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Bevölkerungsumfrage zum Umweltbewusstsein: 2/3 der Deutschen möchten am geplanten Atomausstieg festhalten

Artikel 0483 Das Umweltbewusstsein der Deutschen ist weiter gestiegen - zumindest wenn man dafür Antworten zum Maßstab nimmt, die 2006 in einer repräsentativen Befragung des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts gegeben wurden. Bei der offenen Frage nach den wichtigsten Problemen in Deutschland ist der Umweltschutz von Platz 4 in den Jahren 2000 und 2002 über Platz 3 im Jahr 2004 auf Platz 2 geklettert. Platz 1 nimmt nach wie vor die Arbeitslosigkeit ein, auf Platz 3 folgt die soziale Gerechtigkeit, auf Platz 4 die Wirtschaftslage. Diese zunehmende Bedeutung des Themas Umwelt zeigt, dass der globale Klimawandel jetzt im Bewusstsein der meisten Bürger verankert ist und entscheidend dazu beiträgt, dass Umweltschutz für die Menschen seit einigen Jahren immer bedeutsamer wird. Zwei Drittel der Bevölkerung möchten, dass Deutschland in der internationalen Klimaschutzpolitik eine Vorreiterrolle einnimmt. Dies bedeutet gegenüber 2004 eine Steigerung um 11 Prozent, gegenüber 2002 sogar um 20 Prozent. Als vorrangige Ziele gelten der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Senkung des Energieverbrauchs und eine bessere Energieeffizienz.

Weitere Ergebnisse der Befragung sind folgende:
• Die Atomenergie möchte die Mehrheit der Deutschen zu den Akten legen. Zwei Drittel wollen am beschlossenen Atomausstieg festhalten oder ihn sogar beschleunigen. 37% sagen: "Deutschland sollte an dem geplanten Atomausstieg bis zum Jahr 2023 festhalten" und weitere 28% sogar: "Deutschland sollte schneller als geplant aus der Atomenergie aussteigen"
• Es gibt eine breite Zustimmung zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Energieeffizienz. 87 Prozent wollen einen konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien. Annähernd 90 Prozent sind für einen Ausbau der Solarenergie, über 70 Prozent für den Ausbau von Offshore-Windenergie.
• Die Industrie sollte nach Meinung fast aller Bürger dazu angehalten werden, mehr energiesparende Produkte anzubieten - dies findet nahezu hundertprozentige Zustimmung.
• Artenvielfalt und Natur sind den Menschen wichtig. Das Problembewusstsein für den Verlust der biologischen Vielfalt ist hoch. Rund 95 Prozent der Befragten sehen, dass der Verlust der biologischen Vielfalt ein sehr großes Problem darstellt. Und 92 Prozent finden, dass der Staat wegen des Verlusts der biologischen Vielfalt dringend handeln sollte.
• Das Interesse an einem ehrenamtlichen Engagement für den Umwelt- und Naturschutz hat stark zugenommen. 45 Prozent der Befragten können sich vorstellen, hier aktiv zu werden (2004: 33 Prozent).

Seit Anfang der 1990er Jahre wird regelmäßig das Umweltbewusstsein der Deutschen ermittelt. Die repräsentativen Befragungen sind so angelegt, dass Zeitreihenvergleiche möglich und Entwicklungstendenzen über die Jahre ablesbar sind. Die neue Studie "Umweltbewusstsein und Umweltverhalten in Deutschland 2006" wurde konzipiert und durchgeführt von einer Forschergruppe an der Philipps-Universität Marburg unter Leitung von Prof. Dr. Udo Kuckartz. In den Monaten April bis Juni 2006 wurden 2.034 Personen in allen Teilen Deutschlands befragt.
Auf der Website des Umweltbundesamtes gibt es zur Befragung eine Reihe von Materialien:
• Die komplette Studie (80 Seiten): Umweltbewusstsein in Deutschland 2006 - Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage
• Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
• Den Fragebogen zur Erhebung

Gerd Marstedt, 14.1.2007