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Förderprogramme für Kinder aus unterprivilegierten Familien verhelfen zu besseren Bildungschancen und Lebensbedingungen

Artikel 0838 Vorschulkinder aus Familien mit Niedrigeinkommen, die im Alter von 3-4 Jahren an speziellen Schulprogrammen teilgenommen haben, zeigen rund 20 Jahre später im Vergleich zu Kontrollgruppen, dass sie erheblich besser im Leben zurechtkommen. Sie weisen öfter einen höheren Schulabschluss auf, waren seltener inhaftiert, haben häufiger eine feste Arbeitsstelle und zeigen in geringerem Ausmaß Symptome depressiver Erkrankungen. Eine jetzt in der Zeitschrift "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine" veröffentlichte Studie hat Daten von insgesamt 1.500 Männern und Frauen im Alter von etwa 25 Jahren miteinander verglichen. Etwa 1.000 von ihnen hatten als 3-4jährige Vorschulkinder vor etwa 20 Jahren an einem speziell Förderprogramm teilgenommen, rund 550 wurden als Kontrollgruppe verwendet, die im selben Alter lediglich eine ganztätige Kindergarten-Betreuung erfahren hatten.

Während der gesamten Laufzeit der Studie, der sogenannten "Chicago Longitudinal Study" waren von allen Teilnehmern kontinuierlich Daten erhoben worden, über Befragungen oder auch aus verfügbaren offiziellen Statistiken. So sammelte man Hinweise über den Gesundheitszustand, über Verhaftungen und Verurteilungen, über Bildungsabschlüsse und den beruflichen Werdegang. Im Vergleich der beiden Gruppen im Alter von 24 Jahren zeigte sich dann, dass die zwei Jahrzehnte zurück liegenden vorschulischen Fördermaßnahmen gleichwohl nicht unbeträchtliche Erfolge aufwiesen.
• 71.4% der speziell geförderten Kinder hatten den Abschluss einer High School geschafft (12.Klasse) im Vergleich zu 63.7% der Kontrollgruppe
• 70.2% konnten sich eine Krankenversicherung leisten (Kontrollgruppe: 61.5%)
• 16.5% waren schon einmal wegen eines Verbrechens verhaftet worden (Kontrollgruppe: 21.1%)
• 12.8% hatten schon einmal Symptome einer Depression gezeigt (Kontrollgruppe: 17.4%)
• 42.7% hatten einen Vollzeit-Arbeitsplatz (Kontrollgruppe: 36.4%)
• 13.8% waren schon einmal aufgrund von Gewalt-Delikten inhaftiert worden (Kontrollgruppe: 17.9%)
• 4.4% erhielten finanzielle staatliche Unterstützung aufgrund einer Behinderung (Kontrollgruppe: 7%)

Einige der Studienteilnehmer hatten an den vorschulischen Förderprogrammen nicht nur zwei, sondern sogar fünf oder sechs Jahre lang teilgenommen. Bei ihnen zeigte sich, wie zu vermuten, dass sie noch deutlich höhere Erfolgsquoten aufwiesen, etwa was den Bildungsabschluss oder auch die Erwerbstätigkeit anbetraf.

Die Förderprogramme fanden in speziellen Schulzentren statt, die Lehrer waren pädagogisch besonders ausgebildet, darüber hinaus bekamen die Eltern der Kinder bei Bedarf auch besondere Unterstützung durch Pädagogen, Krankenschwestern oder auch Lehrer. Das Vorschulprogramm fand an fünf Tagen in der Woche für jeweils drei Stunden statt und umfasste auch eine sechswöchige Sommerphase mit vielfältigen Veranstaltungen.

Die Wissenschaftler aus Minneapolis erörtern in ihrem Aufsatz, dass vermutlich vier unterschiedliche Faktoren für diesen Erfolg maßgeblich waren. Erstens: Der frühe Beginn der Förderung im Alter von nur 3 Jahren, der den Kindern zu emotionaler Stabilität verhilft, so dass sie den Übergang zur Schule besser bewältigen. Zweitens: Die besondere pädagogische Qualifikation der Lehrer. Drittens: Die Unterrichtsinhalte, die das Verstehen von Zusammenhängen besonders fördern und auch andere, in der Schule verlangte Kompetenzen. Viertens: Die zusätzlichen Unterstützungen für die Familien.

Die Unterschiede zwischen den geförderten Kindern und jenen, die nur eine Ganztags-Betreuung im Kindergarten hatten, mögen zwar eher moderat erscheinen. Allerdings, so argumentieren die Forscher abschließend in ihrem Artikel, verursachen diese Differenzen hochgerechnet auf die unterprivilegierten Kinder in den USA ganz erhebliche Kosten: Im Bereich der Sozialhilfe, im Gesundheitswesen und im Strafvollzug. Und auf der anderen Seite werden die zusätzlichen Kosten für die Förderprogramme allemal aufgewogen durch Einsparungen in eben diesen genannten Sektoren.

Hier ist das Abstract der Studie: Effects of a School-Based, Early Childhood Intervention on Adult Health and Well-being: A 19-Year Follow-up of Low-Income Families Free (Arch Pediatr Adolesc Med. 2007;161(8):730-739)
Kostenlos verfügbar ist auch der Volltext der Studie

Gerd Marstedt, 7.8.2007