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USA - Soziale Ungleichheit


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Wie zügig "der Markt" 44% der erwachsenen US-BürgerInnen 2010 zu Unter- oder Nichtversicherten im Krankheitsfall machte.

Artikel 1999 Während sich die Umsetzung des "Affordable Care Act", der gesetzlichen Grundlage einer der größten Gesundheitsreformen in den USA, dank der fundamentalistischen Auseinandersetzungen zwischen der Demokratischen und der Republikanischen Partei und den zahlreichen Gerichtsverfahren gegen das Gesetz dahinschleppt, nehmen einige der sozialen Probleme für deren Lösung das Gesetz gedacht war unverändert zu.

Dazu gehört die im Schatten der seit Jahren weit über 40 Millionen US-Amerikaner ohne jegliche Krankenversicherung weniger beachtete Anzahl von US-Bürgern, die ständig oder phasenweise unterversichert sind. Unterversichert meint, dass eine mehr oder weniger große Lücke zwischen den Ausgaben für die medizinische Versorgung und den verfügbaren Einkommen klafft. Die Anzahl der erwachsenen Personen, die eine solche Versicherungslücke hatte, wuchs zwischen 2003 und 2010 um 80% von 16 auf 29 Millionen. Dies bedeutet, dass 44% derUS-Erwachsenen, also 81 Millionen Menschen 2010 entweder nicht- oder unterversichert waren. Diese Gruppe erreichte diese Größe über 61 Millionen im Jahr 2003 und 75 Millionen im Jahr 2007.
Diese Daten stammen aus einer im Auftrag des liberalen (in den USA also eher politisch linken) Commonwealth Fund durchgeführten Studie, die im September 2011 in der Gesundheitspolitik-Fachzeitschrift "Health Affairs" erschienen ist.

Weitere Ergebnisse der Studie waren:

• Erwartungsgemäß aber dennoch erschreckend hoch war das Risiko der Unterversicherung für den Krankheitsfall für Familien mit geringem Einkommen: 77% der Familien mit einem Einkommen, das unterhalb von 133% des Armutslevels liegt, und 58% derjenigen Familien, deren Einkommen zwischen 133% und 250% des Armutslevels der USA liegen, waren entweder unter- oder nichtkrankenversichert.
• Das Risiko der Unterversicherung breitet sich in höhere Etagen der Einkommensskala aus: 2010 waren z.B. 16% der Erwachsenen mit einem Einkommen zwischen 40.000 und 60.000 US-Dollar unterversichert und hinzu kamen noch 19% Unversicherte. 2003 waren lediglich 5% dieser Einkommensgruppe unterversichert gewesen.
• Die Rate nichterhaltener Gesundheitsleistungen, etwa Arzneimittelverordnungen oder zusätzliche Untersuchungen waren unter den Unterversicherten zweimal so hoch und bei den Nichtversicherten sogar dreimal so hoch wie bei den Erwachsenen, die einen angemesseneren Versicherungsschutz hatten.
• Die AutorInnen prognostizieren, dass bei voller Geltung und Wirkung des Gesundheitsreformgesetzes die Anzahl der Unterversicherten um 70 % reduziert werden können.

Der Aufsatz von C. Schoen, M. M. Doty, R. H. Robertson, and S. R. Collins, "Affordable Care Act Reforms Could Reduce the Number of Underinsured U.S. Adults by 70 Percent" erschien in der Zeitschrift "Health Affairs"in der Septemberausgabe (30(9): 1762-71) und ist bis auf ein arg karges Abstract nur für Abonnenten zugänglich.

Eine 2 Seiten umfassende Zusammenfassung ist aber kostenlos auf der Website des Commonwealth Fund als Text der Reihe "In the Literature Highlights from Commonwealth Fund-Supported Studies in Professional Journals" kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 8.9.11