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Freie Fahrt für freie Bürger, atem(be)raubende Abgase und Asthma bei Kindern - ein starker Zusammenhang.

Artikel 0707 Jene Mitglieder von Bürgerinitiativen, die sich gegen den Bau einer wohnortnahen Stadtautobahn oder Zubringers zum Einkaufszentrum auch mit den möglichen gesundheitlichen Folgen für die in der Umgebung wohnenden BürgerInnen wehren, brauchen sich nicht mehr als "Bedenkenträger" oder "Öko-Gestrige" beschimpfen lassen.

Eine soeben in der Fachzeitschrift "European Respiratory Journal" (Vol. 29, No. 5, Mai 2007, S. 879-888) veröffentlichte Untersuchung eines kanadisch-niederländischen Forscherteams um Michael Brauer an mehr als 4.000 holländischen Kindern kam zu dem eindeutigen Ergebnis: Autoabgase erhöhen bei Kindern das Risiko für Asthma und Infektionen der oberen Atemwege.

Für die Kinder die aus Großstädten wie Rotterdam bis hin zu ländlichen Gemeinden mit etwa 5.000 Einwohnern und insgesamt aus rund 40 Standorten stammten, wurde als erstes die jeweilige lokale Autoabgasbelastung durch Messung des Luftgehalts an Stickstoffoxid, Feinstaub und Ruß bestimmt. Im Rahmen der von der Universität Utrecht durchgeführten PIAMA- (Prevention and Incidence of Asthma and Mite Allergy)Studie wurde dann durch Befragungen von Ärzten und Müttern der Gesundheitszustand der Kinder zwischen ihrer Geburt und ihrem 4. Lebensjahr erhoben.

Das Ergebnis war eindeutig: Kinder, die in der Nähe einer vielbefahrenen Straße wohnten, litten häufiger an Asthma, pfeifenden Atemgeräuschen, HNO-Infektionen, Erkältungen und Gruppe als ihre Altersgenossen, die in Gegenden mit geringerer Verkehrs- und Luftbelastung lebten. Die in den USA ebenfalls jüngst festgestellte Verzögerung des Wachstums der Lunge und die Beeinträchtigung ihrer Funktion durch verschmutzte Luft (veröffentlicht in der Fachzeitschrift "The Lancet" am 17. Februar 2007), hat nach Ansicht der kanadischen Forscher keine ursächliche Funktion für den beobachteten Anstieg der Asthmahäufigkeit. Es könnte aber sein, dass das anderweitig verursachte Asthma dadurch noch verstärkt wird.

Zusätzlich maßen die Forscher bei den Kindern aus verkehrsbelasteten Regionen auch einen erhöhten Spiegel des Immunglobulin E, von Antikörpern also, die dann im Blut zunehmen, wenn das Immunsystem auf bestimmte Stoffe überempfindlich reagiert. Warum dies so ist und warum bei den Kindern erhöhte allergische Reaktionen gegen Eier und Milch festgestellt wurden, konnte bisher nicht geklärt werden.

Seine Studienergebnisse sieht Brauer als "eindeutigen Beweis für die Langzeiteffekte von Schadstoffen" auf die Gesundheit von Kindern. "Eine Reduzierung der Autoabgase ist unerlässlich, aber noch wichtiger ist es, Hauptverkehrsadern fern zu halten von den Gebieten, in denen Menschen leben und arbeiten."

Leider kann kostenlos nur ein Abstract der Studie von Brauer, G. Hoek, H. A. Smit, J. C. de Jongste, J. Gerritsen, D. S. Postma, M. Kerkhof, and B. Brunekreef "Air pollution and development of asthma, allergy and infections in a birth cohort" (Eur Respir J 2007 29: 879-888)] hier heruntergeladen werden.

Bernard Braun, 29.5.2007