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Selbstverwaltung in der Gesetzlichen Unfallversicherung der 1990er Jahre: Mehr Präventionsorientierung durch Weiterbildung!?

Artikel 1600 Zu den insgesamt wenigen Studien über die Struktur und Arbeit der zu den Gründungselementen der deutschen Sozialversicherung gehörenden Selbstverwaltung durch Versicherten- und Arbeitgebervertretern gehört die 1999 abgeschlossene Disseration des Arbeitswissenschaftlers Frank Wattendorff, die sich im Wesentlichen auf die empirische Situation in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre bezieht.
Von anderen Studien, wie etwa die von Christine Fromm ebenfalls aus den 1990er Jahren oder die von Bernard Braun aus den 1980er Jahren, unterscheidet sich die Analyse Wattendorffs dadurch, dass sie sich hauptsächlich mit der Situation in der Selbstverwaltung der gesetzlichen Unfallversicherung befasst und außerdem sehr konkret ein Modell zur Qualifizierung der dort tätigen Selbstverwalter im Bereich Prävention in der Arbeitswelt konzipiert und bewertet. Eine dritte Besonderheit war, dass der Wissenschaftler Wattendorff selber Selbstverwaltungsmitglied war und insofern wesentlich dichter am "Innenleben" eines Selbstverwaltungsorgans dran war als andere ForscherInnen.

Bereits vor Start der Studie war klar und wurde durch sie nur noch plastisch und drastisch bestätigt, dass die Selbstverwalter die in den Jahren davor geschaffenen gesetzlichen Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten im SGB VII teilweise nicht einmal kannten noch sie aktiv und wirksam umsetzten. Zusätzlich machte aber die verbreitete Unterschiedlichkeit der Wissens- und Handlungsdefizite unter den Selbstverwaltern den Versuch, mittels Weiterbildung die Innovationskraft der Selbstverwaltung zu wecken und zu stärken, nicht einfacher.

Wie der Status quo aussah und wodurch er inhaltlich und methodisch verändert werden sollte, beschreibt der Autor in den Kapiteln über die historische Entwicklung der Unfallversicherung unter besonderer Berücksichtigung der Selbstverwaltung im Präventionsbereich, über die Ergebnisse von Expertengesprächen zum Weiterbildungsbedarf in der Selbstverwaltung, über die Ergebnisse einer spezifisch zu Weiterbildungsbelangen durchgeführten Befragung von Selbstverwaltungsmitgliedern und in einem großen und konkreten Abschnitt mit Bausteinen für Weiterbildungsangeboten.

In einem abschließenden Kapitel fasst der Autor einige Ergebnisse so zusammen:

• "Die mich leitende Fragestellung dieser Arbeit, ob arbeitswissenschaftliche Weiterbildungsangebote geeignet sind und von SV-Mitgliedern angenommen werden, um die Gestaltung des Präventionsprozesses der UVT positiv zu beeinflussen, kann ich mit "Ja" beantworten. Denn die Rücklaufquote von über 26 % und die dezidierten Wünsche nach Themen, die ich ... als Defizite beschrieben habe, bestätigen meine Grundannahme, dass Weiterbildungs- bzw. Informationsangebote von SVMitgliedern gewünscht werden."
• Die beträchtliche Spannbreite der Qualifikation und Verhaltensfähigkeiten der Selbstverwalter macht es aber "unmöglich, ein standardisiertes Weiterbildungskonzept für alle UVT zu entwickeln. Der Versuch, ein solches Modellseminar bei BAGUV-Mitgliedern 1983 einzuführen, ist an dieser Heterogenität gescheitert." An dieser Besonderheit dürfte sich bis heute in jeder Selbstverwaltung aller Sozialversicherungsträgern nichts Grundlegendes geändert haben.
• Als praktische Form wie man dieser Heterogenität gerecht werden kann, schlägt Wattendorff vor "bei der Planung von Weiterbildungsangeboten die Förderung eines Prozesses zum Erfahrungsaustausch" mit Vorrang zu beachten und "Zeit und Raum für Kommunikationsprozesse, die zu einem gemeinsam getragenen Innovationsprozess führen sollen" in hinreichendem Maße einzuplanen.

Was aus der den damaligen Weiterbildungsbemühungen zugrundeliegenden Hoffnung, dadurch zur verstärkt präventiven Ausrichtung der GUV beitragen zu können, geworden ist, d.h. wie präventiv die Unfallversicherung auf Initiative ihrer Selbstverwaltung heute handelt, muss sich jeder Interessierte mühselig aus Dutzenden Quellen zusammen zu tragen. Eine weitere wissenschaftliche Untersuchung speziell zur Selbstverwaltung und Präventionsorientierung der Unfallversicherung gibt es dafür leider nicht.

Die 1999 im Asgard-Verlag St. Augustin erschienene und auch immer noch in Buchform zu erhaltende (ISBN 3-537-73710-6) Dissertation "Qualifizierung der Selbstverwaltung der gesetzlichen Unfallversicherung zur Erfüllung des Präventionsauftrages" von Frank Wattendorff ist mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Verlags in einer inhaltlich identischen aber nicht der Druckform entsprechenden Fassung hier kostenlos herunterzuladen (Vorsicht lange Downloadzeit).

Bernard Braun, 7.7.09