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Epidemiologie
Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Sport usw.)


Weniger fettes Essen=weniger Herzinfarkttote!? Beispiel für von Beginn an fehlende Evidenz für zu einfache Gesundheitsempfehlungen (4.7.16)
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Körperliche Fitness in der Adoleszenz zeigt starke Zusammenhänge zu beruflichem Erfolg und Sozialstatus im Erwachsenenalter (3.12.09)
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"Overfed but undernourished": Gesunde Ernährung wird auch durch hohe Preise für kalorienarme Lebensmittel beeinträchtigt (10.12.2007)
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Gesundheitliche Aufklärung: Wenig ist angekommen, zumindest bei australischen Jugendlichen (15.10.2007)
Kurze Schlafdauer verdoppelt das Sterblichkeitsrisiko - aber auch zu viel Schlaf ist problematisch (27.9.2007)
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Neues Themenheft zur Gesundheitsberichterstattung: "Körperliche Aktivität" (28.8.2005)

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Gesundheitliche Aufklärung: Wenig ist angekommen, zumindest bei australischen Jugendlichen

Artikel 0963 Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren führt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) Projekte und Aufklärungskampagnen zur Gesundheitserziehung und -bildung durch: Über die Gefahren des Rauchens, Schutzmaßnahmen gegen AIDS, über die Risiken von Alkohol und Drogen. In den letzten Jahren betrug der jährliche Etat nach einer Übersicht des Wissenschaftsrats knapp 12 Millionen Euro jährlich. Doch kommen die Botschaften zu gesundheitsbewussterem Alltagsverhalten auch an? Nach einer Meldung des Instituts für Demoskopie Allensbach achten die Deutschen heute mehr auf ihre Gesundheit. "Anfang des Jahrzehnts betonten erst 27 Prozent, dass sie sehr gesundheitsbewusst leben, inzwischen sagen das 33 Prozent."

Betrachtet man die Ergebnisse über die Verbreitung von Übergewicht und falscher Ernährung, von Alkoholkonsum und Bewegungsmangel könnte man an diesen Befragungsergebnissen zweifeln. Wie es bei Jugendlichen aussieht, ob sie heute ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein an den Tag legen als ihre Vorgängergeneration vor rund 20 Jahren, hat jetzt eine australische Studie näher untersucht. Verglichen wurden Befragungsergebnisse von 10-15jährigen australischen Schülern und Schülerinnen aus dem Jahre 1985 mit Antworten gleichaltriger Schulbesucher aus dem Jahre 2004. Antworten lagen damit von 398 Befragungsteilnehmern vor 20 Jahren vor und von 467 Teilnehmern 2004.

Gefragt wurde - damals wie heute - zum einen, wie man seinen eigenen Gesundheitszustand und ebenso seine körperliche Fitness einschätzt. Zum anderen war eine Reihe von Verhaltensweisen vorgegeben und es wurde gefragt, für wie wichtig man deren Bedeutung für die Gesundheit einschätzt. Zu diesen Aspekten gehörten u.a. ein jährlicher Besuch beim Arzt, beim Zahnarzt, regelmäßige körperliche Bewegung und Sport, Ernährung und Schlaf, Rauchen und Freundschaften. Die jeweils 4 Antwortmöglichkeiten reichten dabei von "sehr wichtig" bis "unwichtig".

• Die Bedeutung der einzelnen Aspekte für die Gesundheit wurde sehr unterschiedlich bewertet. Das Antwortmuster "sehr wichtig" variierte zwischen 91% und 32%. Dabei lag bei Mädchen wie Jungen der Aspekt "gute Freundschaften" ganz vorne, dicht gefolgt von "Nicht rauchen". Ganz hinten rangierten Besuche bei Arzt und Zahnarzt sowie Kenntnisse über den eigenen Körper.
• Für einige Aspekte zeigte sich keine Veränderung im Verlauf der zwei Jahrzehnte. Dies gilt etwa für "Freundschaften", "körperliche Bewegung" oder "sich nicht stressen lassen".
• Für mehrere der vorgegeben Einflussfaktoren wurden indes im Jahre 2004 deutlich geringere Bewertungen der Wichtigkeit gefunden. So sank die Einschätzung, dass Schlaf sehr wichtig ist um über 20%, für gesunde Ernährung um knapp 20%, für Arzt- und Zahnarztbesuche um 15-20% und für "Kenntnisse über den eigenen Körper" um 6%.
• Nur in einem einzigen Aspekt war feststellbar, dass das Urteil "sehr wichtig für die Gesundheit" heute öfter abgegeben wird als vor 20 Jahren, dies war das "Nichtrauchen".

Unter dem Strich bedeutet auch nach Auffassung der Wissenschaftler, dass lediglich die gesundheitliche Aufklärung über die Risiken des Rauchens bei Jugendlichen angekommen ist. In allen anderen Punkten jedoch ist bei australischen Schülern die Sensibilität gegenüber gesundheitsriskanten Alltagsgewohnheiten von 1985 bis 2004 gesunken. Problematisch erscheint dies umso mehr, als in der Befragung auch deutlich wurde, dass die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands sich verschlechtert hat. Über 15% der Jungen wie Mädchen geben heute eine schlechtere Bewertung ab.

Es ist unklar, ob diese Ergebnisse auch auf europäische Länder oder Deutschland übertragbar sind. In der Diskussion der Befunde weisen die Autoren allerdings auf eine Vielzahl von Aufklärungskampagnen, auf Schulprogramme zur Gesundheitsförderung und anderes mehr hin, so dass man die Befunde gewiss nicht als völlig exotisch zur Seite legen kann. Leider gibt es von der BzgA keine vergleichbaren Befragungsergebnisse, obwohl ältere Datenbestände hierzu mit mehreren Repräsentativbefragungen der 70er Jahre "Gesundheitsverhalten und Einstellung zu Gesundheitsfragen (Effizienzkontrolle)" hierzu durchaus vorliegen.

Hier ist ein Abstract der Studie: James Dollman, Felicity Lewis: Trends in health attitudes and self-perceptions among school-age South Australians between 1985 and 2004 (Australian and New Zealand Journal of Public Health, Volume 31 Issue 5 Page 407-413, October 2007)

Gerd Marstedt, 15.10.2007