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Wissenschaftler kritisieren: Leitlinien und Ratschläge zur gesunden Ernährung verursachen oft mehr Schaden als Nutzen

Artikel 1118 Die Propagierung von Ernährungsrichtlinien basiert nur selten auf wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen, so wie dies in der medizinischen Forschung der Fall ist. Gleichwohl werden immer wieder Leitlinien aufgestellt und über die Medien Verhaltensratschläge verbreitet - in der Annahme, dass diese Empfehlungen zwar nicht 100prozentig abgesichert sind, aber zumindest nicht schaden können. Dass diese Informationspolitik sehr wohl großen Schaden anrichten kann, versuchen Wissenschaftler des Albert Einstein College of Medicine und der Yeshiva University (beide New York) in einem Aufsatz darzulegen, der jetzt in der Zeitschrift "American Journal of Preventive Medicine" veröffentlicht wurde.

Die aktuelle Übergewichts-Problematik, von der neben England in überdurchschnittlich starkem Maße auch die USA betroffen sind, ist nach der Argumentation der Forscher zu einem erheblichen Anteil verursacht worden durch Ratschläge von Ernährungswissenschaftlern, fettreiche Nahrungsmittel auf dem Speiseplan massiv einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten. In den nationalen Richtlinien der USA, herausgegeben vom U.S. Department of Agriculture und dem U.S. Department of Health and Human Services war seit den 70er-Jahren immer betont worden, der Fettanteil in der Nahrung müsse reduziert werden, um länger und gesünder zu leben. Medien haben diese Empfehlungen dann immer wieder in ihre Schlagzeilen gebracht.

Ab dem Jahr 2000 korrigierte man dann die im Turnus von 5 Jahren jeweils überarbeiten Empfehlungen und attestierte, dass der Hinweis auf eine Reduktion des Fettanteils wohl unklug gewesen sei. Diese Empfehlung habe in der Bevölkerung zu der Überzeugung geführt, dass es für eine gesunde Ernährung schon ausreiche, wenn man nur fettarme und fettfreie Produkte zu sich nähme. Als Effekt davon war der Anteil von Nahrungsmitteln deutlich angestiegen, die einen besonders hohen Anteil von Kohlenhydraten und Kalorien aufweisen - was wiederum zu Übergewicht und Fettleibigkeit bei vielen Bevölkerungsgruppen führte.

Die Wissenschaftler dokumentieren diesen Prozess des Rückgangs fettreicher Nahrungsmittel an der Ernährung der US-Amerikaner und des gleichzeitigen Anstiegs von kohlehydratreichen Produkten mit exakten statistischen Daten im Zeitraum 1971 bis 2001. Deutlich wird aus den Abbildungen, dass der Konsum fettreicher Produkte abnahm, während sich die aufgenommene Kalorienmenge in diesem Zeitraum bei Männern wie Frauen deutlich erhöht hat. Hingewiesen wird darauf, dass hier die Ernährungswissenschaftler und Gesundheitsexperten in den nationalen Komitees einigen Missverständnissen aufgesessen sind. Zwar sei zu fettreiche Nahrung tatsächlich nicht gesund und ein Risikofaktor für viele Erkrankungen. Aber es sei zum ersten ein Unterschied, ob man sich bei Ernährungs-Empfehlungen pauschal an die Gesamtbevölkerung richtet oder ob Ärzte dies unter genauer Betrachtung des individuellen Gesundheitszustands für einen einzelnen Patienten formulieren. Und zum zweiten sei zu fettreiche Ernährung eben nur ein Risikofaktor, ein direkter Zusammenhang als alleinige Ursache etwa von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei bislang nicht belegt.

Zum zweiten sei es problematisch nur Empfehlungen auszusprechen, die einen einzelnen Aspekt des Ernährungsverhaltens bzw. einen einzelnen Risikofaktor betreffen. Hierbei sei immer unklar, wie sich die Bevölkerung daraufhin verhalte und ob dies nicht andere Verhaltensrisiken bewirkt, die unter Umständen noch gravierendere Negativfolgen mit sich bringen. Die Warnung vor zu fettreicher Ernährung und in der Folge die Berücksichtigung dieser Warnung, aber die gleichzeitig ungehemmte Aufnahme extrem kalorienreicher Kohlehydrat-Produkte habe diese Gefahr deutlich gemacht.

Der Netto-Effekt der Ernährungsrichtlinie sei in diesem Fall also eindeutig negativ. Wenn es jedoch nur ungenügende wissenschaftliche Belege für den Netto-Effekt von Leitlinien zur Ernährung gibt - und dies sei fast durchweg der Fall - sei es besser zu schweigen und keine pauschalen Verhaltensempfehlungen für die Bevölkerung auszusprechen. Dass das Beispiel "zu fettreiche Nahrung" keineswegs ein Einzelfall oder eine Ausnahme ist, zeigen die Wissenschaftler noch einmal am Schluss ihres Artikels am Beispiel der "Transfette", die besonders intensiv in Pommes frites, Chips und industriellen Backwaren zu finden sind. Zwar gibt es tatsächlich statistische Zusammenhänge zu Risikofaktoren für koronare Herzerkrankungen. Die in den Medien zuletzt gehäuft zu findenden Warnungen vor diesen Transfetten hat jetzt jedoch zu einem Rückgang des Konsums geführt. Dabei ist jedoch völlig unklar, wodurch diese ersetzt werden und ob dies einen positiven Netto-Effekt für gesunde Ernährung mit sich bringt.

Ein Abstract der Studie ist hier zu finden: Paul R. Marantz u.a.: A Call for Higher Standards of Evidence for Dietary Guidelines (Am J Prev Med 2008, Volume 34, Issue 3, March 2008, Pages 234-240; DOI: 1016/j.amepre.2007.11.017)
Eine ausführlichere Zusammenfassung ist hier: medpage today: Dietary Guidelines May Have a Downside

Zur Botschaft des Artikels passt recht gut die erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Warnung aus dem Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster, Olivenöl sei weitaus weniger gesund als landläufig angenommen. Arteriosklerose würde nicht verhindert, sondern womöglich ganz im Gegenteil sogar begünstigt. Die Wissenschaftler hatten Meerschweinchen (deren Grundnahrungsmittel ganz überwiegend Heu ist) 4 Monate lang mit einer ölsäurereichen Diät gefüttert. Am Ende konnten sie zwar keine Arteriosklerose bei den Versuchstieren finden. Um keine Antwort verlegen erklärte der leitende Forscher Prof. Krieglstein: "Das kann aber auch daran liegen, dass Meerschweinchen grundsätzlich nur selten Arteriosklerose entwickeln." Zumindest hatten die Meerschweinchen jedoch am Ende des Versuchs etwas kleinere und leichtere Herzen als die Kontrollgruppe. Dieses Ergebnis reichte dann schon aus, um die in den Medien massenhaft kolportierte Warnung zu liefern: Olivenöl kann zu Arteriosklerose beitragen

Gerd Marstedt, 26.1.2008