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Epidemiologie
Gesundheit und Krankheit in den Medien


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Gesundheitskommunikation zwischen Statistiken und Geschichtenerzählen: warum gibt es die Debatte über Masern-Impfpflicht?

Artikel 2459 Egal, ob man die derzeit auch in Deutschland diskutierte Einführung einer Impfpflicht gegen Masern für richtig, voreilig oder falsch hält, ist die Frage interessant, warum es darüber, anders als bei anderen "Kinderkrankheiten", überhaupt weltweit eine derartige Debatte gibt.
Eine bereits im Herbst 2014 in den USA erschienene kleine Studie eines Kommunikationswissenschaftlers hält die Art der Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse in und mit einem Laien- oder Nichtexperten-Publikum für einen entscheidenden Grund.

Dabei dominiert in der wissenschaftsbasierten Pro-Masernpflichtdebatte wie in anderen vergleichbaren Diskursen ein Typ wissenschaftlicher Risikokommunikation, der im wesentlichen aus statistischen Indikatoren wie Inzidenz, Prävalenz oder attributives Risiko, Wahrscheinlichkeiten, relative Maße wie tausend mal geringer als das Risiko Y oder abstrakten Begriffen wie dem des Herdenrisiko besteht.

Die Contra-Masernpflichtdebatte wird dagegen vor allem durch sehr konkrete und kasuistische Erzählungen und Geschichten von fünfjährigen Kindern oder 22-jährigen Erwachsenen beherrscht, die an den Folgen einer Masernimpfung bis hin zum Autismus leiden. Diese Art der Risikokommunikation erzielt auch noch dadurch viel Wirkung, dass personalisierte und besonders drastische (Grundmuster: Hund beißt Briefträger ist keine Nachricht, Briefträger beißt Hund schon) Erzählungen zu den tragenden Stilmitteln der Massenmedien und auch der neuen sozialen Medien gehören und diese die alten und neuen Hauptinformationsquellen für die Mehrheit der Bevölkerung darstellen. Erzählungen stoßen also eher auf offene Ohren bzw. werden gwohnheitsmäßig wahr- und aufgenommen als noch so evidente Statistiken oder korrekte Fachtermini.

Angesichts der praktischen Wirksamkeit des Geschichten- oder auch Anekdotenerzählens und der ihm innewohnenden Kraft, den Einfluss einer auf wissenschaftlich formatierte Daten gestützten Debatte zu verringern oder sogar vollkommen auszuhebeln, plädiert der Autor für eine stärker erzählungsorientierte Kommunikation der Ergebnisse wissenschaftlicher Analysen gegenüber Laienpublikum. Sein Vorschlag: Beispielsweise ebenfalls am Einzelfall verdeutlichen, was eine Masernerkrankung für ein nicht geimpftes Kind und seine Eltern konkret bedeutet und was plastisch durch Impfen verhindert werden kann.
Die in anderen Studien über die deutsche Versorgungswirklichkeit erkannte überragende Bedeutung von Erzählungen oder auf persönlicher Erfahrung beruhenden Berichten bei der Entscheidung für oder gegen die Nutzung eines Krankenhauses oder eines niedergelassenen Arztes und die demgegenüber deutlich geringere Bedeutung der Lektüre noch so qualitätsgesicherter, statistisch einwandfreier Qualitätsberichte oder anderer datenbasierten Listen zeigt wie weit dieser Typ der gesundheitsbezogenen Tatsachenrezeption und Kommunikation verbreitet ist.

Weitere Einzelheiten mit viel Literaturhinweisen zu den Vor- und Nachteilen von Erzählungen und Geschichten in der Risikokommunikation mit Nichtexperten enthält der Aufsatz Using narratives and storytelling to communicate science with nonexpert audiences von M. F. Dahlstrom, erschienen am 16. September 2014 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" der USA (2014; 111 Supplement 4: 13614-13620) und komplett kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 12.4.15