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Patienten
Kranken- und Altenpflege, ältere Patienten


Es ist selten zu spät und selten zu wenig. Körperliche Aktivität, Mobilität, Behinderung und Unabhängigkeit von 70-89-Jährigen (15.9.17)
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Massiver Abbau von Pflegepersonal in Kliniken: Eine Gefahr für die Patientensicherheit?

Artikel 0827 Seit 1995 wurden rund 50.000 Pflegestellen in bundesdeutschen Kliniken abgebaut, während gleichzeitig die Zahl der hauptamtlich tätigen Klinikärzte um 20 Prozent gestiegen ist. Heute müssen in den Kliniken pro Jahr etwa eine Million Patienten mehr als 1995 medizinisch versorgt und pflegerisch betreut werden. Die Patienten-Pflegekraft-Quote hat sich damit um 23 Prozent erhöht. Zugleich nimmt die Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit der Patienten zu, was ebenfalls dazu beiträgt, dass die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals weiter ansteigt. Im Jahre 2006 sind so viele Überstunden geleistet worden, dass dafür rund 5.000 Pflegekräfte mehr hätten eingestellt werden müssen.

Dies sind Kernaussagen der Studie "Pflege-Thermometer 2007", die auf einer bundesweiten repräsentativen Befragung zur Arbeitssituation des Pflegepersonals sowie zur Patientensicherheit im Krankenhaus basiert. Auftraggeber ist das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung. Angeschrieben wurden insgesamt über 2.100 Kliniken, wobei auch psychiatrische Kliniken und andere Einrichtungen mit aufgenommen wurden. Geantwortet haben 12% der Krankenhäuser, so dass Aussagen aus 250 Kliniken ausgewertet werden konnten.



Der massive Abbau von Pflegepersonal kann nach Ansicht der Studienautoren nicht damit begründet werden, dass auch die Verweildauer in Kliniken und die Bettenzahl reduziert wurden: "Die Reduzierung des Pflegepersonals kann dabei nicht mit der Verweildauerverkürzung und dem Bettenabbau alleine erklärt werden. Hinsichtlich der Verweildauerverkürzung werden vor allem die nicht mehr pflege- und therapieintensiven Tage abgebaut. Eine Reduzierung der Bettenzahl steht ebenso wenig kausal im Zusammenhang mit einem Arbeitsaufwand. Einerseits bleibt die Bettenauslastung stabil, andererseits steigt insgesamt die Fallzahl der behandelten Patienten. Der pflegerische und therapeutische Arbeitsaufwand hängt von der Anzahl behandelter Patienten ab, wenn auch nicht von einem linearen Verhältnis ausgegangen werden kann. Die Belastungszahl des Pflegedienstes nach Fällen stieg in zehn Jahren von 48 Patienten pro Pflegekraft auf 59 Patienten."

Nach Einschätzung der befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus. So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden. Die Anzahl der Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung nimmt in jedem fünften Krankenhaus zu. 40 Prozent der Befragten rechnen zukünftig nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung. Zudem wird ein weiterer Stellenabbau in der Pflege aufgrund des Kostendrucks im Krankenhauswesen erwartet.

Ein weiteres Einzelergebnis der Befragung war die Feststellung, dass in erheblichem Ausmaß Mehrarbeit geleistet werden muss, um den Personalabbau zu kompensieren. So stiegen die Mehrarbeitsstunden in der Studie vom Jahr 2003 mit insgesamt 745.000 am Jahresende auf insgesamt 850.000 am Jahresende 2006, was einem Zuwachs von 13% entspricht. Rechnet man die Überstunden des Jahres 2006 bundesweit hoch, so kommt man auf ca. 5.000 Vollzeitstellen, die dadurch ersetzt wurden. Ein besonderes Problem stellt auch die Altersstruktur des Pflegepersonals in den Kliniken dar. 83% der Befragten gehen davon aus, dass sich der Anteil an älteren Mitarbeitern in den kommenden Jahren weiter erhöhen wird. Dies stellt sich als gravierendes Problem dar, weil mehr als drei Viertel der Befragten äußern, dass die beruflichen Belastungen nicht bis zum Rentenalter tragbar sind.

• Die Studie (PDF, 54 Seiten, 3.5 MB) ist hier im Volltext kostenlos verfügbar: Isfort, M.; Weidner, F. (2007): Pflege-Thermometer 2007. Eine bundesweite repräsentative Befragung zur Situation und zum Leistungsspektrum des Pflegepersonals sowie zur Patientensicherheit im Krankenhaus (Herausgegeben von: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip), Köln)
• Hier ist eine Zusammenfassung der Ergebnisse

Gerd Marstedt, 26.7.2007