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Patienten
Hausärztliche und ambulante Versorgung


Wie verlässlich oder reliabel sind allgemeinärztliche ICD-10-Diagnosen - und zwar auch ohne die GKV-Beihilfe beim Up-Coding? (22.10.16)
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"Optimale" feste Selbstbeteiligungenn der ambulanten Versorgung - Nicht der Stein der Weisen! (13.4.11)
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Sant la francaise: Croissants, petit rouge, savoir de vivre. Aber in welchem Gesundheitssystem? Beispiel ambulante Versorgung (16.5.10)
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Erste Zeugnisse für Gemeindeschwester AGnES: Modellprojekt bekommt gute Noten von Ärzten und Patienten (23.6.09)
Wie zahlreich sind und welchen Nutzen haben die "Medizinischen Versorgungszentren (MVZ)"? Antworten des KBV-MVZ-Survey 2008 (25.5.09)
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Begleitendes Case-Management durch Arzthelferinnen verbessert den Therapieerfolg bei Arthrose-Patienten (26.3.2008)
Eine feste Anlaufstelle im medizinischen Versorgungssystem bewirkt für viele Patienten eine bessere Versorgungsqualität (7.3.2008)
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Eine feste Anlaufstelle im medizinischen Versorgungssystem bewirkt für viele Patienten eine bessere Versorgungsqualität

Artikel 1158 Das Hausarztmodell stellt für manche die Zukunft der ambulanten Versorgung dar, die für mehr Versorgungsqualität und eine bessere Koordination ärztlicher Leistungen steht. Andere bezweifeln Qualitätsgewinne ebenso wie Kostensenkungen und sehen die Interessen mündiger Patienten an der freien Arztwahl missachtet. Dass Zweifel bei der heutigen Ausgestaltung der Modelle aufkommen können, dafür finden sich Hinweise in den Daten des "Gesundheitsmonitors" der Bertelsmann-Stiftung. Die Daten zeigen aber auch: Patienten bewerten - ganz unabhängig vom Hausarztmodell der GKV - einen Hausarzt als "feste Anlaufstelle" positiv.

Konkret wird aus den jetzt im Gesundheitsmonitor-Newsletter 1/2008 veröffentlichten Erhebungsdaten deutlich, dass Patienten, die einen Hausarzt als reguläre Erstinstanz bei gesundheitlichen Beschwerden nutzen und deren Arzt ihre Krankengeschichte gut kennt:
• deutlich zufriedener sind hinsichtlich der Kommunikation mit dem Arzt und der Gesprächsatmosphäre in der Sprechstunde,
• den Umfang und die Verständlichkeit von Erläuterungen zu Krankheiten und Beschwerden besser bewerten sowie die Möglichkeiten zu Verständnisfragen und Nachfragen.
• Ebenso wird die Haltung des Arztes (Respekt und Achtung gegenüber dem Patienten, Ernstnehmen von Sorgen und Ängsten) von dieser Patientengruppe positiver dargestellt.
• Auch kennen diese Patienten häufiger ihre Ansprüche auf Früherkennungsuntersuchungen und
• haben entsprechende Früherkennungsuntersuchungen (Gesundheits-Checkup, Krebsfrüherkennung) häufiger in Anspruch genommen.
• Schließlich sind sie auch häufiger mit der Gesundheitsversorgung insgesamt zufrieden und kritisieren seltener, dass in der medizinischen Versorgung die Zeit für das Arzt-Patient-Gespräch zu kurz ausfällt.

Diese Ergebnisse werden so interpretiert, dass in Fällen, in denen der Patient den Arzt schon seit längerer Zeit als feste Anlaufstelle nutzt, das Arzt-Patient-Gespräch tatsächlich länger dauert oder dies von Patienten zumindest so erlebt wird. Die Zeitangaben der Befragungsteilnehmer über die Dauer des letzten Behandlungsgesprächs jedenfalls deuten diesen Zusammenhang an. Diese Zeitspanne wird von Patienten mit fester Anlaufstelle auf 14,2 Minuten (Gesunde) bzw. 15,5 Minuten (Kranke) geschätzt. Die anderen Patienten ohne feste Anlaufstelle schätzen diese Zeitdauer um etwa 2-3 Minuten kürzer ein, auf 12,7 Minuten (Gesunde) bzw. 12,2 Minuten (Kranke).

Eine zweite Interpretation geht dahin, dass aus der Wahl eines Hausarztes als feste Anlaufstelle im zeitlichen Verlauf eine engere Arzt-Patient-Beziehung erwächst. Hausärzte kennen dann bei ihren "Stammkunden" persönliche Interessen und Verhaltensorientierungen, aber auch die beruflichen und familiären Hintergründe genauer und finden so sehr viel eher Anknüpfungspunkte für ein individuell zugeschnittenes Gespräch. In dieser Perspektive wäre dann die bessere Bewertung der ärztlichen Kommunikation und Information durch solche Patienten, die den Hausarzt als feste Anlaufstelle nutzen, ein sozialpsychologisch recht einfach zu erklärendes Phänomen. Der Arzt-Patient-Kontakt ist dann nicht mehr als rein zweckrationale Dienstleistungs-Beziehung oder als Verhältnis eines "Kunden" zum "medizinischen Leistungsanbieter" definiert.

Der Arzt kann in diesen Fällen das laienmedizinische Grundwissen des Patienten (seine "Gesundheitskompetenz") besser einschätzen und entsprechend seine Erläuterungen und Auskünfte in sprachlicher Hinsicht besser justieren. Er lernt auch die Informationsbedürfnisse des Patienten besser kennen: Ist dieser eher ein "Informationssammler", der alles ganz exakt wissen möchte oder eher ein "Informationsverdränger", der potentiell unangenehmen Mitteilungen ausweicht? Ebenso kennt er auch das gesundheitliche Risikoverhalten und die individuellen Bedürfnisse im Hinblick auf eine partizipative Entscheidungsfindung ("Shared Decision Making") genauer. Vor diesem Hintergrund fällt es dann auch leichter, Empfehlungen auszusprechen, sei es für eine Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen oder zur Veränderung des gesundheitlichen Lebensstils.

Die dargestellten empirischen Befunde resultierten im Wesentlichen aus einer Konstellation, in der eine Teilgruppe von Versicherten sich freiwillig und ohne materiellen Anreiz für eine spezifische Versorgungsstruktur entschieden hat: den Hausarzt als feste Anlaufstelle. Man weiß jedoch, dass die freie Facharztwahl in Deutschland für eine Vielzahl von Patienten als Verhaltensoption überaus bedeutsam ist. Hier dürften für viele Versicherte Konflikte auftauchen, wenn diese "Freiheitsgrade" bei der Arztwahl in zukünftigen Hausarztmodellen tatsächlich gegen die Vorteile abzuwägen sind, die die Modelle versprechen - zum Beispiel in Form materieller Anreize, vor allem aber in Form einer verbesserten Versorgungsqualität.

Ob dieses Versprechen auch eingehalten und real erfahrbar wird, ist ganz wesentlich davon abhängig, dass Hausärzte ihre in den Verträgen ausgehandelten Verpflichtungen auch inhaltlich ausfüllen und nicht nur formal erledigen. Die in einigen Verträgen genannte Verpflichtung zu einer ausführlichen Ersterhebung der Krankengeschichte des Patienten könnte etwa als ein Baustein genutzt werden auf dem Weg zu einer größeren sozialen Dichte der Arzt-Patient-Beziehung. Die darin enthaltene Chance wäre verspielt, wenn diese Aufgabe durch ein vom Patienten im Wartezimmer auszufüllendes Formular erledigt würde. Es scheint darüber hinaus unabdingbar zu sein, vertragliche Regelungen zu implementieren, die z.B. die Budgetverantwortung der Hausärzte erhöhen, das interne Praxismanagement verbessern und ein indikatorengestütztes Qualitätsmanagement verpflichtend festschreiben.

Der Newsletter berichtet im internationalen Teil außerdem über innovative Beispiele für die Ausgestaltung der Primärversorgung in anderen Ländern. Die Amerikaner z. B. haben das "medizinische Zuhause" erfunden. Die Niederländer setzen auf eine Professionalisierung und Diversifizierung der Pflege. Auch in England, Australien oder Spanien geht der Trend in eine ähnliche Richtung. Diese Beispiele sind, selbst wenn belastbare Evaluationsstudien vorliegen, nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragbar. Sie geben jedoch Denkanstöße, wie auch hierzulande mutiger und innovativer mit den Herausforderungen in der Primärversorgung umgegangen werden kann.

Hier ist der Gesundheitsmonitor Newsletter 1/2008
(PDF, 12 Seiten; Hausärztliche Versorgung: Die Bedeutung einer festen Anlaufstelle im Versorgungssystem; Primärversorgung weltweit im Wandel)

Gerd Marstedt, 7.3.2008