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"So, wann sagt man schon mal, ja das macht der Allgemeinmediziner": Allgemeinmedizin bei Studenten und Hausärzten unterschätzt!

Artikel 1326 Trotz der traditionell hohen Wertschätzung der PatientInnen für "meinen Hausarzt" und trotz der bereits seit einiger Zeit laufenden Bemühungen, Hausärzte institutionell und finanziell zu stärken (z. B. durch Hausarztverträge), werden deren Tätigkeit und Status gewaltig unterschätzt oder gar abfällig bewertet - und zwar von MedizinstudentInnen wie bereits niedergelassenen HausärztInnen!!
Dies jedenfalls ist das Ergebnis einer qualitativen Befragung von Angehörigen dieser beiden Gruppen durch GesundheitswissenschaftlerInnen der Universität Bremen (Arbeits- und Koordinierungsstelle Gesundheitsversorgungsforschung) unter Leitung von Norbert Schmacke.

Die Bremer Gesundheitsforscher haben 37 Interviews geführt, und 32 davon ausgewertet, und zwar mit 15 Studierenden von vier Universitäten, zwei in Schleswig-Holstein und zwei in Mecklenburg-Vorpommern, sowie mit 17 Ärzten in der Weiterbildung Allgemeinmedizin sowie niedergelassenen Hausärzten aus beiden Bundesländern. Die Interviews fanden im ersten Halbjahr 2007 statt. Die leitfadengestützten, qualitativen Interviews dauerten zwischen 45 Minuten und einer Stunde.

Vergegenwärtigt man sich die Tatsache, dass rund rund Dreiviertel aller Versicherten mindestens einmal im Jahr Kontakt mit einem Hausarzt bzw. Allgemeinmediziner hat und dies auch zukünftig erwartet, ist die durchaus verallgemeinerbare Rückschau eines praktizierenden Hausarztes bedenklich: "Ich habe als Student auch immer gedacht, ob diese (...) Praktischen Ärzte überhaupt Medizin machen. Wir haben darüber gelacht, wie die Fehldiagnosen machen".

Neben Hinweisen auf die in der Ausbildung liegenden Gründe für derartige Tätigkeitsbilder (Schmacke: "Es bringt nichts, das Hohelied der hausärztlichen Versorgung zu singen, wenn die Studierenden selbst das Fach gar nicht praktisch erfahren." Student: "Die Allgemeinmedizin-Vorlesung hat dazu beigetragen, dass ich gesagt habe, das ist kein richtiges Fach, das ist alles nur Humbug. Ich bin eines Besseren belehrt worden in meinem Blockpraktikum. Die Vorlesung ist grauenvoll. Ich habe danach gedacht: Allgemeinmediziner sind gescheiterte Ärzte. Da bin ich froh, dass ich im Blockpraktikum noch viel dazugelernt habe.") spielen aber auch Veränderungen in der professionellen Einstellung eine Rolle (Hausarzt: "Bei Vielen ist die Bereitschaft nicht vorhanden' für andere da zu sein.").

Zu den wichtigsten Themenkomplexen der Studie und zugleich den wichtigsten Determinanten des schlechten Images der Hausarzttätigkeit gehören das

• Beklagen von Zuständigkeitsverlusten, die
• Beanspruchung psychosozialer Kompetenzen, das
• Negativimage der Allgemeinmedizin und Ansätze der Identitätsbildung, die
• zum Teil demotivierenden oder ambivalenten Lehr- und Lernerfahrungen in Studium, die
• schlechten Erfahrungen in der Weiterbildung, die
• Bedeutsamkeiten privater Lebensgestaltung, die
• Nähe und Distanz in der Allgemeinmedizin sowie die
• Schwierigkeiten der intra- und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Die 126 Seiten umfassende Studie stellt nicht nur die Ergebnisse der Interviews vor, sondern dokumentiert auch die dabei eingesetzten Leitfäden. Außerdem ermöglichen die ausführlichen Zitate von typischen Interviewsentenzen dem Leser tiefergehendere Eindrücke und Beurteilungen zu gewinnen. Dies kann angesichts des nahezu systematischen Mangels an derartigen Befragungen und Studien mit und über Ärzte und ihre Tätigkeit nicht hoch genug bewertet werden.

Schließlich ordnet die Studie ihre Ergebnisse auch sehr differenziert und gehaltvoll in die laufende Debatte um die Zukunft der Allgemeinmedizin und der hausärztlichen Versorgung in Deutschland ein und gibt wichtige Hinweise für die weitere notwendige Debatte. Dies gilt beispielsweise für die folgenden Anmerkungen am Schluss des Berichts: "Zum Schluss soll angesprochen werden, dass in den Diskussionen um die Zukunft hausärztlicher Versorgung vielleicht auch Fehlannahmen enthalten sind, die korrigiert werden sollten. Damit soll angesprochen werden, dass die Frage der Perspektive hausärztlicher Versorgung nicht losgelöst von gesamtgesellschaftlichen Trends behandelt werden kann. So mag es trivial wirken, darauf hinzuweisen, dass es kein Ziel sein kann, in strukturschwachen Regionen Insellösungen für die Dichte und Qualität hausärztlicher Präsenz anzustreben, wenn in allen anderen vitalen gesellschaftlichen Bereichen gleiche Lebensqualität mit gut versorgten und wirtschaftlich prosperierenden Ballungsregionen nicht erreichbar ist. Es erscheint auch nicht sinnvoll, länger isoliert über Abwanderung von Ärzten aus Deutschland zu reden, wenn es richtig ist, dass Deutschland als Arbeits- und Lebensort für viele hoch qualifizierte Menschen in den letzten Jahrzehnten an Attraktivität verloren hat (Bade 2007). Und es erscheint müßig, an der Rekonstruktion eines alten, vielleicht auch in Reinkultur nie realisierten Hausarztbildes arbeiten zu wollen, wonach Ärztinnen und Ärzten abverlangt würde, Tag und Nacht ansprechbar zu sein und losgelöst von ei-genen Unterstützungssystemen gewissermaßen als Ankerplatz für kranke Körper und Seelen zur Verfügung zu stehen. Die hausärztliche Versorgung der Zukunft wird anders aussehen als heute. Grundsätzlich, weil medizinischer Fortschritt und demographischer Wandel Veränderungen erzwingen, darüber hinaus aber auch, weil zu vermuten steht, dass es auf Dauer deutlich unterschiedliche Erwartungen von Patienten und Patientinnen an "ihre" Hausärzte und -ärztinnen in den verschiedenen Regionen von Deutschland geben wird."

Der Abschlussbericht der Studie "Die Sicherung der hausärztlichen Versorgung in der Perspektive des ärztlichen Nachwuchses und niedergelassener Hausärztinnen und Hausärzte" die von Heidi Niehus, Bettina Berger, Maren Stamer und Norbert Schmacke mit Förderung durch den AOK Bundesverband durchgeführt wurde, ist kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 24.8.2008