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Epidemiologie
Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Sport usw.)


Das "Glas Rotwein" zum Abendessen - "gesunde Skepsis" gegen Nutzen für Herzgesundheit, eher gut für die Lebensqualität (24.5.17)
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Gesundheitliche Aufklärung: Wenig ist angekommen, zumindest bei australischen Jugendlichen (15.10.2007)
Kurze Schlafdauer verdoppelt das Sterblichkeitsrisiko - aber auch zu viel Schlaf ist problematisch (27.9.2007)
Ernährungsgewohnheiten in der Unterschicht: Die Differenzen zur Gesamtbevölkerung sind geringer als erwartet (16.7.2007)
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Ernährungsgewohnheiten in der Unterschicht: Die Differenzen zur Gesamtbevölkerung sind geringer als erwartet

Artikel 0807 Eine wesentlicher Erklärungsfaktor für die geringere Lebenserwartung von Angehörigen unterer Sozialschichten und ihre stärkere Betroffenheit von chronischen Erkrankungen wird dem gesundheitlichen Risikoverhalten zugeschrieben. Rauchen, wenig körperliche Bewegung, ungesunde Ernährung, so die gängige wissenschaftliche These, ist wesentlich öfter verbreitet in unteren Sozialschichten, in Arbeiterfamilien oder bei Beziehern niedriger Einkommen oder Sozialleistungen. Eine umfassende britische Studie zu den Ess- und Trinkgewohnheiten in einkommensschwachen Haushalten hat diese Einsicht nun jedoch in Frage gestellt oder zumindest relativiert.

Die Daten für diese neuen Erkenntnisse stammen aus der "Ernährungsstudie bei Niedrigeinkommen" ("Low Income Diet and Nutrition Survey LIDNS", die von der halbstaatlichen britischen Food Standards Agency in Auftrag gegeben und von mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführt wurde. In persönlichen Interviews und in wiederholten Telefonbefragungen wurden rund 3.700 Bürger/innen aus etwa 2.500 Haushalten akribisch über ihre täglichen Speisen und Getränke, ihre körperlichen Aktivitäten, ihre Rauchgewohnheiten und den Alkoholkonsum befragt. Einbezogen waren in diese Stichprobe nur Haushalte, die im Hinblick aus das Gesamteinkommen den untersten 15 Prozent angehören.

Das zentrale Ergebnis der Studie war für die Wissenschaftler einigermaßen verblüffend. Entgegen vielen landläufigen Vorurteilen unterscheiden sich Angehörige der unteren Sozialschicht nicht besonders stark von britischen Normalbürgern, auch wenn man in einigen Punkten Unterschiede herausfand. Als bedeutungsvoll wird in Pressemitteilungen und auch im Vorwort des Ergebnisberichts jedoch nicht herausgestellt, dass nun die Ärmsten im Königreich sich besonders ungesund ernähren, sondern dass die Gesamtbevölkerung in einer Vielzahl von Aspekten die wissenschaftlichen Empfehlungen zu gesunder Ernährung missachtet. Zentrales Fazit war daher: "Die Kluft zwischen Niedrigverdienern und dem Rest der Bevölkerung ist im Hinblick auf die Ernährungsgewohnheiten nicht so groß wie bisweilen befürchtet, obwohl dieses Verhalten in einigen Punkten als etwas weniger gesund zu bezeichnen ist."

Als Ergebnisse fand man im Einzelnen:
• Die Art und auch Menge der Nahrungsmittel, die typischer Weise in Haushalten unterer Sozialschichten bzw. von Niedrigstverdienern auf den Tisch kommt, unterscheidet sich nur sehr geringfügig vom Speiseplan der Durchschnittsbevölkerung. So zeigt sich etwa im Hinblick auf Gemüse und Obst, dass diese Nahrungsmittel weitaus seltener als von Ernährungs-Wissenschaftlern empfohlen konsumiert werden - aber diese Empfehlung wird in allen Schichten kaum beherzigt.

• Unterschiede in der schichtspezifischen Ernährung werden vor allem deutlich, wenn man verschiedene Altersgruppen unterscheidet sowie Männer und Frauen. Hier zeigt sich etwa, dass Kinder und Jugendliche aus der Unterschicht sich ungesünder ernähren (z.B. mehr zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, Chips, Pizzas usw.), andererseits werden in der Altersgruppe ab 65 nur noch geringe Unterschiede zum Bevölkerungsdurchschnitt deutlich.

• Differenzen zeigen sich trotz der relativ großen Ähnlichkeit der Speisepläne weiterhin bei einigen Nahrungsmitteln. So kommen in ärmeren Haushalten weniger Vollkorn-Produkte und Gemüse auf den Tisch. Gleichzeitig werden mehr Soft Drinks getrunken, wird öfter mit Nitraten vorbehandeltes Fleisch (Würste, Hamburger, Kebap, Schinken, Speck usw.) verzehrt, werden teilweise (je nach Alter und Geschlecht) auch mehr Chips, Pizzas und Pommes Frites gegessen und im Haushalt wird mehr Zucker verwendet.

Eine Diskussion der Studienergebnisse hinsichtlich der Frage, inwieweit nun der Einfluss einer gesunden Ernährung auf Lebenserwartung und spätere chronische Erkrankungen neu definiert werden muss, steht noch aus. Der Bericht selbst erleichtert eine Stellungnahme und Diskussion nicht besonders: Vergleichsdaten aus einer nationalen britischen Stichprobe (NDNS) zu den einzelnen Indikatoren finden sich nicht durchgängig in den Tabellen, sondern nur unsystematisch und verstreut auf den insgesamt 800 Seiten des Berichts.

• Hier ist eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Ergebnissen
• Auf dieser Seite findet man Links zu mehreren Dokumenten des Ergebnisberichts

Gerd Marstedt, 16.7.2007