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Tempo-30-Zonen senken die Zahl der Verkehrsunfälle, der Schwerverletzten und Todesopfer

Artikel 1689 Die Einführung von Tempo-30-Zonen in der englischen Hauptstadt London im Zeitraum 1986 bis 2006 hat nach einer jetzt in der Fachzeitschrift "British Medical Journal (BMJ)" veröffentlichten Studie zu einem erheblichen Rückgang von Verkehrsunfällen auf diesen tempoberuhigten Straßen geführt. Dabei wurde ein besonders starker Rückgang schwerer Unfälle mit Todesopfern oder Schwerverletzten beobachtet, während die Veränderungen bei geringfügigen Unfallfolgen nicht ganz so stark ausgeprägt war.

Notorische Gegner von Tempolimits werden diese Studie nicht mehr so ohne weiteres mit Hinweis auf methodische Defizite oder eine zu kleine Datenbasis vom Tisch wischen können. Knapp 300.000 Straßenabschnitte in London wurden von den Wissenschaftlern darauf hin analysiert, ob es im Verlaufe von 20 Jahren, im Zeitraum 1986-2006, dort Verkehrsunfälle gab, wie viele Unfälle es waren, welche Art von Verletzten oder gar Todesopfer zu beklagen waren. Erfasst wurde auch die Art der Verkehrsteilnehmer (Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger) und das Alter der Unfallbetroffenen. Unterschieden wurden dabei Tempo-30-Zonen (bzw. 20 Meilen, etwa 32 km/h) und angrenzende Straßen, jeweils vor und nach der Einführung der Geschwindigkeitsbeschränkung. In der statistischen Analyse berücksichtigt wurden dann etwa 764.000 leichtere und 130.000 schwere Unfälle sowie rund 6.200 Unfälle mit Todesopfern.

Die verwendeten Daten basieren auf offiziellen Polizeiberichten und Statistiken, den "Police STATS19 Data". Im Vergleich des Unfallgeschehens vor und nach der Einführung des Tempolimits sowie unter Berücksichtigung genereller Einflussfaktoren zeigte sich dann:
• Die Gesamtzahl der Unfälle ging in den tempoberuhigten Zonen um etwa 42 Prozent zurück.
• Besonders deutliche Effekte zeigten sich für Unfälle, an denen Kinder im Alter bis 15 Jahren beteiligt waren (minus 46%).
• Ebenso markant war der Rückgang von schweren Unfällen und solchen mit Todesopfern bei Kindern (minus 50%).
• Die bisweilen vorgebrachten Gegenargumente gegen die Einführung von Tempo-30-Zonen, das Unfallgeschehen würde sich dann lediglich in angrenzende Straßen verlagern, konnte in der Studie nicht bestätigt werden. Auch dort zeigte sich ein Rückgang der Unfälle, im Durchschnitt um etwa 8 Prozent.
• Unfälle mit Todesopfern gingen um etwa 35 Prozent zurück.

Die 20-Meilen Zonen, so fasste der Wissenschaftler Chris Grundy die Befunde der Studie zusammen, würden jedes Jahr 203 Unfälle vermeiden, darunter 27 mit schweren Verletzungen oder tödlichem Ausgang. 51 Fußgänger wären betroffen. Eine weitere Ausdehnung der Zonen hätte das Potenzial zur Vermeidung von 692 Unfällen pro Jahr, darunter 100 tödliche Unfälle oder solche mit Schwerverletzten.

Die Studie ist kostenlos im Volltext verfügbar: Chris Grundy et al: Effect of 20 mph traffic speed zones on road injuries in London, 1986-2006: controlled interrupted time series analysis (BMJ 2009;339:b4469; Published 10 December 2009, doi:10.1136/bmj.b4469)

Gerd Marstedt, 14.12.09