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Patienten
Kranken- und Altenpflege, ältere Patienten


Es ist selten zu spät und selten zu wenig. Körperliche Aktivität, Mobilität, Behinderung und Unabhängigkeit von 70-89-Jährigen (15.9.17)
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Pflegereport der Gmünder Ersatzkasse GEK 2008: Erhebliche Mängel der medizinischen Versorgung in Pflegeheimen

Artikel 1401 Der Pflegereport 2008 der Gmünder Ersatzkasse, für den sowohl die kasseninternen Pflegedaten als auch die amtliche Statistik ausgewertet wurden, kritisiert eine Reihe von Mängeln der medizinischen Versorgung in Pflegeheimen. Hier fiel den Wissenschaftlern unter anderem die Diskrepanz zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Versorgung auf: Zwar wird jeder Heimbewohner einmal im Quartal von einem Hausarzt untersucht. Pflegebedürftige mit psychischen Störungen oder Parkinson-Syndrom kommen allerdings nur 2,5 mal pro Jahr mit einem Neurologen oder Psychiater in Kontakt, was aus medizinischer Sicht zu selten ist. Auch bei der Versorgung durch Augenärzte und Orthopäden sind Verbesserungen erforderlich, denn die jährliche Behandlungsquote von Pflegebedürftigen in häuslicher und stationärer Pflege durch Augenärzte liegt um 50 Prozent niedriger als bei nicht pflegebedürftigen Personen. Bei Orthopäden fällt die Behandlungsquote um 25 bis 33 Prozent ab.

Weiterhin kritisierten die Wissenschaftler die festgestellte Diskrepanz zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Versorgung. Abgesehen davon, dass es Hinweise dafür gibt, dass die fachärztliche Versorgung ausbaufähig erscheint, wäre auch hier der verstärkte Einsatz koordinierender Hausärzte denkbar. Heute sind für Pflegeheime mit ca. 150 Betten häufig rund 40 verschiedene Hausärzte zuständig, inklusive aller Kommunikations- und Schnittstellenprobleme. Besser wären nach Meinung der Forscher kleine Netzwerke von drei bis vier Hausärzten, die exklusiv an eine stationäre Pflegeeinrichtung angebunden sind und ihre einheitliche Behandlung kontinuierlich mit der Pflegedienstleitung absprechen. Das würde auch die aufwendige Installation eigener Heimärzte überflüssig machen, denn "kleine Krankenhäuser" sollten die stationären Pflegeheime nicht werden.

Pflegegeldempfängern, die also einen Angehörigen persönlich zuhausen pflegen, gelingt es offensichtlich besser, die Einweisung in eine stationäre Einrichtung zu vermeiden oder zeitlich zu verzögern. Für Professor Rothgang, der Mitglied im Beirat des Bundesministeriums für Gesundheit zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs ist, zeigt sich hier eine alarmierende Tendenz: "Diejenigen, die professionelle Pflegesachleistungen und Kombinationsleistungen in Anspruch nehmen, kommen früher in Pflegeheime als Pflegegeldempfänger. Deshalb sollte die Pflege im häuslichen Umfeld weiter gestärkt werden." Soll der Heimeintritt gemäß des Grundsatzes "ambulant vor stationär" vermieden oder zumindest verzögert werden, dann sollten familiäre Pflegearrangements stabilisiert werden, bevor eine Überforderung der Familien einsetzt. Die in den letzten Jahren forcierten niedrigschwelligen Angebote für Demenz-Erkrankte bieten hierfür ebenso Ansatzpunkte wie die im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz neu geschaffenen Pflegeberater und Beratungsstellen.

Wie groß ist das Risiko, selbst pflegebedürftig zu werden? Auch hierzu macht der GEK Pflegereport erstmals verlässliche Angaben. Er untersuchte, wie hoch der Anteil der 2007 verstorbenen GEK Versicherten war, die im Todesjahr Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch genommen haben. Bei den Männern lag der Anteil bei 41 Prozent, bei den Frauen bei 51 Prozent, im Durchschnitt bei 44 Prozent.

• Die wichtigsten Ergebnisse der Studie (Referate von Dr. Kai Behrens und Prof. Dr. Heinz Rothgang) GEK Digitale Pressemappe zum Pflegereport
• Die Buchveröffentlichung (PDF, 318 Seiten): Heinz Rothgang, Lars Borchert, Rolf Müller, Rainer Unger: GEK-Pflegereport 2008. Schwerpunktthema: Medizinische Versorgung in Pflegeheimen

Gerd Marstedt, 18.11.08