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Epidemiologie
Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Sport usw.)


Weniger fettes Essen=weniger Herzinfarkttote!? Beispiel für von Beginn an fehlende Evidenz für zu einfache Gesundheitsempfehlungen (4.7.16)
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Körperliche Fitness in der Adoleszenz zeigt starke Zusammenhänge zu beruflichem Erfolg und Sozialstatus im Erwachsenenalter (3.12.09)
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"Overfed but undernourished": Gesunde Ernährung wird auch durch hohe Preise für kalorienarme Lebensmittel beeinträchtigt (10.12.2007)
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Kurze Schlafdauer verdoppelt das Sterblichkeitsrisiko - aber auch zu viel Schlaf ist problematisch (27.9.2007)
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Alkoholbedingte Todesfälle stehen in Finnland bei den Todesursachen auf Platz 1 (31.1.2007)
Neues Themenheft zur Gesundheitsberichterstattung: "Körperliche Aktivität" (28.8.2005)

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Alkoholbedingte Todesfälle stehen in Finnland bei den Todesursachen auf Platz 1

Artikel 0530 Todesfälle aufgrund von Alkohol sind in den letzten Jahren in Finnland dramatisch angestiegen und waren nach einer offiziellen finnischen Statistik im Jahre 2005 erstmals die häufigste Todesursache bei Männern, noch vor Herzerkrankungen und Unfällen. Bei Frauen war der Anstieg weniger dramatisch, allerdings lagen die Todesursachen Alkoholabusus und Brustkrebs fast gleichauf. Für den steigenden Alkoholismus werden zwei Ursachen genannt. Zum einen wurde die Alkoholsteuer in Finnland erheblich gesenkt (um 40%), zum anderen sind durch die Erweiterung der EG die Grenzen nach Estland durchlässig geworden, so dass Finnen sich jetzt im Nachbarland ebenfalls sehr billig Alkoholika besorgen können.

Bei 17% der Todesfälle von 15-64jährigen Männern wurden Ursachen im Zusammenhang mit Alkohol festgestellt, mehr als bei ischämischen Herzkrankheiten (Angina pectoris, Koronarinsuffizienz, Herzinfarkt), die 16,6% ausmachten und Unfällen (13%). Berücksichtigt man, dass auch bei jedem dritten Suizid Alkohol im Spiel war und bei nahezu jedem zweiten tödlichen Unfall Trunkenheit des Unfallverursachers festgestellt wurde, dann erhöht sich der fatale Einfluss des Alkohols noch einmal. (vgl. Statistics Finland: Leading cause of death for working-age men is alcohol-related in 2005)

Finnische Politiker nahmen die neuen statistischen Daten mit großer Besorgtheit zur Kenntnis und beraten über Möglichkeiten, den Alkoholkonsum einzuschränken. Geplant sind u.a. Warnhinweise auf Flaschen mit alkoholischen Getränken, der Verkauf alkoholischer Getränke am Vormittag und ein Verbot der TV-Werbung für Alkohol. Jeder Finne nimmt durchschnittlich 10,5 Liter an reinem Alkohol im Jahr zu sich zu sich. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Finnen und Deutsche allerdings kaum. So wurde nach Angaben des Robert-Koch-Instituts für das Jahr 2001 ein Pro-Kopf-Verbrauch an alkoholischen Getränken in Höhe von 152,8 Litern für Deutschland berechnet . Dies entspricht einer Menge von 10,5 Litern reinem Alkohol pro Einwohner, also exakt so viel wie in Finnland im Jahr 2005. Bei den Todesfällen durch Alkohol allerdings zeigen deutsche Statistiken sehr viel niedrigere Werte: Im Jahr 1996 waren 17.561 Todesfälle in Deutschland eindeutig dem Konsum von Alkohol zuzuschreiben, 42.000 Todesfälle waren mit Alkohol assoziiert. Dies entspricht einer Quote direkt oder indirekt alkoholbedingter Todesursachen von etwa 7% in Deutschland. (vgl. RKI: Gesundheitsbericht Alkoholkonsum) Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren geht von derzeit rund 2,5 Millionen behandlungsbedürftigen Alkoholkranken in Deutschland aus.

Die sehr unterschiedlichen Quoten der Todesursachen durch Alkohol in Finnland und Deutschland trotz einer vergleichbaren Menge an Alkoholgenuss dürften zu einem erheblichen Teil also auch bedingt sein durch Unterschiede in der Versorgung Alkoholkranker oder auch unterschiedliche Gepflogenheiten bei der Feststellung von Todesursachen. Dies wurde auch deutlich an den in deutschen Bundesländern festgestellten Daten. Mecklenburg-Vorpommern weist zum Beispiel mehr als doppelt so viele "Alkoholtote" wie der bundesweite Durchschnitt auf (38 auf 100.000 Todesfälle), ähnliche hohe Werte zeigen auch Sachsen-Anhalt und Bremen (jeweils 32), Brandenburg (30) und Sachsen (29). Auf der anderen Seite finden sich in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen nur sehr wenig alkoholbedingte Todesfälle (13-14). (vgl. Information zur unterschiedlichen Häufigkeit wegen Alkoholkonsums gestorbener Menschen in den neuen und alten Bundesländern)

Finnland liegt zwar, was den Alkoholkonsum anbetrifft, zusammen mit anderen skandinavischen Ländern nach WHO- und OECD-Statistiken recht weit vorne. In einem Punkt allerdings finden sie ihren "Meister" in einem anderen Land, und zwar, was den Anteil der sog. Alkohol-Exzesse anbetrifft. Damit angesprochen ist der Anteil des Konsums großer Mengen an Alkohol zu einem Zeitpunkt ("Besäufnisse") am Alkohol-Gesamtkonsum. Hier liegen die Engländer (United Kingdom) unangefochten vorne. Bei Männern im UK machen diese Alkohol-Exzesse 40% des Alkoholgesamtkonsums aus, in Schweden 33%, in Finnland 29% und in Deutschland lediglich 14%. (vgl. WHO: Gesundheit im Schlaglicht: Deutschland 2004)

Gerd Marstedt, 31.1.2007