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Hausärztliche und ambulante Versorgung


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Kann man psychosoziale Probleme in Unterschichtsfamilien unaufwändig erkennen und angehen? Ja und Ja!

Artikel 0912 Die psychosozialen Probleme der Angehörigen unterer sozialer Schichten erkennen und dann auch bedarfsgerechte Hilfe anbieten zu können, gilt als schwierig und/oder extrem aufwändig. Das soziale Dilemma dieser Bevölkerungsgruppe ist eben nicht nur von niedrigem Einkommen und hohen Risiken geprägt, sondern auch durch Defizite, sich präzise und verständlich auszudrücken. Weil es als schwierig und teuer gilt, sie zu verstehen, unterlassen viele professionelle Helfer schon den Versuch.
Umso mehr ist interessant und hilfreich, wenn die Vorurteile über die scheinbar unerschütterlichen Verständnis- und Verständigungsschwierigkeiten zwischen Angehörigen unterer sozialer Schichten und z. B. Ärzten erschütert werden können.

Dies leisten die Ergebnisse des von Medizinern und Gesundheitswissenschaftlern aus Baltimore (Maryland) und Farmington (Conneticut) (Arvin Garg, Arlene M. Butz, Paul H. Dworkin, Rooti A. Lewis, Richard E. Thompson und Janet R. Serwint) durchgeführten so genannten "WE CARE" (Well-child Care Visit, Evaluation, Community Resources, Advocacy, Referral, Education)-Projekts. Sie sind jetzt unter dem Titel "Improving the Management of Family Psychosocial Problems at Low-Income Children's Well-Child Care Visits: The WE CARE Project" in der Zeitschrift "PEDIATRICS"(Vol. 120 No. 3 September 2007: 547-558) veröffentlicht worden.

Das Ziel dieses Projekts war, die Machbarkeit der einfachen Identifikation psychosozialer Probleme in Unterschichts-Familien ("low-income") und die Wirkung einer sich anschließenden Intervention anlässlich einer Kindervorsorgeuntersuchung in medizinischen Einrichtungen zu zeigen.

Für die randomisierte kontrollierte Studie wurde gestützt auf die in der wissenschaftlichen Literatur genannten psychosozialen Probleme dieser Schichten ein 10 Schwerpunkte umfassendes Screeninginstrument bzw. ein Fragebogen entwickelt, der im Wartezimmer ausgefüllt werden musste. Dort werden beispielsweise Fragen nach dem Gesundheitsverhalten und der Beschäftigungssituation gestellt und auch Fragen nach der Bereitschaft, sich um Veränderung zu kümmern.

Ein Kriterium für die Aufnahme in den Fragenkatalog war, dass es sich um Probleme handelte, für deren Bewältigung lokale oder regionale Ressourcen ("community resources") verfügbar waren. Die Forscher entwickelten zusätzlich ein "Family resource book" in dem sortiert nach den möglichen Problemen vorhandene Unterstützungsressourcen aufgelistet waren. Dieses Buch lag bereits in den Wartezimmeren aus und die Teilnehmer der Interventions- wie der Kontrollgruppe wurden ausdrücklich ermuntert, reinzuschauen. Die Wirkungen der Intervention wurden durch Interviews unmittelbar nach dem Arztbesuch und einen Monat nach diesem Besuch erhoben. An der Studie nahmen 200 Eltern mit Kindern im Alter von 2 Monaten bis 10 Jahren und 45 pädiatrische Assistenzärzte ("residents") für 12 Wochen an einer städtischen Kinderklinik teil.

Die auf die Thematisierung psychosozialer Probleme und der mit ihnen erfolgenden Beschäftigung bezogenen Ergebnisse sehen folgendermaßen aus:
• Eltern in der Interventionsgruppe (mit Fragebogen) diskutierten mit ihren Ärzten eine signifikant höhere Anzahl von psychosozialen Themen als Eltern in der Kontrollgruppe (2,9 vs. 1,8)
• Und hatten weniger unangesprochene Wünsche für das Arztgespräch (0,46 vs. 1,41).
• 77 % der Ärzte berichteten, der Survey wurde den Besuch nicht nennenswert zeitlich belasten. 91 % meinten, die Auswertung des Fragebogens benötigte weniger als 5 Minuten und 54 % sogar, dies brauche weniger als zwei Minuten.
• Mehr Eltern aus der Interventions- als aus der Kontrollgruppe (51 % vs. 11,6 %) erhielten mindestens eine Überweisung oder Empfehlung für eine Einrichtung, die spezifische Hilfe für psychosoziale Probleme anbot. Am meisten ging es dabei um Beschäftigung (21,9 %), aber auch um Ausbildungsfragen oder Raucherentwöhnungskurse (14,6 %).
• Kontrolliert nach dem Kindesalter, dem Versicherungsstatus, der Rasse, dem Bildungslevel und dem Erhalt von Nahrungsmittelgutscheinen ("food stamps") hatten die Eltern aus der Interventionsgruppe auch einen Monat nach dem Arztbesuch mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Kontakt mit einer kommunalen Hilfseinrichtung als die Kontrollgruppenangehörigen. Den 20 % in der Interventions- stehen lediglich 2 % in der Kontrollgruppe gegenüber.
• Dass das Programm auch die Nachhaltigkeit der Integration in Unterstützungsprogramme fördert zeigt die Tatsache, dass 69 % der Eltern der Interventionsgruppe, die eine Überweisung oder Empfehlung bekommen hatten sich nach einem Monat um eine erneute Überweisung bemühten. In der entsprechenden Teilgruppe der Kontrollgruppe machten dies 20 %.
• Ein ungeplanter Effekt der Studie war im übrigen, dass die beteiligten professionellen Helfer und Unterstützer völlig überrascht waren, wie viele Hilfsmöglichkeiten auch für solche Probleme es in ihrer Community gab.
• Am wenigsten Unterstützungsangebote gab es schließlich zu Problemen wie Depression und Gewalt zwischen Partnern. Hier bedarf es wohl zusätzlichen Trainings für die Ärzte, um diese Probleme anzusprechen.

Auch wenn solche Instrumente nie 1:1 in andere Bereiche oder Länder übertragen werden können, regen sie an, nicht bereits die Machbarkeit eines Tools zur Identifikation von psychosozialen Problemen in Unterschichts-Familien zu bestreiten und mit identischen oder ähnlichen eigenen Instrumenten ähnliche Verbesserungen zu erreichen.

Zur weiteren Information steht ein kostenfreies Abstract des Aufsatzes "Improving the Management of Family Psychosocial Problems at Low-Income Children's Well-Child Care Visits: The WE CARE Project" zur Verfügung.

Bernard Braun, 14.9.2007