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Rationierung bei gesundheitlich nützlichen Leistungen unter älteren Patienten!? Knie- und Hüftimplantate bei Osteoarthritis.

Artikel 1297 Auch wenn zahlreiche Akteure in den europäischen und nordamerikanischen Gesundheitssystemen offen behaupten, Rationierung, d.h. die offene oder verdeckte Nichtgewährung oder der Nichterhalt von gesundheitlich notwendigen Leistungen, sei mittlerweile an der Tagesordnung, gibt es relativ wenige griffige oder stimmige Beispiele für diese Behauptungen.

Die gerade in der US-Fachzeitschrift "Archives of Internal Medicine" (2008; 168(13): 1430-1440) veröffentlichten Ergebnisse aus einer prospektiven Kohortenstudie bei 174 älteren, durchschnittlich 75 Jahre alten, Personen mit einer schweren und eindeutig diagnostizierten Erkrankung an Osteoarthritis (OA) im Knie- und Hüftbereich, liefert daher erfreulich klare Einsichten in die Qualität und Quantität von möglicher Rationierung.

Der Erkrankungs- und Behandlungsstatus wie -verlauf dieser Personengruppe wurde in der Studie an ihrem Startpunkt und nach 12 Monaten untersucht. Von den StudienteilnehmerInnen waren 76% weiblich, 17% waren Nicht-Weiße, 69% hatten eine Osteoarthritis der Knie und 31% eine entsprechende Erkrankung der Hüften. Auf dem 100 Punkte umfassenden "Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC)" lagen die TeilnehmerInnen zu Beginn der Studie bzw. Intervention bei 56 Punkten.

Die Ergebnisse sahen so aus:

• 29 % der Erkrankten erhielten im Beobachtungszeitraum operativ ein Implantat des Knies oder der Hüfte. Keiner der Operierten verstarb in der Studienzeit, 17 % hatten postoperative Komplikationen und immerhin 38 % hatten postoperative Schmerzen, die mehr als 4 Wochen dauerten.
• Die mittlere Zeit, welche die Operierten benötigten um wieder gehen zu können betrug 12 Tage und die Fähigkeit, wieder ihren Haushalt führen zu können, erlangten sie wieder im Durchschnitt nach 49 Tagen. Diese Erfolge stellten sich über alle älteren Altersgruppen in etwa gleich ein.
• Der Wert auf der WOMAC-Skala hatte sich bei den Operierten nach 12 Monaten um 24 Punkte verbessert. Entsprechend positiv bewerteten auch die Operierten ihre Entscheidung zu jedem Zeitpunkt der Studie.
• Statistisch signifikant (p<0,001) sah es bei den nichtoperierten Erkrankten deutlich anders aus: Der WOMAC-Wert hatte sich bei ihnen lediglich um 0,5 Punkte verbessert.
• Von den Erkrankten, bei denen keine Operation erfolgte, sagten 45 %, dass sie von ihrem behandelnden Arzt zu keinem Zeitpunkt oder bei keinem Anlass über die Behandlungsoption einer Implantation von Ersatzgelenken informiert worden sind.

Auch wenn in dieser Studie nicht gefragt und erklärt wird, warum der Mehrheit der älteren OA-Patienten die offensichtlich nützliche Therapie nicht einmal angeboten wurde, dürften implizite Annahmen der Ärzte über den Nutzen einer immer noch teuren medizinischen Leistung bei der älteren Population maßgeblich mit am Werke gewesen sein.

Von dem Aufsatz "Joint Replacement Surgery in Elderly Patients With Severe Osteoarthritis of the Hip or Knee. Decision Making, Postoperative Recovery, and Clinical Outcomes" von Mary Beth Hamel, Maria Toth, Anna Legedza und Max P. Rosen gibt es kostenfrei lediglich ein Abstract.

Bernard Braun, 18.7.2008