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Versorgungsforschung: Psychische Erkrankungen


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"Epidemie" psychischer Erkrankungen im Spiegel der Gesundheitsreporte von Krankenkassen - ein Überblick

Artikel 0538 Bei seit Jahren fast kontinuierlich sinkendem Krankenstand, stiegen die Fälle von gemeldeter Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Störungen ebenso kontinuierlich an. Dies zeigen eine Reihe von voneinander unabhängigen Gesundheitsberichte verschiedener gesetzlicher Krankenkassen in Deutschland.
Eine vergleichende Analyse der Arbeitsunfähigkeitsberichte der AOK, Barmer Ersatzkasse, BKK, DAK, IKK und Techniker Krankenkasse für das Jahr 2005 zeigt, dass psychische Erkrankungen bei diesen Krankenkassen an die dritte bis fünfte Stelle aller Ursachen für Arbeitsunfähigkeit gerückt sind. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass nicht jede psychische Erkrankung zu Arbeitsunfähigkeit führt oder auch aus Rücksicht auf den oder die Erkrankte von einer psychischen Diagnose abgesehen wird, also AU-Analysen die spezifische Erkrankungslast eher untererfassen, bestätigen die Ergebnisse andere Untersuchungen. So macht nach einem WHO-Bericht aus dem Jahre 2006 mindestens jede vierte Person in ihrem Leben eine psychische Krankheitsepisode durch und der Bundesgesundheitssurvey zeigte im Jahre 1998, dass 32 % der 18- bis 65-Jährigen von einer oder mehreren psychischen Störungen betroffen waren. Alles in allem werden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2002 fast 10 % der Gesamtausgaben für Gesundheit für die Behandlung psychischer und Verhaltensstörungen ausgegeben.

In der bereits angesprochenen und in Heft 2/2006 des "Psychotherapeutenjournal" (S. 123-129) veröffentlichten Analyse "Psychische Erkrankungen im Fokus der Gesundheitsreporte der Krankenkassen" von Julia Lademann, Heike Mertesacker und Birte Gebhardt vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen werden die unterschiedlich differenzierten Resultate der verschiedenen Gesundheitsberichte ausführlich dargestellt.
Sofern die Analysen so differenziert durchgeführt wurden, zeigt sich eine Dominanz affektiver (z.B. Depression) und neurotischer Störungen. Alle betrachteten Krankenkassen berichten über ein höheres Ausmaß von entsprechenden Krankheitsfällen und -tagen bei Frauen. Auffällig ist auch der bei mehreren Kassen beobachtete überproportionale Anstieg psychischer Erkrankungen bei jüngeren Menschen zwischen 15 und 35 Jahren. Zu den durchgängigen Mustern gehört ferner eine besondere Betroffenheit von Angehörigen der Dienstleistungsberufe und von Arbeitslosen.

Psychische Störungen führen aber nicht nur zu mehr Arbeitsunfähigkeit, sondern auch zu einer höheren Inanspruchnahme stationärer Behandlung, psychotherapeutischer Angebote und spezifischer Arzneimittelverordnungen. Hier zeigen die Auswertungen der Daten der genannten Kassen z.B. einen enorm hohen (43 % aller Fälle) Anteil der Krankenhauseinweisungen wegen Substanzmissbrauch (vor allem Alkohol) bei den männlichen Versicherten.
Der Überblick der Bremer Autorinnen zeigt auch die Einigkeit der verschiedenen Gesundheitsberichte über den multifaktoriellen Hintergrund dieser Entwicklung.

Der Beitrag schließt mit einem kurzen Überblick über einige von den genannten Krankenkassen gestarteten Programme zu neuen Versorgungsansätzen bei der Behandlung psychischer Störungen. Gefordert werden aber auch Programme, die sich den speziellen Ursachen der psychischen Erkrankungen von jungen Menschen, Frauen oder Angehörigen personaler Dienstleistungsberufe widmen. Die vorhandenen Programme sollten nach Ansicht der Autorinnen auch gründlich evaluiert werden.

Der Vollständigkeit halber und teilweise auch zur Bestätigung und Vertiefung des von Lademann et al. aus den Berichten anderer Kassen zusammengestellten Kenntnisstandes, sei auch auf weitere zu ähnlichen Ergebnissen kommende Berichte verwiesen: In Frage kommen beispielsweise der GEK-Gesundheitsreport 2004 mit dem Schwerpunkt Gesundheitsstörungen durch Alkohol oder der GEK-Gesundheitsreport 2001 mit dem Schwerpunkt Psychische Störungen.

Hier können Sie den Übersichtsartikel "Psychische Erkrankungen im Fokus der Gesundheitsreporte der Krankenkassen" von Julia Lademann, Heike Mertesacker und Birte Gebhardt herunterladen.

Bernard Braun, 4.2.2007