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Patienten
Kranken- und Altenpflege, ältere Patienten


Polypharmazie - Wie werden welche Krankenversicherten von wem und warum mit zu vielen Medikamenten versorgt? (16.5.17)
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"Move slowly" oder Vorsicht vor vorschnellen und übersteigerten Erwartungen beim Einsatz von Telemonitoring bei älteren Kranken (14.10.12)
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Ehrenamtliche Tätigkeit im höheren Alter fördert soziale Kontakte und subjektives Wohlbefinden (16.6.12)
"Mehr Personal im Pflegebereich und alles wird gut"!? Auch die Evidenz von "guten" Patentrezepten muss nachgewiesen werden (7.6.12)
Die Lebenserwartung selbst fitter älterer Erwachsenen hängt maßgeblich von der sozialen Verletzlichkeit oder sozialen Defiziten ab (23.4.12)
Ist die Entwicklung von Demenz wirklich nicht oder nicht ohne unerwünschte Nebenwirkungen zu verlangsamen? (17.4.12)
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Ende der "Satt-Sauber-Stumm"-Pflege in Sicht? - Erste Ergebnisse eines Pflegebedürftigkeitsprojekts der Pflegekassen

Artikel 0705 Seit Einführung der Pflegeversicherung wird immer wieder ihr geltender verrichtungsbezogener Pflegebedürftigkeitsbegriff kritisiert, der im § 14 SGB XI festgeschrieben ist. Nach Ansicht der Kritiker sind Defizite bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen vielfach auf den zu engen Begriff der Pflegebedürftigkeit zurückzuführen, da dieser somatisch ausgerichtet ist. Dadurch würden wesentliche Aspekte (Kommunikation, soziale Teilhabe) ausgeblendet und der Bedarf an allgemeiner Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung, insbesondere bei Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, zu wenig berücksichtigt. Im geltenden Begutachtungsverfahren von Pflegebedürftigkeit des "Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK)" schlägt sich dies u. a. darin nieder, dass der Unterstützungsbedarf ohne systematische und differenzierte Erfassung der Abhängigkeit bei Aktivitäten und in Lebensbereichen ermittelt und damit qualitativ und quantitativ unterschätzt wird.
In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die CDU/CSU-SPD-Bundesregierung eine mittelfristige Überarbeitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs vorgenommen.

Wie ein anderer Begriff von Pflegebedürftigkeit aussehen könnte, mit welchen Instrumenten und Verfahren sie ermittelt werden kann und welche Auswirkungen diese Neuerungen auf die Anzahl und die Art von Pflegebedürftigen und den für ihre Versorgung notwendigen Aufwand haben, wird seit Herbst 2006 und noch bis Herbst 2008 in einem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Forschungsprojekt bzw. Modellprojekt der Pflegekassen untersucht.

Das etwas sperrig formulierte Modellprojekt "Maßnahmen zur Schaffung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines Begutachtungsinstrumentes zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI" beschäftigt sich in drei Phasen (Vorphase, Hauptphase 1, Hauptphase 2) mit folgenden Themen:

• In der Vorphase erfolgte bis Februar 2007 eine umfassende nationale und internationale wissenschaftliche Recherche, Analyse und Bewertung von Begutachtungsinstrumenten und Pflegebedürftigkeitsbegriffen.
• In der sich anschließenden Hauptphase 1 besteht die Aufgabe der modellhaften Entwicklung eines neuen, praktikablen, standardisierten und allgemein anerkannten, durch den Gesetzgeber noch nicht vorgegebenen, Begutachtungs-Instrumentes unter Berücksichtigung der gleichzeitigen Erarbeitung oder Zugrundelegung eines vom Gesetzgeber ebenfalls noch nicht entschiedenen alternativen Pflegebedürftigkeitsbegriffs.
• In der darauf folgenden Hauptphase 2 ist das Begutachtungsverfahren von einer unabhängigen Einrichtung wissenschaftlich auf seine Validität und Reliabilität hin zu überprüfen.

Mit den Ergebnissen des Ende März 2007 vorgestellten Gutachtens der Universität Bielefeld von Wingenfeld, Büscher und Schaeffer zum Thema "Recherche und Analyse von Pflegebedürftigkeitsbegriffen und Einschätzungsinstrumenten" lässt sich die Richtung und Bedeutung der möglichen Veränderungen bereits erkennen.

Eine Person gilt im Lichte eines erweiterten Begriffs von Pflegebedürftigkeit als pflegebedürftig, wenn sie "aufgrund fehlender personaler Ressourcen (mit denen körperliche oder psychische Schädigungen, die Beeinträchtigung körperlicher oder kognitiver/psychischer Funktionen, gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen kompensiert oder bewältigt werden könnten) dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage ist zu selbstständigen Aktivitäten im Lebensalltag, selbstständiger Krankheitsbewältigung oder selbstständiger Gestaltung von Lebensbereichen und sozialer Teilhabe und daher auf personelle Hilfe angewiesen ist".

Das 232 Seiten umfassende vollständige Gutachten der Bielefelder Wissenschaftler findet sich hier: Recherche und Analyse von Pflegebedürftigkeitsbegriffen und Einschätzungsinstrumenten - Überarbeitete Fassung - Bielefeld, 23. März 2007, Verfasser: K. Wingenfeld, A. Büscher, D. Schaeffer.

Wie es nach diesem Startschuss weitergeht, d.h. wie die Entwicklung des neuen Begutachtungsinstruments und der Bewertungssystematik des MDK vorankommen, findet man ebenfalls über die Startseite des Modellprojekts heraus.

Bernard Braun, 24.5.2007