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Patienten
Arztberuf, ärztl. Aus- und Fortbildung


Universitäre Medizinerausbildung in Deutschland: Exzellenz statt Bedarfsgerechtigkeit (6.4.15)
Ärzte enden nicht an der Spitze ihres Skalpells oder am Rezeptblock: das politische Verhalten der Ärzte in den USA 1991-2012 (3.6.14)
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Dramatische Wissenslücken: Ärzte und Früherkennung (13.3.12)
Wie und warum Ärzte in Experimenten Tausenden von Menschen bewusst "vor allem schaden": Der Fall Guatemala (7.3.12)
USA: Qualität von Krankenhaus-Entlassberichten unterscheidet sich je nach Arbeitsbelastung der Ärzte erheblich (15.2.12)
"Liar, Liar, Pants on Fire!" (Journal Watch vom 10.2. 2012) oder: Wie gehen ÄrztInnen gegenüber PatientInnen mit der Wahrheit um? (11.2.12)
Ethisches für Ärzte und Nichtärzte in den USA und anderswo: 6. Ausgabe des "Ethics Manual" des "American College of Physicians" (3.1.12)
Friede auf Erden und im OP oder Orthopäden sind nicht ganz so stark wie ein Ochse und auch nicht nur halb so gescheit ! (16.12.11)
Merkantilisierung ärztlichen Handelns in USA und Deutschland: Bevorzugung gut zahlender Patienten - Aussperrung zum Quartalsende (26.10.11)
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Bedingt studienmüde - Vom unterschiedlichen Engagement deutscher Ärzte bei Anwendungs- und Versorgungsstudien

Artikel 1629 Ende Juli 2009 wurde öffentlich bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in Aachen gegen 480 Ärzte aus ganz Deutschland wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs zum Nachteil der Krankenkassen ermittelt und dabei die üppige Honorierung von meist nutzlosen und selbst vom Auftraggeber nicht ernst genommenen Anwendungsstudien aufs Korn nimmt, über welche die Kassen und die zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen nicht informiert wurden. Abhängig von der Anzahl der Patienten sollen die Ärzte beispielsweise Flachbildschirme, Laptops oder Kaffee-Automaten, also meldepflichtige Gegenstände von einigem Wert, erhalten haben.

Am 14. August 2009 berichtete eine Gruppe deutscher Gesundheitswissenschaftler in dem Wissenschaftsjournal "BMC Medical Research Methodology" über ihre ernüchternden Erfahrungen mit der Bereitschaft deutscher Hausärzte, an einer randomisierten kontrollierten, also in jedem Fall hochwertigen medizinischen Studie über die Versorgung von Beingeschwüren in Nordrhein-Westfalen teilzunehmen.

Trotz großer Anstrengungen, wozu zwei Rekrutierungswellen gehörten, waren nur 26 von 1.549 kontaktierten Hausärzten (1,7%) bereit, an der Studie teilzunehmen. Von den 273 angesprochenen Praxen wollten 4,4% oder absolut 12 Praxen teilnehmen. Die gesamte Rekrutierungsquote über die 16 Monate dauernde Rekrutierungsphase belief sich auf 2%. Von den für die Studie außerdem angestrebten 300 PatientInnen (rekrutiert über teilnehmende Ärzte) gelang es gerade einmal 45 in die Studie einzubeziehen. Fachärzte zeigten sich durchweg interessierter an der Teilnahme als Hausärzte.

Der Versuch, in Telefoninterviews die Gründe zu erfahren, die zu der verbreiteten Verweigerung der Mitarbeit beitrugen, förderte folgende Faktoren bei den Ärzten aber auch den ForscherInnen ans Tageslicht:

• Den als zu hoch erwartete Zeitaufwand,
• die zu geringe Bezahlung,
• die zu geringe Nutzung existierender Netzwerke der Ärzte durch die WissenschaftlerInnen,
• die von den Ärzten befürchtete Unterbrechung ihrer anderen Arbeit,
• eine gewisse Studienmüdigkeit,
• die in wissenschaftlichen Studien verbreitete Praxis, die Rekrutierung durch Nichtärzte oder Ärzteassistenten durchführen zu lassen,
• Rivalitäten mit anderen professionellen Akteuren
• und die Meinung der angesprochenen Ärzte, die Patienten würden bereits optimal versorgt.

Der 15 Seiten umfassende Aufsatz "Recruitment rates and reasons for community physicians' non-participation in an interdisciplinary intervention study on leg ulceration" von Oliver R Herber, Wilfried Schnepp und Monika A Rieger (BMC Medical Research Methodology 2009, 9:61 doi:10.1186/1471-2288-9-61) ist komplett kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 25.8.09