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Patienten
Hausärztliche und ambulante Versorgung


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Evaluation von Hausarztmodellen zeigt noch keine überzeugenden Verbesserungen der medizinischen Versorgung

Artikel 1095 Mit Hausarztmodellen, die alle Gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten anbieten müssen, soll die Steuerungs- und Lotsenfunktion des Hausarztes gestärkt werden und damit eine bessere Koordination mit Kliniken und Fachärzten erreicht werden. Aber auch eine Verbesserung der Qualität und Wirtschaftlichkeit der ambulanten Versorgung ist angestrebt. In einer ersten Evaluation von Hausarztmodellen durch das "AQUA"-Institut wird jedoch deutlich, dass diese Ziele bislang kaum erreicht wurden. Auch eine Patientenbefragung des "Gesundheitsmonitor" der Bertelsmann-Stiftung kommt zu einem eher negativen Befund.

Das AQUA-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen hat im Auftrag des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen e.V. (VdAK) für fünf Ersatzkassen im November 2007 eine Evaluation von Hausarztmodellen in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein, Nordwürttemberg und Westfalen-Lippe durchgeführt. Ausgewertet wurden zunächst nur die Daten aus den Jahren 2005 und 2006, allerdings soll die gesamte Studie später den Zeitraum 2005 bis 2008 untersuchen. Um zu berücksichtigen, dass in Modellen zur hausarztzentrierten Versorgung eingeschriebene Versicherte verglichen mit anderen Versicherten im Durchschnitt fast vier Jahre älter und häufiger chronisch krank sind, wurde für die Evaluation eine Kontrollgruppe von Patienten mit gleicher Morbiditäts-, Geschlechts- und Altersstruktur gebildet. Von insgesamt 57 Kennzahlen wurden zehn als besonders aussagekräftige Indikationen bestimmt, mit denen Aussagen zu den Themenbereichen "Koordinierung der Versorgung", "Qualität der Versorgung" und "Kostenentwicklung/ Wirtschaftlichkeit" gemacht werden konnten. Ingesamt hatten sich in allen fünf Bundesländern 613.645 Versicherte in einen Hausarztvertrag eingeschrieben, das ist ein Anteil von 11,5 % bezogen auf alle Einschreibeberechtigten. Der Anteil der eingeschriebenen Ärzte
lag zum 31.12.2006 bei 36,4 % (7.168 Ärzte).

Als Ergebnis zeigte sich:
• Die gewünschte Lotsenfunktion durch den Hausarzt entwickelt sich bei beiden Versichertengruppen unterschiedlich: Während der Anteil der Facharztkonsultationen mit Überweisungen zwischen 2005 und 2006 bei den Versicherten in Hausarztmodellen mit 46,3% gleich geblieben ist, verringerte sich dieser Anteil in der Kontrollgruppe von 39,1% auf 36,1%. Vor dem Hintergrund der vertraglichen Verpflichtung für die Versicherten, Leistungen der Fachärzte nicht direkt in Anspruch zu nehmen, ist dieser Wert jedoch nicht zufriedenstellend.
• Der Anteil der Versicherten, die an den Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen (Früherkennung) teilnehmen, ist bei den Teilnehmern an Hausarztmodellen von 14,7% auf 23,2% gestiegen, in der Kontrollgruppe stieg er von 10,4% auf 18,3%. Bei weiteren Indikatoren, welche z. B. die Qualität der Arzneiverordnungen bzw. die leitliniengerechte Versorgung beurteilen, gibt es uneinheitliche Entwicklungen.
• Die Leistungsausgaben (stationäre Versorgung, Heil- und Hilfsmittel, Arzneimittel) waren bei Teilnehmern an Hausarztmodellen pro Versicherten im Jahr 2005 um € 28,47 und im Jahr 2006 um € 14,05 geringer als bei der Kontrollgruppe. Für eine Gesamtbeurteilung der Wirtschaftlichkeit müssen diese Einsparungen jedoch mit den Mehrausgaben für ärztliche Betreuungspauschalen nach den HZV-Verträgen (je Versicherten € 12,72 in 2005 und € 24,79 in 2006) und ggf. dem Erlass der Praxisgebühr, je nach den Satzungen der jeweiligen Ersatzkassen (€ 10,- pro Quartal), für die Versicherten verrechnet werden.

Die wichtigsten Ergebnisse der Evaluation sind hier zu finden: Presseerklärung: Evaluation von Hausarztverträgen der Ersatzkassen: Erste Zwischenbilanz in fünf Regionen

Auch der "Gesundheitsmonitor" der Bertelsmann Stiftung kommt in einer Auswertung von Patientenbefragungen im Zeitraum Oktober 2004 bis April 2007 mit insgesamt über 9.000 Teilnehmern zu einer eher negativen Bewertung der bisher realisierten Verträge zur hausärztlichen Versorgung. Dort zeigte sich:
• Nur 59 Prozent der befragten Teilnehmer an Hausarztmodellen berichten über eine Besserung ihres Gesundheitszustandes nach der Behandlung, während es außerhalb der Modelle 68 Prozent waren. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Teilnehmer an Hausarztmodellen älter und häufiger chronisch krank sind, verändern sich die Ergebnisse kaum.
• Von Modellteilnehmern, die mit akuten Beschwerden beim Hausarzt waren, berichteten 66 Prozent von einer Verbesserung ihres Gesundheitszustandes nach der Behandlung, bei den übrigen Patienten waren es 74 Prozent.
• Zwar hatten 89 Prozent der Patienten in Hausarztmodellen für ihren letzten Facharztbesuch eine Überweisung (im Vergleich zu 64 Prozent der Patienten außerhalb der Modelle). Die Anzahl der Facharztbesuche konnte jedoch nicht gesenkt werden. Während 2004 die Teilnehmer an Hausarztmodellen durchschnittlich 1,9-mal pro Jahr einen Facharzt aufsuchten, waren es 2007 schon 2,5 Besuche. Außerhalb der Modelle gab es im gleichen Zeitraum nur einen kleinen Anstieg von 2 auf 2,1 Besuche.

Hier ist die Pressemeldung: Umfrage: Hausarztmodelle in der heutigen Form weitgehend wirkungslos - Bertelsmann Stiftung: Ausgestaltung der Modelle muss verbessert werden

Gerd Marstedt, 12.1.2008