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Prävention
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Gewalt unter Schulkindern: Viele Studien belegen den (zumindest kurzfristigen) Erfolg von Präventionsprogrammen

Artikel 0834 Gewalt unter Schulkindern, in Form von Mobbing, Schlägereien oder Diebstahl, kann durch spezielle Präventionsprogramme durchaus erfolgreich bekämpft werden. Eine Meta-Analyse von 56 veröffentlichten Studien zum Thema der Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen, die noch schulpflichtig sind, hat jetzt gezeigt, dass "gewisse Erfolge" nachweisbar sind, zumindest für einen Zeitraum von etwa einem Jahr nach Beginn der Intervention. Die in der jetzt veröffentlichten Cochrane-Studie einbezogenen Präventionsmaßnahmen waren dabei zumeist erfolgreicher, wenn sie das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler insgesamt ansprachen, durch Übungen oder Spiele zur Verbesserung der Sozialkontakte und der persönlichen Sozialtechniken (Kommunikation, Konfliktlösung usw.) Nicht ganz so erfolgreich waren Interventionen, in denen nur gelernt wurde, auf Provokationen und Aggressionen mit Nicht-Beachtung zu reagieren.

Gewalt in der Schule ist nicht nur in den USA ein Thema, das immer wieder aufgrund eines tödlichen Schusswaffengebrauchs von Schülern und Studenten in den Medien-Schlagzeilen auftaucht. Auch in Deutschland ist seit dem Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt mit 17 Toten im April 2002 das Thema Gewalt an Schulen aus der vermeintlichen Banalität des Mobbens und "Abziehens" entrückt. Weltweit, so hat eine Studie hochgerechnet, sterben jährlich 565 Kinder und Jugendliche an den Folgen gewalttätiger Übergriffe durch Gleichaltrige. Mehr als jeder dritte Student in den USA gab in einer jüngeren Umfrage an, dass er in den letzten 12 Monaten in eine körperliche Auseinandersetzung verwickelt war. In Großbritannien waren sich 25% der befragten 14-15jährigen Schüler sicher, dass ein Teil ihrer Freunde Waffen mit in die Schule mitbringt. (Literaturhinweise hierzu in der Cochrane-Studie) Nach einer Studie der Ruhr-Universität Bochum 2004 unter 4.000 Schülern der achten Klassen sämtlicher Schulformen in Bochum hat "jeder fünfte Hauptschüler einen anderen Jugendlichen schon einmal so brutal verprügelt, dass dieser zum Arzt musste." (Wikipedia: Gewalt an Schulen) Mittlerweile gibt es in Deutschland schon Websites, die sich nur diesem Thema widmen, wie zum Beispiel Gewalt in der Schule oder Gewalt an Schulen.

Die Cochrane-Studie analysierte eine Vielzahl schon veröffentlichter Berichte über Präventionsmaßnahmen, die sich explizit zum Ziel gesetzt hatten, Aggression, Gewalt, Mobbing oder häufige Konflikte und Streitigkeiten bei schulpflichtigen Kindern zu reduzieren. Insgesamt 56 Studien erfüllten die methodischen Anforderungen der Wissenschaftler. Dabei zeigte sich eine erhebliche Bandbreite sowohl der jeweils einbezogenen Schülerzahl als auch der Vorgehensweisen. Diese reichten von einer einmaligen, etwa zweistündigen Diskussionsrunde bis hin zu regelmäßigen Übungen und Unterrichtsstunden, die über Zeitraum von zwei Jahren verteilt waren. Auch hinsichtlich der Konzepte variierten die Interventionen, die teilweise eine generelle Gewaltprävention unter Teilnahme aller Schüler anzielten, teilweise aber auch nur Maßnahmen für solche Kinder und Jugendliche erprobten, die bereits verhaltensauffällig geworden waren.

Ein Manko der Cochrane-Studie ist wohl darin zu sehen, dass trotz dieser im Detail beschrieben sehr großen Variation der unterschiedlichen Maßnahmen kein Versuch unternommen wird, die Bedeutung dieser unterschiedlichen Vorgehensweisen für den jeweils erzielten Erfolg oder Misserfolg näher zu diskutieren. Berichtet werden stattdessen nur relativ allgemeine Befunde und Schlussfolgerungen:
• In 34 der 56 Studien konnte das aggressive Verhalten von Studienteilnehmern signifikant reduziert werden.
• In 7 Studien, die das Verhalten der Schüler über einen längeren Beobachtungszeitraum (von 12 Monaten) kontrollierten, blieb dieser Effekt auch zum Ende der Studienphase so bestehen.
• Interventionen, die eine allgemeinere und komplexere Zielsetzung verfolgten, nämlich Verbesserungen im Sozialverhalten der Schüler generell durch Aneignung unterschiedlicher Sozialfertigkeiten, waren zumeist erfolgreicher als Maßnahmen, die nur darauf abzielten, eine spezielle Technik (Nicht-Beachtung) im Umgang mit Aggressionen und Provokationen zu üben.

Ein kostenloses Abstract der Studie ist hier zu finden: Cochrane review: School-based secondary prevention programmes for preventing violence

Gerd Marstedt, 6.8.2007