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Epidemiologie
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Krebserkrankungen in US-amerikanischen Medien: Viele Berichte dokumentieren das Überleben, nur wenige das Sterben

Artikel 1762 Erst vor kurzem veröffentlichte die "American Cancer Society" einen Bericht, der deutlich machte: Trotz aller Fortschritte in der Therapie ist der Kampf gegen Krebs noch lange nicht gewonnen. Etwa die Hälfte der US-amerikanischen Männer und jede dritte Frau bekommt im Laufe des Lebens eine Krebsdiagnose, mehr als eine halbe Million Amerikaner sterben jedes Jahr an Krebs, etwa jeder zweite Krebspatient stirbt an dieser Krankheit oder einer Folgeerkrankung. Spiegelt sich diese eher deprimierende Bilanz auch in den Medien wider?

Ein Forschungsteam aus Philadelphia führte dazu eine Inhaltsanalyse von Medienberichten durch, bei der 436 Artikel über Krebs-Erkrankungen detailliert untersucht wurden. Ihre Studie wurde jetzt in der renommierten Zeitschrift "Archives of Internal Medicine" veröffentlicht. Das Ergebnis ist überraschend: In den Medien dominiert eine positiv-optimistische Darstellung. Etwa jeder dritte Bericht (32%) handelte vom Überleben im Kampf gegen den Krebs, nur jede zwölfte (8%) andererseits fokussierte das Thema Sterben und Tod.

Die Wissenschaftler wählten für ihre Inhaltsanalyse zunächst 5 Magazine (darunter: Newsweek, Time) und 8 Tageszeitungen (darunter: Chicago Tribune, New York Times, Philadelphia Daily News) aus, Medien, die jeweils eine sehr große Leserzahl erreichen. Internet-Seiten und Fernseh-Sendungen als Medien wurden bewusst nicht eingeschlossen, da Umfragen gezeigt haben, dass Print-Medien eine deutlich höhere Glaubwürdigkeit zuerkannt wird. In den ausgewählten Medien wurden dann 2228 Artikel mit über 200 Wörtern gefunden, die sich mit dem Thema Krebs beschäftigten. Nach dem Zufallsprinzip wurden dann 20 Prozent ausgewählt, so dass die Analyse-Stichprobe aus 436 Artikeln bestand.

Bei jedem dieser Artikel wurde dann geprüft, welches Thema dort behandelt wurde. Dabei beschränkte man sich auf sechs nach Ansicht der Forscher besonders relevante Themen: Überleben bei Krebs, Tod und Sterben, aggressive Krebstherapien, Versagen von Therapien, unerwünschte Nebenwirkungen, palliative Hilfe und Hospiz-Unterbringung. Als Ergebnis dieser Analysen zeigte sich dann:

Überleben oder Sterben: 32% der Artikel thematisierten das Überleben trotz Krebs, nur 8% berichteten über das Sterben bzw. den Tod von Krebspatienten. Bei 2% der Artikel waren beide Themen zu finden. In einer weiteren Analyse wurde mitberücksichtigt, über wie viele Patienten berichtet wurde. Das Ergebnis fiel hier noch eindeutiger zugunsten optimistischer Berichte aus: 173 Artikel berichteten über 216 Krebspatienten. Bei 79% stand das Überleben im Mittelpunkt, nur bei 21% der Tod.
Therapie-Versagen und unerwünschte Nebenwirkungen: Nur sehr wenige Artikel (13%) berichteten darüber, dass Therapien versagen oder bestimmte Krebsarten unheilbar sind, weniger als ein Drittel (30%) darüber, dass Krebstherapien sehr unerfreuliche Nebenwirkungen haben (wie Haarausfall, Schmerzen, Übelkeit)
Aggressive Therapien und Versorgung am Lebensende: Ein sehr großer Teil (57%) der Berichte beschäftigte sich ausschließlich mit näheren Umständen und Effekten aggressiver Krebstherapien. Im Vergleich dazu gab es kaum Berichte (1%), die sich allein mit den Bedingungen palliativer Versorgung (Schmerztherapie) beschäftigten oder dem Thema Sterbehospiz.

In der Diskussion ihrer Befunde veranstalten die Wissenschaftler zwar keine Medien-Schelte, weisen aber schon sehr deutlich darauf hin, dass in den einbezogenen Printmedien eine Berichterstattung überwiegt, die das Thema Krebserkrankungen und Medizin allzu optimistisch und naiv-fortschrittsgläubig darstellt. Das Thema Palliativmedizin und Sterbehospiz wird fast völlig ausgeblendet, andererseits wird sehr umfassend und detailliert über aggressive Chemo- und Strahlentherapien berichtet und auch das Überleben von Krebspatienten steht sehr viel häufiger im Mittelpunkt als ihr Sterben. All dies so die Wissenschaftler, dürfte sehr nachhaltige Effekte haben auch für Patienten-Entscheidungen über ihre medizinische Versorgung nach der Krebsdiagnose.

Hier ist ein Abstract: Jessica Fishman; Thomas Ten Have; David Casarett. Cancer and the Media: How Does the News Report on Treatment and Outcomes? ( Arch Intern Med, 2010; 0 (2010): 2010. 11)

Gerd Marstedt, 17.3.10