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Epidemiologie
Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Sport usw.)


Weniger fettes Essen=weniger Herzinfarkttote!? Beispiel für von Beginn an fehlende Evidenz für zu einfache Gesundheitsempfehlungen (4.7.16)
"Die Studie zum Sonntag" - Frauen, die mehr als 1x pro Woche in einen Gottesdienst gehen, leben länger und gesünder (22.5.16)
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Wenn das "Beste" mehr Schlechtes als Gutes bringt. Unerwartete Effekte der Reduktion von Salz. (11.11.12)
Erneut kein signifikanter Nutzen "gekaufter Gesundheit": Magnesium bei Muskelkrämpfen von älteren Personen und Schwangeren. (29.10.12)
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Ein gesunder Lebensstil ist zur Prävention von Diabetes effektiver als Medikamente (21.2.10)
Persönliche Konzepte von Gesundheit und gesunder Ernährung sind in der Mittelschicht andere als in der Unterschicht (13.1.10)
Körperliche Fitness in der Adoleszenz zeigt starke Zusammenhänge zu beruflichem Erfolg und Sozialstatus im Erwachsenenalter (3.12.09)
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Selbst nach einer Herzerkrankung fällt vielen die Änderung gesundheitsriskanter Verhaltensweisen schwer (16.3.09)
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Antioxidative Nahrungsergänzungsmittel fast sämtlich nicht zur Prävention von Darmkrebs tauglich oder sogar potenziell gefährlich (1.11.08)
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Sport und körperliche Aktivität: Nicht nur abhängig von individueller Motivation, sondern auch von Rahmenbedingungen im Stadtteil (3.4.2008)
Rauchen, die Lebensfreude des "kleines Mannes"? Eine Studie zeigt: Raucher sind keineswegs glücklicher als Nichtraucher (31.3.2008)
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"Overfed but undernourished": Gesunde Ernährung wird auch durch hohe Preise für kalorienarme Lebensmittel beeinträchtigt (10.12.2007)
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Gesundheitliche Aufklärung: Wenig ist angekommen, zumindest bei australischen Jugendlichen (15.10.2007)
Kurze Schlafdauer verdoppelt das Sterblichkeitsrisiko - aber auch zu viel Schlaf ist problematisch (27.9.2007)
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"Soft Drinks": Nicht nur Dickmacher, sondern auch Mitverursacher von Diabetes (14.7.2007)
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Wissenschaftler sind sich einig: Alkohol und Tabak sind schädlicher als Cannabis (23.3.2007)
Alkoholkonsum in Europa: Deutsche sind im Vergleich zu EU-Nachbarn eher moderate Trinker (16.3.2007)
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Alkoholbedingte Todesfälle stehen in Finnland bei den Todesursachen auf Platz 1 (31.1.2007)
Neues Themenheft zur Gesundheitsberichterstattung: "Körperliche Aktivität" (28.8.2005)

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Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Sport usw.)
 

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Körperliche Fitness in der Adoleszenz zeigt starke Zusammenhänge zu beruflichem Erfolg und Sozialstatus im Erwachsenenalter

Artikel 1680 "Mens sana in corpore sano" - dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist steckt, war vom römischen Dichter Juvenal in dieser viel zitierten Redewendung nicht als Feststellung eines Sachverhalts gemeint, sondern als Wunsch und Bitte an die Götter. Im Alltag allerdings wird mit dem Satz meist eine enge Verknüpfung von körperlichen und geistigen Fähigkeiten behauptet, wenn nicht sogar ein Kausalzusammenhang. Die empirischen Belege hierfür waren bislang eher dürftig. Eine große schwedische Studie hat nun allerdings solche Zusammenhänge aufgezeigt. Die zentralen Befunde: Wer in der Adoleszenz, also im frühen Erwachsenenalter von etwa 18 Jahren eine hohe körperliche Fitness aufweist, schneidet auch in verschiedenen Aspekten bei Intelligenztests besser ab. Dies gilt nur für die körperliche Fitness, nicht für die Kraft oder Muskelstärke. Und nicht zuletzt: Die körperliche Fitness in der Adoleszenz erlaubt auch eine Prognose über den späteren beruflichen Erfolg und Sozialstatus im Erwachsenenalter.

Die jetzt in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" veröffentlichte Studie basiert auf Daten von ungefähr 1,2 Millionen schwedischen Männern, die allesamt im Zeitraum 1950-1976 im Alter von etwa 18 Jahren zur Prüfung ihrer Wehrdienst-Tauglichkeit vorgeladen wurden und an Untersuchungen zu ihrer körperlichen und geistigen Fitness teilnehmen mussten. Die Stichprobe umfasste damit etwa 97 Prozent der männlichen schwedischen Bevölkerung, die zum jeweiligen Untersuchungs-Zeitpunkt 18 Jahre alt war. Für die wissenschaftliche Studie verwendet wurde Untersuchungsbefunde zur körperlichen Fitness, gemessen durch Übungen an einem Fahrrad-Ergometer, zur Muskelkraft und ferner zu vier Intelligenz-Dimensionen: logisches Denken, Sprachvermögen, räumliche Vorstellungskraft, mathematisch-technisches Denkvermögen.

In der Analyse zeigten sich dann recht enge Zusammenhänge zwischen allen vier Intelligenzdimensionen und der körperlichen Fitness. Die Korrelationen hierfür (Zusammenhangsmaß, das zwischen 0 und 1 variieren kann) lagen bei 0.13, 0.15, 0.18 und 0.20, wobei dieser höchste Wert von 0.20 für das logische Denken galt. Zusammenhänge zur Muskelkraft lagen hingegen fast bei Null. Im Rahmen einer multivariaten Analyse, in der auch andere potentielle Einflussfaktoren für die Intelligenz einbezogen wurden, bestätigten sich die gefundenen Zusammenhänge.

In der Untersuchungsstichprobe fanden sich auch 3.147 zweieiige und 1.432 eineiige Zwillinge, so dass die Wissenschaftler näherungsweise auch den Einfluss von Erbanlagen und Umweltfaktoren analysieren konnten. Aufgrund eines Vergleichs der Korrelationen zwischen Fitness und Intelligenz bei ein- und zweieiigen Zwillingen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass über 80 Prozent der Intelligenz aus unterschiedlichen Umwelteinflüssen und weniger als 15 Prozent aus Erbanlagen resultiert.

Überprüft wurde in der Studie auch, ob die Untersuchungsbefunde bei den 18jährigen Studienteilnehmern Prognosen ermöglichen über spätere Erfolge im Bildungssystem oder Beruf. Tatsächlich zeigte sich:
• Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Studienteilnehmer später einen Universitätsabschluss schafft, liegt bei denjenigen etwa 1,8mal höher, die zu den oberen 40 Prozent gehören, was die körperliche Fitness anbetrifft.
• Und ähnliche Zusammenhänge finden sich für den späteren sozio-ökonomischen Status: Die Chancen, später einmal der Oberschicht anzugehören, liegt etwa 1,5mal höher bei jenen 40 Prozent mit besserer körperlicher Fitness.

In der Bilanz ihrer Befunde suggerieren die Forscher eine gewisse Kausalität der von ihnen untersuchten Einflüsse (körperliche Fitness -> Intelligenz -> Berufserfolg), obwohl die Anlage der Studie dies nicht leisten kann. So wird die Empfehlung ausgesprochen: "Diese Daten belegen, dass körperliche Bewegung ein wichtiges Instrument für Public-Health-Initiativen sein kann, um im gesellschaftlichen Rahmen Ausbildungsziele aber auch intellektuelle Leistungen zu optimieren und Krankheiten zu vermeiden." Auch wenn die Studie also keine kausalen Effekte belegen kann, zeigt sich doch, dass körperliche und geistige Fitness bei vielen Menschen zusammen gehören, so dass "Mens sana in corpore sano" möglicherweise doch einer Tatsachenfeststellung nahe kommt und nicht nur ein frommer Wunsch ist wie beim römischen Satirendichter Juvenal.

Zur Studie "Maria A. I. Aberg et al: Cardiovascular fitness is associated with cognition in young adulthood" (Proceedings of the National Academy of Sciences, PNAS, December 8, 2009 vol. 106, no. 49, doi 10.1073/pnas.0905307106) gibt es kostenlos ein Abstract und auch den Volltext als PDF-Datei:
Abstract
PDF mit Volltext

Gerd Marstedt, 3.12.09