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USA - Soziale Ungleichheit


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USA: Nur geringfügige Abnahme sozialer Ungleichheit bei Kindersterblichkeit trotz besserer Gesamt-Sterblichkeit zwischen 1910-95!

Artikel 1122 Zu den oft unterschätzten Charakteristika von Gesundheitssystemen gehören die sozial ungleich verteilten Erkrankungsrisiken und Behandlungschancen. Deshalb ist es auch von großer sozialer Bedeutung, ob sich am Umfang dieser Ungleichheiten im Laufe der gesellschaftlichen Weiterentwicklung oder gar durch ihre öffentliche Thematisierung etwas ändert, sie also ab- oder zunehmen. Zugleich ist dies aber auch nur sehr schwer zu erforschen.

Deshalb verdient ein Versuch zweier WissenschaftlerInnen an der University of Minnesota, John Robert Warren und Elaine M. Hernandez, dies für die USA und das gesamte 20. Jahrhundert zu untersuchen, besonderer Aufmerksamkeit.

Ihre Ende 2007 in der von der "American Sociological Association" herausgegebenen Zeitschrift "Journal of Health and Social Behaviour (JHSB)" (Volume 48, No. 4, Dezember 2007: 335-351) in einem Aufsatz vorgestellte Studie untersuchte die im Titel formulierte Frage: "Did Socioeconomic Inequalities in Morbidity and Mortality Change in the United States over the Course of the Twentieth Century?"

Die Untersuchung erfolgt vor dem Hintergrund, dass sich alle relevanten allgemeinen Mortalitäts- und Morbiditätsindikatoren im Laufe des 20. Jahrhunderts in den USA und vergleichbaren Ländern deutlich verbessert haben.

Auf einem theoretisch und methodisch hohem Niveau konzentriert sich ihre empirische Analyse auf drei Indikatoren: Veränderungen des selbst wahrgenommenen Gesundheitszustands unterschiedlicher sozialer Gruppen zwischen 1972 und 2004, die Veränderung der Wahrscheinlichkeit der Frühsterblichkeit von Kindern vor dem 3. Lebensjahr und die Wahrscheinlichkeit eines Kindestods vor dem 5. Lebensjahr zwischen 1910 und 1985-95.

Eingangs ihrer eigenen empirischen Arbeiten referieren die Autoren kurz den Stand der Forschung in den USA, der sich allerdings auf Daten für vergleichsweise kurze Zeiträume stützt: "Researchers in the United States consistently find that associations between income and mortality rates have either remained steady or have increased since the 1960s, particularly for men." (337) Ähnliche Entwicklungstendenzen erbrachte die Analyse von Bildungsständen (education)und Berufsgruppenzugehörigkeit (occupation).

Um die Entwicklung der sozioökonomischen Ungleichheit beim allgemeinen Gesundheitszustand ("excellent/good" versus "fair/poor") analysieren zu können nutzen Warren und Hernandez Daten des "General Social Survey (GSS)" für den Zeitraum 1972 bis 2004.
Das Ergebnis mehrerer durchgerechneten Modelle einer multivariaten logistischen Regressionsanalyse der Daten lautet: "health declines with age for people in the same birth cohort, improves across birth cohorts for people of the same age, and is always better for people in higher SES (socioeconomic status) categories. Most importantly for our purposes, the best-fitting models specify stability in age-specific SES inequalities across cohorts." (343)

Für ihre den Zeitraum 1910 bis 1995 erfassende Analyse der Kindersterblichkeit werteten sie für 1910 U.S. Census-Daten und die "June Fertility and Marital History Supplements des "Current Population Survey (CPS)" der Jahre 1985, 1990 und 1995 aus.

Der intertemporale Vergleich der Kindersterblichkeit vor dem 3. Lebensjahr setzt das Risiko der Kinder von so genannten "white collar workern" gleich 1 und berechnet das relative Risiko anderer sozialer Gruppen. Die Ergebnisse sehen so aus:

• Das relative Risiko der Frühsterblichkeit betrug für "unskilled/farm worker"-Kinder 1910 1,52, lag also um 52% über dem der Kinder aus sozial besser gestellten Familien. Bis 1985-1995 sank das relative Risiko von Kindern aus den Familien von Ungelernten und Landarbeitenden zwar auf 1,33, lag aber immer noch deutlich über dem Wert der sozial höher positionierten Vergleichsgruppe.
• Das höhere Sterberisiko für Kinder von "skilled blue collar"-Eltern lag 1910 bei 1,25 und sank bis Ende des letzten Jahrhunderts gering auf 1,17.
• Kinder von Eltern mit Dienstleistungstätigkeiten hatten 1910 ein um 62% höheres Sterblichkeitsrisiko, das Ende des 20. Jahrhunderts immer noch 42% höher lag.
• Generell zeigt sich ein lediglich geringer Rückgang der Ungleichheit von kindlichen Sterberisiken innerhalb von 85 Jahren des 20. Jahrhunderts.

Diese Ergebnisse veränderten sich mit einer gewichtigen Ausnahme fast nicht, wenn man die Sterblichkeit von Kindern vor dem 5. Lebensjahr untersucht:

• Beispielsweise war auch hier das Risiko von Kindern aus Facharbeiterhaushalten ("skilled blue collar") 1910 um 30% höher als das von Angestelltenhaushalten ("white collar") und sank bis 1995 lediglich auf 1,21.
• Die einzige deutlich andersartige Veränderung in der Zeit fand sich hier bei den Kindern der Angehörigen von Dienstleistungstätigkeiten ("service"): 1910 lagen sie erneut mit einem relativen Risiko von 1,62 weit über der Vergleichsgruppe der "white collar"-Kinder. 1995 lag dieser Wert aber bei 0,86, d.h. das relative Sterberisiko war unterdurchschnittlich geworden. Inwieweit dies mit bestimmten Veränderungen der Dienstleistungstätigkeiten im Verlauf des 20. Jahrhunderts zu tun hat, diese also zum Teil "sozial höherwertiger" geworden sind, bleibt noch genauer zu erforschen.

Im Lichte aller drei Ergebnisse ist für die USA und wahrscheinlich auch Deutschland (hierzulande kann man von solchen Längsschnittstudie immer noch nur träumen) den beiden Forschern in ihrer Schlussfolgerung für die anhaltende Relevanz einer Erforschung sozialer Ungleichheiten voll zuzustimmen: "All of these results provide further motivation to consider the ways in which upstream macro-social factors help perpetuate persistent SES inequalities in health. While traditional downstream proximate interventions dramatically reduced mortality and morbidity rates across the twentieth century, they did much less to reduce SES inequalities in those rates." (349)

Zu dem Aufsatz gibt es kostenfrei lediglich ein Abstract. Eine Kopie des Artikels kostet 20 US-Dollar.

Bernard Braun, 28.1.2008