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EU-Meinungsumfrage zu Umweltthemen: Deutsche kritisieren am meisten die mangelhafte Kennzeichnung umweltfreundlicher Produkte

Artikel 1172 Eine neue Studie des "Eurobarometer" vom März 2008 berichtet über Ergebnisse einer Umfrage zu Umweltthemen und Hauptsorgen der Bürger, zur Umweltpolitik und zum Informationsverhalten hierzu. In den 27 Mitgliedstaaten der EU wurden dazu rund 27.000 Personen interviewt. In vielen Fragen unterscheiden sich Deutsche nicht wesentlich vom Durchschnitt der übrigen EU-Bürger. Es gibt jedoch auch einige spezifisch deutsche Einstellungen: So kritisieren Deutsche besonders häufig eine mangelhafte Kennzeichnung von umweltfreundlichen Produkten und geben besonders oft an, sie hätten zuletzt der Umwelt zuliebe Maßnahmen zum Energiesparen durchgeführt.

Der (kostenlose) neue Eurobarometer-Bericht "Einstellungen der europäischen Bürger zur Umwelt" berichtet detailliert über alle Umfrageergebnisse, bietet zu den Befunden viele Diagramme und gliedert die Ergebnisse auch nach einzelnen Ländern sowie sozialstatistischen Merkmalen (Alter, Geschlecht, Bildung) auf. Einige wichtige Ergebnisse:

• Den meisten Befragten, fällt beim Wort "Umwelt" zuallererst die Umweltverschmutzung in Gemeinden und Städten ein (22%) sowie der Klimawandel (19%). Erst an dritter Stelle kommt mit grünen und angenehmen Landschaften eine positive Assoziation (13%). Deutsche denken jedoch eher selten an die Umweltverschmutzung in Städten (12%), im Unterschied zu Italienern (36%) oder Spaniern (28%). Der Klimawandel fällt besonders häufig den Schweden als erstes ein.
• Bei der Frage nach Hauptumweltsorgen wird der Klimawandel EU-weit am meisten genannt (57%), Wasserverschmutzung (42%), Luftverschmutzung (40%) und vom Menschen verursachte Katastrophen (39%) folgen danach.
• Eine große Zahl von Europäern gibt an, der Umwelt zuliebe ihren Abfall getrennt zu haben (59%), gefolgt von fast der Hälfte (47%), die sagt, ihren Energieverbraucht gesenkt zu haben. 37% haben im letzten Monat ihren Wasserverbrauch gesenkt. Deutsche geben besonders häufig an, ihren Energieverbrauch gesenkt zu haben (62%, EU: 47%) und ebenso, sie hätten ihr Auto weniger oft benutzt (29%, EU: 17%).
• 75% der Befragten (EU-Durchschnitt) sagen zwar, dass sie bereit sind, umweltfreundliche Produkte zu kaufen, auch wenn sie etwas teurer sind, aber nur 17% haben dies im Monat vor der Umfrage auch tatsächlich getan.
• Eine weitere Besonderheit der Deutschen zeigt sich bei der Frage " Glauben Sie, dass Sie mit Hilfe der gegenwärtig vorhandenen Produktkennzeichen die Produkte erkennen können, die wirklich umweltfreundlich sind?" Hier antworten 58% der Deutschen (EU-Durchschnitt: 42%) mit "nein, nicht wirklich" oder "nein, überhaupt nicht".
• Bei der Frage, welchen Informationsanbietern man am meisten vertraut, werden Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler (beide 36%) weit vor dem Fernsehen (22%) eingestuft, das die meisten Informationen liefert. Verbraucherverbände sind die am vierthäufigsten genannte Informationsquelle (18%) was das Vertrauen anbelangt. Umweltschutzorganisationen genießen in Deutschland und Österreich sehr viel mehr Vertrauen als im EU-Durchschnitt.

Im Bericht findet sich noch eine Vielzahl weiterer, zum Teil recht spannender Befunde, etwa im Hinblick auf Fragen wie: Was sollte der einzelne Bürger vorrangig tun, um die Umwelt zu schützen? Welchen Einfluss hat die Umwelt im Vergleich zu ökonomischen Faktoren auf die Lebensqualität? Sollte Umweltschutz Vorrang vor der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft haben?

• Hier ist eine 4seitige (englische) Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse nur für Deutschland: Attitudes of European citizens towards the environment - Results for Germany
• Der komplette Bericht auf deutsch (PDF, 125 Seiten): Europäische Kommission, Eurobarometer Spezial: Einstellungen der europäischen Bürger zur Umwelt
• Hier sind weitere Eurobarometer-Berichte mit EU-weiten Umfragen auch zu Gesundheitsthemen: Eurobarometer Special Surveys

Gerd Marstedt, 20.3.2008