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Leider auch bei 35 Grad im Schatten und im Urlaub: Vorsicht vor offiziellen Mitteilungen zur Badegewässerqualität.

Artikel 1834 Passend zur Jahreszeit verkünden Kurverwaltungen, Tourismuszentralen und kommunale Verantwortliche für Baggerseen und Flußläufe nahezu unisono: Die Wasserqualität der Gewässer sei gut und erreiche nahezu Trinkwasserqualität.

Dass auch hier regionalwirtschaftliche Interessen vor gesundheitlichen stehen könnten, konnte man angesichts des optischen Zustands mancher Gewässer schon immer befürchten. Und einzelne Nachmessungen für Strände an Ost- und Nordsee durch den ADAC stuften auch in diesem Jahr manchen offiziell unbedenklichen Platz als "bedenklich" ein. Wesentlicher Indikator für die Wasserqualität waren aber auch hier nachgewiesene bakterielle Belastung durch Fäkalien.

Handfestere Belege für ein noch wesentlich systematischeres Sauberreden mancher Gewässer liegen aber seit dem Sommer 2009 in Gestalt eines Aufsatzes portugiesischer Mikrobiologen vor.
Diese Experten verweisen generell darauf hin, dass die für die meisten Gewässerqualitätsanalysen eingesetzten Methoden seit zig Jahren obsolet sind und die verharmlosenden Effekte der Konzentration auf die Messung von Keimbelastungen mit Darmbakterien wie Escherichia coli und Enterokokken und die dadurch drohenden Durchfallerkrankungen bekannt sind. Bekannt sei ebenfalls seit langem, dass die Wasserqualität auch erheblich durch Viren beeinträchtigt werden kann - mit eher noch schwerwiegenderen gesundheitlichen Folgen.

Die portugiesischen Experten, welche die durchweg aufwändigeren Virenanalysen durchführten, kommen zu deutlich anderen Qualitätsbeurteilungen vieler nach der bakteriellen Überprüfung als "excellent" eingestuften Badegewässer:

• Von den 16 untersuchten "excellenten" Badestrände im Umland von Lissabon waren 95% mit Hepatitis-A-Viren verunreinigt und 27% mit Noroviren, die zu starkem Brechdurchfall führen können.
• Neben Hepatitis-A- und Noroviren können auch Rotaviren (ein weiterer Brechdurchfallerreger), Adenoviren (verursachen u.a. Augenentzündungen, Schnupfen und Durchfälle) sowie Enteroviren (u.a. verantwortlich für grippale Infekte) im Wasser auftreten.

Auch wenn man nach diesen Ergebnissen zumindest bei badefreudigen Familien eine Impfung gegen Hepatitis A-Viren in Erwägung ziehen sollte, - dies empfiehlt z.B. der "Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)" - müsste aber auch endlich die mit dieser Untersuchung offensichtlich gewordene Täuschung des Badepublikums beendet werden.

Von dem Aufsatz "Viral and bacterial contamination in recreational waters: a case study in the Lisbon bay area" von A.M. Silva, H. Vieira, N. Martins, A.T.S. Granja, M.J. Vale und F.F. Vale in der Fachzeitschrift "Journal of Applied Microbiology" (Volume 108 Issue 3: 1023-1031) gibt es kostenlos nur rein knappes Abstract.

Bernard Braun, 13.7.10