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Hausärztliche und ambulante Versorgung


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Neue Studie: Kassenpatienten warten dreimal so lange wie Privatpatienten auf einen Arzttermin für planbare Behandlungen

Artikel 1098 Eine repräsentative Umfrage des WIdO unter Versicherten hatte schon Ende 2006 gezeigt: 25 Prozent der gesetzlich Versicherten mussten beim letzten Arztbesuch trotz akuter Beschwerden mindestens zwei Wochen auf einen Behandlungstermin warten, bei privat Versicherten waren dies nur 8 Prozent (vgl.: Wartezeiten beim Arzt: GKV-Versicherte warten länger als Privatpatienten). Eine experimentelle Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Köln und Hall (Österreich) hat diesen Befund nun noch einmal bestätigt. Telefonanrufe bei Fachärzten, in denen um einen Termin für eine bestimmte Behandlung oder eine diagnostische Leistung gebeten wurde, ergaben für Versicherte in der GKV etwa dreimal so lange Wartezeiten wie für Privatpatienten.

Arztpraxen aus dem Raum Köln-Bonn-Leverkusen wurden von den Forschern im April und Mai 2006 aus Telefonbüchern per Zufall ausgewählt, um in Test-Anrufen zu ermitteln, wie lange die Wartezeit für eine bestimmte diagnostische Leistung oder eine spezielle Behandlung sein würde. Als ärztliche Leistungen wurden dazu solche ausgewählt, die 1.) kein Notfall waren, sondern planbare Behandlungen, 2.) von Spezialisten durchgeführt werden und 3.) bei Patienten relativ häufig vorkommen. Dazu zählten dann: Allergie- und Lungen-Funktions-Test, Augenuntersuchung mit Pupillen-Erweiterung, Gastroskopie (Magenspiegelung), Hörtest, Magnetresonanz-Tomografie des Knies.

Nach der ersten Zufallsauswahl der Arztpraxen wurden dann einige ausgeschlossen, weil sie die Leistung nicht anboten, aktuell länger als eine Woche wegen Urlaubs geschlossen waren, beim Telefonanruf mehr als dreimal kein Durchkommen war, die Praxis nur Privatpatienten behandelte oder keine neuen Patienten annahm. Bei den Telefonanrufen wurde dann um einen Termin für die jeweilige Leistung gebeten, ohne dass dabei der Fall als dringend dargestellt wurde. Per Zufall wurde jeweils festgelegt, ob der Anrufer sich als Privat- oder Kassenpatient ausgeben sollte. Insgesamt kamen so Terminvereinbarungen mit 189 Arztpraxen zustande.

Dabei wurden auch erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Wartezeiten deutlich. Die Differenz der Wartezeit zwischen Privat- und Kassenpatienten betrug
• für einen Allergie- und Lungen-Funktionstest 17,6 Werktage (8 vs. 26 Tage)
• für eine Augenuntersuchung mit Pupillen-Erweiterung 17,0 Werktage (8 vs. 25 Tage)
• für eine Magenspiegelung 24,8 Werktage (12 vs. 37 Tage)
• für einen Hörtest 4,6 Werktage (2 vs. 7 Tage)
• für eine MRT des Knies 9,5 Werktage (5 vs. 14 Tage).
• Insgesamt zeigte sich, dass die Wartezeit für GKV-Versicherte etwa dreimal so lang war wie für Privatpatienten.

"Individuen mit höherem Einkommen und niedrigerer Morbidität", so fassen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse zusammen, "haben einen besseren Zugang zur medizinischen Versorgung nur durch ihre Private Krankenversicherung."

Zur Studie Markus Lungen u.a.: Waiting times for elective treatments according to insurance status; a randomised empirical study in Germany (International Journal for Equity in Health 2008, 7:1doi:10.1186/1475-9276-7-1) gibt es kostenlos:
Ein Abstract
Eine vorläufige PDF-Datei

Gerd Marstedt, 14.1.2008