.2007)
Gesundheitsexperten: Ausgaben für Prävention sind wichtiger als solche für Kuration (21.2.2007)
Fußgängerfreundliche Stadtplanung fördert körperliche Bewegung und verhindert Übergewicht (19.2.2007)
Grippeschutzimpfungen: Kein stichhaltiger Beleg für ihren Nutzen? (16.2.2007)
Agression im Kindergartenalter - Eine Studie zeigt: Es geht auch ohne Medikamente (2.2.2007)
GKV erreicht mit Präventionsleistungen doppelt so viele Menschen wie im Vorjahr (6.1.2006)
Nur 3 Prozent der Gesundheitsausgaben in OECD-Ländern für Prävention und öffentliche Gesundheitsprogramme (28.11.2005)
Aids-Prävention – eine Innovation in der Krise (27.9.2005)
Forschungsdokumentation Prävention, Vorsorge, Vorbeugung (26.9.2005)
Das deutsche Präventionsgesetz 2005 – ein gescheiterter Anlauf (1.9.2005)
Prävention in Deutschland: Note mangelhaft (1.8.2005)

Seite mit den Texten aller Artikel aufrufen:
Präventionspolitik, Präventionsprogramme
 

Andere Rubriken in "Prävention"


Präventionspolitik, Präventionsprogramme

Betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschutz

Maßnahmen, Projekte zur Gesundheitsförderung

Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Sport usw.)

Wellness, Gesundheit als Lifestyle

Früherkennung, Screening

andere Themen



Welches "Gewicht" haben sieben Verhaltens- und Risikofaktoren auf die kardiovaskuläre Gesundheit?

Artikel 2142 Obwohl niedriger Blutdruck, Bewegung oder der Verzicht auf das Rauchen zusammen mit vier anderen so genannten Risikofaktoren seit Jahrzehnten als hilfreich bei der Prävention von Herz-/Kreislauferkrankungen empfohlen werden, schaffen es nur sehr wenige Personen, diese Ziele zu erreichen. Dieses kritische Bild der Präventionsbemühungen liefert eine gerade veröffentlichte und kommentierte Untersuchung der Entwicklung der sieben für die kardiovaskuläre Gesundheit relevant gehaltenen Verhaltens- und Körperwerten sowie der Gesamtsterblichkeit und kardiovaskulären Sterblichkeit bei 44.959 erwachsenen bevölkerungsrepräsentativen US-AmerikanerInnen.

Herz-/Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten chronisch-degenerativen Krankheiten in entwickelten Gesellschaften und auch zu den Krankheiten, die seit Jahrzehnten im Mittelpunkt von Primär- und Sekundärprävention stehen. Entsprechend enthalten die Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften und die diversen Ratgeber für Laien oder PatientInnen eine immer länger werdende Liste von Verhaltensweisen und gesundheitlichen Körperwerten, deren Ausübung und Erreichen gesundheitsförderlich sein sollen. Dazu gehören das Nichtrauchen, mindestens fünfmal pro Woche mäßige Bewegung, ein normaler Blutdruck-, Cholesterin- und Blutzuckerwert, ein niedriger Body Mass Index (BMI)-Werte und eine möglichst "gesunde"/vollwertige Ernährung. Gleichzeitig wurden die kritischen Schwellenwerte für alte und neue so genannte Risikofaktoren laufend verändert, d.h. fast durchweg abgesenkt und sollen auch weiter "schärfer" gestellt werden. Ob das Erreichen dieser Werte für alle möglicherweise gefährdeten Personen möglich ist, wie das möglich ist und ob der versprochene Nutzen wirklich erreicht wird, blieb aber weitgehend im Unklaren.

Die Hauptfacetten der Empirie dieser Präventionsbemühungen sind:

• Das Erreichen einer größeren Anzahl der genannten Gesundheitswerte war mit einem niedrigeren Risiko der gesamten sowie der kardiovaskulären Sterblichkeit assoziiert. So betrug nach der Alters- und Geschlechtsstandardisierung das Risiko der Gesamtsterblichkeit bei Personen, die eines oder keines der Ziele erreichten 14,8 Tote auf 1.000 Personenjahre und sank bei den Personen, die 6 und mehr der Ziele erreichten auf 5,4 Tote/1.000 Personenjahre. Die entsprechenden Risikowerte für die Herz-/Kreislaufsterblichkeit betrugen 6,5 und 1,5 und für das Risiko an einer ischämischen Herzerkrankung zu versterben 3,7 und 1,1 Tote/1.000 Personenjahre. Diejenigen, die 6 und mehr der Ziele erreichen haben anders ausgedrückt ein um 51% niedrigeres Gesamtsterblichkeitsrisiko, um 76% niedrigeres kardiovaskuläres Sterblichkeitsrisiko und ein um 70% niedrigeres Risiko an einer ischämischen Herzerkrankung zu sterben als die Personen, die nur eines oder keines der Ziele erreichen.
• Nur sehr wenige TeilnehmerInnen erreichten innerhalb des Untersuchungszeitraums alle sieben Werte oder Ziele. Die Anzahl derjenigen, die das schaffen, sinkt sogar von 2% in den Jahren 1988-1994 auf 1,2% in den Jahren 2005-2010. Die Gruppe der Personen, die keines oder nur eines der Ziele erreichen steigt dagegen im selben Zeitraum von 7,2% auf 8,8%.

Der Verfasser des Editorials zum Aufsatz hebt die Diskrepanz zwischen den von us-amerikanischen Kardiologen für den Zeitraum bis 2020 angekündigten neuen Grenzwerten und diesen Ergebnissen zum Status quo hervor und stellt sich die Frage nach den Ursachen für diesen Zustand. Dabei spielt seines Erachtens das für Erwartungen leitende Menschenbild eine große Rolle. Er charakterisiert das Menschenbild, das in den USA der Vorstellung zugrunde liegt, diese Zielwerte möglichst alle und auch leicht erreichen zu können, als das von einer jungen, gut ausgebildeten weißen Frau. Jede biologisch oder sozial bedingte Abweichung senkt die Wahrscheinlichkeit, die Ziele zu erreichen beträchtlich. Um die Diskrepanzen zwischen Notwendigkeit und Wirklichkeit vielleicht doch überwinden zu können, schlägt der Editor schließlich vor, die Grenzen der Gesundheitsversorgung und des Gesundheitssystems zu überwinden und daran zu arbeiten, die soziale Umgebung und den Zugang zu besseren Nahrungsmitteln und Aktivitäten zu verbessern. Seine weiteren Ausführungen wirken aber eher zwangsoptimistisch und voluntaristisch: "The nation can, and must, take one step forward toward improved cardiovascular health." Warum gesunde und auch bereits kranke Personen trotz gesichertem Wissen über das statistische und sogar ihr persönliches Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko vieler ihrer Verhaltensweisen und Körperwerte nichts unternehmen, ist nach den beschriebenen empirischen Verhältnissen die nächste zu erkundende Frage.

Der Aufsatz "Trends in Cardiovascular Health Metrics and Associations With All-Cause and CVD Mortality Among US Adults" von Quanhe Yang et al., online veröffentlicht im "Journal of the American Medical Association (JAMA)" vom 16. März 2012, ist komplett kostenlos erhältlich.

Ebenfalls kostenlos erhält man das Editorial von Donald M. Lloyd-Jones: "Improving the Cardiovascular Health of the US Population".

Bernard Braun, 10.7.12