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Versorgungsforschung: Psychische Erkrankungen


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Sind Messies psychisch krank? Jedenfalls wird ihre Häufigkeit erheblich überschätzt und das Risiko ist ungleich verteilt.

Artikel 2305 Die wichtige Frage, ob zwanghaftes Horten oder eine Sammelwut als teilweise sozial assoziiertes oder durch einmalige Lebensereignisse verursachtes Verhalten von Menschen wirklich eine behandlungsbedürftige psychische Störung ist und Messies Kranke sind, bleibt mit der hier vorgestellten Studie letztlich unbeantwortet. Deren Wissenschaftler nehmen sich aber die in der neuesten Ausgabe der Klassifikation psychischer Störungen und Erkrankungen, "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5)" neu aufgenommene so genannte "hoarding disorder" vor und untersuchen dann die Erkrankungshäufigkeit in einer Bevölkerungsgruppe von 1.698 in London wohnenden Personen im Alter zwischen 16 und 90 Jahren und wen dies besonders betrifft.

In einer ersten Befragungswelle bezeichneten sich auf eine entsprechende Frage 201 dieser Personen als Messies. 99 von ihnen erklärten sich dann noch zu einem psychiatrischen Interview entlang der im DSM-5 genannten Krierien für diese psychische Störung in ihrer häuslichen Umgebung bereit. Damit konnte die gerade bei psychischen Erkrankungen und im Rahmen von Selbstbewertungen des Zustands leicht mögliche Über- oder Fehlbewertung von Symptomen u.a. durch Augenschein überprüft werden. Von mancher krankhaften Sammelwut blieb dann nur noch eine gewisse häusliche Unordnung oder Übermöblierung übrig.

Genau waren es nach diesen Interviews und der Fremdwahrnehmung der häuslichen Umbebung nur noch 19 Individuen, die nach den Diagnosekriterien des DSM-5 tatsächlich Messies waren. Dies entspricht einer gewichteten Prävalenz von 1,5%.
Die Messies waren älter und öfter unverheiratet, hatten auch überdurchschnittlich viele physische Erkrankungen oder andere mentale Störungen und hatten in ihrem bisherigen Leben schon häufiger Leistungen im Zusammenhang mit mentalen Störungen in Anspruch genommen. Lediglich ein Drittel der Messies hatten in den letzten Jahren Hilfe gesucht. Unter denjenigen, die in der ersten Befragungswelle verneinten, Messi zu sein, fanden sich nach einem Besuch in der häuslichen Umgebung doch eine Reihe von Personen, die nach den DSM-5-Kriterien an dieser Störung litten.

Auch wenn damit geklärt ist, dass die Häufigkeit des auch "Messi-Syndrom" genannten Verhaltens selbst von potenziell Betroffenen extrem überschätzt wird, sollte noch wesentlich gründlicher als bisher darüber nachgedacht werden, ob es sich wirklich um eine möglicherweise psychiatrisch behandlungsbedürftige Erkrankung handelt oder lediglich um eine mehr oder weniger starke Abweichung von einer sozialen Ordnungs- oder Ordentlichkeitsnorm.

Der Aufsatz Epidemiology of hoarding disorder von Nordsletten AE et al. ist am 24. Oktober 2013 als Beitrag in der Fachzeitschrift "British Journal of Psychiatry" vor Drucklegung veröffentlicht worden. Das Abstract ist kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 18.11.13