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Patienten
Kranken- und Altenpflege, ältere Patienten


Es ist selten zu spät und selten zu wenig. Körperliche Aktivität, Mobilität, Behinderung und Unabhängigkeit von 70-89-Jährigen (15.9.17)
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Deutsche zweifeln an der Qualität stationärer Pflege, noch mehr Probleme bereitet jedoch deren Finanzierbarkeit

Artikel 1312 Drei von vier Deutschen befürchten, dass stationäre Pflegedienste für sie persönlich finanziell nicht erschwinglich sind. Überdies beurteilen 35% der Ostdeutschen und 42% der Westdeutschen die Qualität der stationären Pflege als schlecht. Schlechter als in Westdeutschland wird die Qualität der stationären Pflege nur in den osteuropäischen Ländern sowie in Griechenland und Italien bewertet. Zu diesen Ergebnissen kommt das Zentrum für Sozialindikatorenforschung von GESIS-ZUMA in Mannheim in einer Studie über Einstellungen zur Pflege in Deutschland und Europa. Grundlage der Studie sind Daten der Eurobarometer-Umfrage von 2007 in der über 26.000 Bürger in der EU zur Pflegesituation in ihrem Land befragt wurden.

In den osteuropäischen Mitgliedsstaaten ist der Zugang zu Pflegediensten nach Aussagen der Befragten wesentlich schwieriger als in den übrigen EU-Ländern. Rund drei Viertel der Bulgaren, Tschechen, Slowaken und Ungarn klagen über ziemlich oder sehr schwierige Zugangsmöglichkeiten zu ambulanter Pflege. In den skandinavischen Ländern und den Benelux-Staaten hingegen, wo ambulante Pflegedienste besonders stark bevorzugt werden, wird der Zugang zu ambulanter Pflege wesentlich besser beurteilt. Deutschland ist hier gespalten: Während nur 32% der Westdeutschen - und damit deutlich weniger als der EU-Durchschnitt von 43% - den Zugang zu ambulanter Pflege als schwierig bezeichnen, wird mit 47 % die Versorgung in Ostdeutschland besonders schlecht bewertet.

Unabhängig von den Zugangsmöglichkeiten werden in Deutschland stationäre und ambulante Pflegedienste zudem häufiger für unerschwinglich gehalten als im EU-Durchschnitt: 55% der Deutschen betrachten ambulante Dienste als zu teuer. Noch dramatischer fällt hierzulande das Urteil über Pflegeheime aus: Rund 75% der Deutschen halten die stationären Dienste für nicht erschwinglich.

Obwohl die ambulanten Pflegedienste in Deutschland häufig als nicht erschwinglich angesehen werden, wird jedoch weitaus seltener an deren Qualität gezweifelt: 71% der West- und 76% der Ostdeutschen halten die Qualität der ambulanten Pflege für "ziemlich gut" bis "sehr gut", während der EU-Durchschnitt bei 65% liegt. Ganz anders fällt der Befund für stationäre Pflegedienste aus. 35% der Ostdeutschen und sogar 42% der Westdeutschen beurteilen die Qualität der stationären Pflege als "ziemlich schlecht" oder "sehr schlecht". Schlechter als in Westdeutschland wird die Qualität der stationären Pflege damit nur in den osteuropäischen Ländern sowie in Griechenland und Italien bewertet. Die Vermutung liegt nahe, dass die Skepsis der Deutschen mit tatsächlichen Mängeln in der stationären Pflege in Zusammenhang steht. In der politischen Diskussion steht die Qualitätssicherung ambulanter Pflegedienste gegenwärtig im Mittelpunkt, während aus Sicht der Bevölkerung aber vor allem in der stationären Pflege Handlungsbedarf besteht.

Der Aufsatz zur Studie steht hier im Volltext zur Verfügung: Jörg Dittmann : Deutsche zweifeln an der Qualität und Erschwinglichkeit stationärer Pflege (gesis Informationsdienst Soziale Indikatoren, ISI 40, Ausgabe 40, Juli 2008)

Gerd Marstedt, 8.8.2008