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Versorgungsforschung: Psychische Erkrankungen


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Volkskrankheit Kopfschmerzen: DAK Gesundheitsreport zeigt Versorgungsdefizite auf

Artikel 0577 Die DAK hat mit dem Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) die Krankschreibungen von 2,6 Millionen erwerbstätigen Mitgliedern ausgewertet und besonders Kopfschmerzerkrankungen untersucht. Ergebnis des Reports: Mehr als die Hälfte aller Deutschen hatte im letzten halben Jahr Kopfschmerzen oder Migräne, diese Symptome zählen daher zu den häufigsten gesundheitlichen Leiden in der Bevölkerung. Als Ergebnis einer zusätzlichen Befragung von Versicherten und wissenschaftlichen Experten aus Forschungseinrichtungen und Universitätskliniken zeigte sich: Nicht nur in der Bevölkerung, auch bei vielen Ärzten gibt es Informationsmängel, darüber hinaus finden sich teilweise erhebliche Versorgungsdefizite.

Es gelte, so die Experten mehrheitlich, den Kenntnisstand der Ärzte zur Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzerkrankungen zu verbessern. Leitliniengerechte medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieverfahren würden zu selten eingesetzt. Insbesondere das Risiko, zu viele Schmerzmittel zu nehmen, sollte stärker kommuniziert werden. Auch beim ärztlichen Anamnesegespräch gäbe es Handlungsbedarf. Jeder fünfte Kopfschmerz-Betroffene und zwölf Prozent der Migräne-Kranken gaben in der DAK-Bevölkerungsbefragung an, mit ihrem Arzt kein ausführliches Gespräch vor Behandlungsbeginn geführt zu haben. Im Hinblick auf die Arbeitswelt zeigte sich, dass die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz bei vielen Betroffenen, die trotz Migräne zur Arbeit gehen, erheblich eingeschränkt ist. Durch Fehlzeiten und Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz infolge Migräne entstehen jährlich Kosten von rund 2 Mrd. Euro. Migräne ist damit neben den zum Teil erheblichen Beeinträchtigungen auf Seiten der Betroffenen nicht zuletzt - volkswirtschaftlich betrachtet - teuer.

Viele behandeln den Schmerz im Kopf selbst, wie die Befragung bei Versicherten ergab. Knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Kopfschmerz-Betroffenen und gut die Hälfte der Migräne-Kranken nehmen in Deutschland rezeptfreie Schmerzmittel. Selbstmedikation kann jedoch gefährlich sein, denn eine übermäßige Schmerzmitteleinnahme kann selbst Kopfschmerz auslösen und langfristig zu Organschäden führen. Gerade hier gibt es Wissens-Defizite: 40 Prozent der Kopfschmerz-Patienten und fast ein Viertel der Migräne-Kranken, die ärztlich verordnete Schmerzmittel einnehmen, erhielten nach eigener Aussage keine Aufklärung durch ihren Arzt. Insbesondere über die Folgen eines übermäßigen Schmerzmittelkonsums rezeptfreier Mittel und das Risiko eines medikamentenabhängigen Dauerkopfschmerzes gab es kein ärztliches Gespräch.

Die Wissenschaftler des IGES formulieren als gesundheitspolitische Konsequenzen und Forderungen aus ihrer Studie:
• Neben einer medikamentösen Prophylaxe werden wirksame nicht-medikamentöse Therapieverfahren zu selten eingesetzt. Hierzu zählen insbesondere Verhaltenstherapien und Muskelentspannungsverfahren.
• Kopfschmerzen treten sehr häufig auf, dennoch ist der Kenntnisstand sowohl auf Seiten der Ärzte als auch in der Bevölkerung nicht immer adäquat. Aus- und Fortbildung der Ärzte und die Aufklärung der Bevölkerung gilt es deshalb zu verbessern.
• Dies gilt insbesondere für den Bereich der Selbstmedikation: Das Risiko eines Medikamenten-induzierten Kopfschmerzes bzw. für Folgeschäden an Organen infolge eines Übergebrauchs von Schmerzmitteln muss den Betroffenen bewusst gemacht werden. Gleichwohl müssen Alternativen zur Schmerzmittel-Einnahme angeboten werden. Verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und Muskelentspannungsverfahren kommt hier einen hoher Stellenwert zu. Hier gibt es Verbesserungsbedarf, sowohl auf Seiten des Angebots als auch bei der Inanspruchnahme.
• Integrative Therapiekonzepte sollten gefördert werden, um den Betroffenen eine umfassende Kopfschmerz-Behandlung zu ermöglichen.

Hier findet man eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Ergebnissen der Studie
Die gesamte Studie ist hier verfügbar: DAK-Gesundheitsreport 2007: Arbeitnehmer kaum noch krank - Schwerpunkt Kopfschmerz und Migräne

Gerd Marstedt, 16.2.2007