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Patienten
Hausärztliche und ambulante Versorgung


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Reichen 20 Minuten Sport am Tag zur Krankheitsvorbeugung? Englische und schottische Ärzte können die Frage nicht beantworten

Artikel 1134 Körperliche Bewegung gilt neben gesunder Ernährung als eine elementare Voraussetzung zur Gesundheitsförderung und ebenso zur Prävention von Diabetes oder auch Übergewicht. Doch wie viel Sport und Bewegung ist nötig, um dies auch tatsächlich zu erreichen? Reichen dreimal in der Woche je 20 Minuten? Und wie sieht es bei Kindern aus? Ärzte sollten eine solche Frage von Patienten eigentlich beantworten können, insbesondere, wenn ihnen seit einigen Jahren Leitlinien und Empfehlungen vorliegen, die explizit hierauf Antworten geben. Dass es in England und Schottland gleichwohl an solchem Wissen bei vielen niedergelassenen Ärzten fehlt, hat jetzt eine Studie gezeigt, die in der Zeitschrift "Public Health" veröffentlicht wurde.

Insgesamt 231 niedergelassene Ärzte in zwei Bezirken in England waren per Email um Mitarbeit bei einer Befragung gebeten worden. Knapp 60 Prozent (N=138) beteiligten sich und beantworteten neben einigen Fragen zu ihrem Alter und Geschlecht, Körpergewicht und -größe sowie ihren sportlichen Aktivitäten auch vier Fragen, die ihr medizinisches Wissen zum gesundheitlichen Nutzen von Sport und Bewegung betrafen. Die dazu notwendigen Kenntnisse waren bereits im Jahr 2004 in einer Empfehlung des englischen Regierungsbeauftragten in Gesundheitsfragen ("Chief Medical Officer") explizit dargelegt worden. Gleichwohl verrieten die Antworten der teilnehmenden Ärzte nur wenig Sachkenntnis.

Zu vier Aspekten waren jeweils Multiple-Choice-Fragen (mit einer richtigen und einigen falschen Antworten) zu beantworten.
• 1.) Auf die Frage "Was ist das zeitliche Minimum an leichter körperlicher Aktivität, das Erwachsene pro Tag absolvieren sollten, um davon auch gesundheitlich zu profitieren?" antworteten immerhin noch 65 Prozent korrekt (30 Minuten). Deutlich schlechter fielen dann Ergebnisse zu drei weiteren Fragen aus.
• 2.) Hinsichtlich der Tage pro Woche, an denen man derart aktiv sein sollte, gab es nur noch 33% richtige Antworten (mindestens 5 Tage)
• 3.) Die Zeitdauer an Sport und Bewegung, um Übergewicht zu vermeiden, konnten nur 11% korrekt beantworten (45-60 Minuten)
• 4.) Ähnlich schlecht war das Wissen, welche Zeitdauer fÜr Kinder und Jugendliche zu empfehlen ist (60 Minuten), hier antworteten nur 17% richtig.

Bei der Einstufung, ob eine Antwort richtig oder falsch ist, waren die Antwortvorgaben zur 1.Frage: "15 Minuten" und "20 Minuten" falsch, als richtig galt "30 Minuten oder länger". Die Forscher bewerten ihre Ergebnisse so, dass es in der Realität mit hoher Wahrscheinlichkeit noch deutlich schlechter um das Wissen der Ärzte bestellt ist. Dann vermutlich haben sich jene 60% Ärzte an der Umfrage beteiligt, die sich ihrer Kenntnisse relativ sicher waren. Und zum anderen bot die Art der Befragung per Email auch noch die Gelegenheit, sich vor der Beantwortung der Fragen im Internet oder in Publikationen schlau zu machen.

Leider gibt es kein kostenloses Abstract zur Studie. Wer einen Zugang zu "Science direct" hat, findet den Volltext jedoch hier: Amanda J. Daley u.a.: 'Doctor, how much physical activity should I be doing?': how knowledgeable are general practitioners about the UK Chief Medical Officer's (2004) recommendations for active living to achieve health benefits (Public Health, Article in Press, Corrected Proof, http://dx.doi.org/10.1016/j.puhe.2007.09.008)

Ein klein wenig Trost finden die Autoren und Wissenschaftler aus Birmingham immerhin darin, dass in einer ähnlichen Befragung einige Zeit zuvor ihre schottischen Ärzte-Kollegen noch schlechter abgeschnitten hatten. Dort konnten nur 13% der befragten niedergelassenen Ärzte die medizinischen Empfehlungen zu körperlicher Aktivität korrekt beantworten: Flora Douglas u.a.: Primary care staff's views and experiences related to routinely advising patients about physical activity. A questionnaire survey (BMC Public Health 2006, 6:138)

Deutsche Ärzte sollten nach diesen Befunden nicht allzu hämisch reagieren. In einer Studie der Universität Köln war im Jahr 2001 der Wissensstand von Internisten und Allgemeinmedizinern zum Thema Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) mit einem Fragebogen mit zehn Fragen ÜberprÜft worden. Fragen und Antworten dieses Fragebogens orientierten sich an der deutschen Leitlinie zur arteriellen Hypertonie. Insgesamt 11.547 Fragebögen konnten ausgewertet werden. Eine leitlinienadäquate Antwort umfasste die richtige Definition der arteriellen Hypertonie und vier weitere richtige Antworten. Es zeigte sich: Die richtige Definition der arteriellen Hypertonie (> 140/90 mmHg) wurde lediglich von 4.103 Teilnehmern also 36 Prozent getroffen. Eine adäquate Leitlinienkenntnis zeigten nur 19% der Allgemeinmediziner, bei den Internisten lag dieser Anteil mit 27% nur geringfügig höher. Fazit der Wissenschaftler: "Der Kenntnisstand von Internisten und Allgemeinmedizinern zum Themenkomplex der arteriellen Hypertonie ist ungenügend. Diese ungenügenden Kenntnisse können zum Teil fÜr die unzureichende Versorgung von Patienten mit arterieller Hypertonie verantwortlich sein. Neue Wege zur Verbesserung der Informations- und der Versorgungsqualität sind daher notwendig, um die Behandlung der Patienten mit arterieller Hypertonie nachhaltig zu verbessern."
Die Studie ist online leider nicht mehr verfügbar. Christian A. Schneider u.a.: Leitlinienadäquate Kenntnisse von Internisten und Allgemeinmedizinern am Beispiel der arteriellen Hypertonie, Z. ärztl. Fortbild. Qual.sich. (ZaeFQ) (2001) 95: 339-344

Gerd Marstedt, 5.2.2008