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Prävention
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Verbesserung von Prävention wirkt sich stärker auf Lebenserwartung aus als erhöhte Ausgaben für medizinische Versorgung

Artikel 1496 Angesichts der weltweit geführten Debatten über die Finanzierbarkeit oder die Wirtschaftlichkeit einer wirksamen gesundheitlichen Versorgung durchleuchten nationale und international vergleichende Studien vermehrt die Rolle der medizinischen Versorgung bei einer Verbesserung des Gesundheitszustands von Bevölkerungen. Dabei untersuchen sie auch die mögliche Bedeutung anderer gesundheitsbezogener Interventionen und fragen, ob der Nutzen von Medizin und anderen Faktoren in allen Ländern gleich ist oder gravierende Unterschiede zu beobachten sind. Die aktuellste empirische Analyse zu diesen Themen legte nun die OECD im August 2008 für 30 ihrer Mitgliedsländer, darunter auch Deutschland vor und stützt sich dabei hauptsächlich auf die von ihr jährlich aktualisierte "OECD-Health Data"-Sammlung.

Die wichtigsten methodischen und inhaltlichen Erkenntnisse lauteten:

• Auch wenn Sterblichkeitsindikatoren keine optimalen Indikatoren für den Gesundheitszustand einer Bevölkerung sind, stellen sie (vor allem Kindersterblichkeit oder auch die Lebenserwartung zu bestimmten Lebenszeitpunkten) speziell für international vergleichende Studien die besten verfügbaren Kennziffern dar.

• Ausgaben für die gesundheitliche Versorgung spielen eine wichtige Rolle bei der Erklärung von Veränderungen des Gesundheitszustandes im Zeitverlauf und zwischen verschiedenen Ländern. Die OECD-weit zwischen 1991 und 2003 um 50 % zugenommenen Pro-Kopfausgaben für Gesundheitsversorgung trugen zu einer Verlängerung der Lebenserwartung bei Geburt um 1,25 Jahre bei.

• Das Ergebnis zweier statistischer Analysen der Gesundheitsdaten, einer Panelregression und der speziell für solche Analysen geeigneten "Data Envelopement Analysis (DEA)", lautet, dass ein und dasselbe Volumen an Gesundheitsausgaben nicht in jedem Land zum selben Ergebnis führt. Wie die Verbesserung des Gesundheitszustandes in einigen Ländern zeigt, ist dies auch ohne zusätzliche Ausgaben oder vergleichbare Inputs möglich.

• Allein die potenziellen Zugewinne an Effizienz durch Veränderungen des sozialökonomischen und kulturellen Umfeldes und des Lebensstiles sind danach groß genug, um die Lebenserwartung in allen OECD-Ländern bei Geburt um beinahe 3 Jahre zu verlängern. Eine Erhöhung der gesamten Gesundheitsausgaben um 10 % würde die Lebenserwartung bei Geburt dagegen um drei bis vier Monate verlängern. Allein eine Zunahme der Anzahl von Allgemeinärzten würde dazu mit 2 Monaten beitragen.

• Seit den frühen 1990er Jahren nahm die Lebenserwartung ab Geburt in allen OECD-Ländern um 2,5 Jahre für Frauen und 3,5 Jahre für Männer zu. 1,25 Jahre davon beruhen auf den im selben Zeitraum erheblich angewachsenen Gesundheitsausgaben: Zunahme der Pro-Kopfausgaben für Gesundheit + 50%. Der größere Teil der gewonnenen Lebensjahre, also zwischen 55% und 61% des Gesamtgewinns an Lebenszeit für Frauen oder Männer, beruht auf verhaltensbezogenen Veränderungen wie der Reduktion des Tabak- und Alkoholkonsums sowie der Gewichtsreduktion und verhältnisbezogenen Veränderungen wie beispielsweise einer Reduktion der Luftverschmutzung, einer höheren Bildung und des Wachstums der Wirtschaftsleistung. Dieses Grundmuster zeigt sich auch, wenn man die Determinanten der weiteren Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren betrachtet.

Auch wenn man manchen von der OECD und anderen internationalen Institutionen erhobenen Daten und den damit erstellten Vergleichen im Detail inhaltlich wie methodisch distanziert gegenüber steht, ändert sich dadurch nichts an den Grundproportionen der hier vorgestellten Ergebnisse.

Einzelheiten zur Methodik und weitere Ergebnisse für die hier untersuchten OECD-Länder finden sich in dem kostenlos erhältlichen 74-Seitenreport Health Status Determinants: Lifestyle, Environment, Health Care Resources and Efficiency (OECD Economics Department Working. Papers, No. 627) von Isabelle Joumard, Christophe André, Chantal Nicq, Olivier Chatal Joumard, I. et al. aus dem Jahr 2008)

Bernard Braun, 24.2.09