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Patienten
Arztberuf, ärztl. Aus- und Fortbildung


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"Heuchlerische Schwüre" oder Welche praktische Relevanz haben die hohen ethischen Standards der großen Mehrheit der US-Ärzte?

Artikel 1063 Hohe und höchste ethische Maßstäbe, Selbstverpflichtungen zur bestmöglichen Qualität und Schwüre nur das Beste für PatientInnen zu tun, gehören zum bei jeder Gelegenheit präsentierten und beschworenen Selbstdarstellungsrepertoire und Selbstverständnis von Ärzten und anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen.

Auf den ersten Blick entspricht dem auch der größte Teil des beruflichen Alltags dieser Personen, was es auch schwer macht, die Wirklichkeitsnähe solcher Selbstverständnisse und -definitionen systematisch zu untersuchen oder in Frage zu stellen.

Macht man dies, und eine Gruppe von US-Wissenschaftlern vom Massachusetts General Hospital haben dies jetzt unternommen, kommen aber erhebliche und erschreckende Diskrepanzen zwischen den berufsethischen Ansprüchen und dem beruflichen Alltag von Ärzten zutage.
Dazu befragten sie insgesamt 3.504 praktizierende Ärzte aller wichtigen Fachrichtungen, von denen 1.662 antworteten (ein beachtlicher hoher Rücklauf von 58%), sowohl nach ihren ethischen Standards und Verhaltensimperativen als auch danach, wie sie diese Standards im Alltag handhaben oder beachten. Die selbst berichteten Einstellungen und Verhaltensweisen wurden mit Indikatoren gemessen und bewertet, welche vom American College of physicians und dem American Board of Internal Medicine 2002 entwickelt wurden.

Die jetzt in der US-Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" (2007; Volume 147, 4. Dezember, Issue 11: 795-802) veröffentlichten Ergebnissen zeigen u.a. folgende beachtliche Diskrepanzen, Dissonanzen oder Divergenzen:

• Für den Fall, dass ein Arztkollege signifikant durch Drogen, Alkohol oder andere Probleme beeinträchtigt sein sollte, fühlten 96% der Ärzte, sie müssten dieses Problem immer bei relevanten Einrichtungen melden. Praktisch hatten das gerade einmal 45% mindestens einmal getan.
• 93% der Ärzte meinten, alle ernsthaften medizinischen Irrtümer müssten weitergemeldet werden aber 46% sagten, sie hätten bereits einmal dabei versagt, einen solchen Fehler zu berichten.
• Obwohl 96% der befragten Ärzte betonten, ihre Verpflichtung gegenüber den Patienten überwiege ihre möglichen finanziellen Interessen würden rund 25% von ihnen einen Patienten an eine Einrichtung überweisen, bei der der Arzt selber finanziell involviert ist und damit ein Interessenskonflikt vorliegt.
• Während 93% der amerikanischen Ärzte fühlten, sie sollten jedermann ohne Rücksicht auf seine Zahlungsfähigkeit behandeln, taten dies in Wirklichkeit gerade einmal 69%.
• 98% der Ärzte stimmten dem ethischen Gedanken zu, sie sollten mit ihrer Arbeit auch dazu beitragen geschlechtliche oder ethnische Ungleichheiten zu minimieren. Nur 25% hatten sich aber in den letzten 3 Jahren wirklich darum gekümmert.

Einer der Autoren der Studie, Eric Campbell, fasste die gewonnenen Erkenntnisse in den Worten zusammen: "There is a measurable disconnect between what physicians say they think is the right thing to do and what they actually do" und "This raises serious questions about the ability of the medical profession to regulate itself."

Trotzdem häufen sich in der in den USA angelaufenen Debatte der Ergebnisse Warnungen vor dem Einsatz gesetzlicher Mittel als zu langsam und insgesamt zu wirkungslos und überwiegt das Favorisieren von innerprofessionellen Clearingseinrichtungen und der straffreien Remediation: "The social ideal ist o avoid heavy-handed use oft he law (Sara Rosenbaum, Health Policy Department der George Washington University).

Weitere Überblicke über die Studie und detaillierte Daten zum Aufsatz "Professionalism in Medicine: Results of a National Survey of Physicians" von Eric G. Campbell; Susan Regan; Russell L. Gruen; Timothy G. Ferris; Sowmya R. Rao; Paul D. Cleary und David Blumenthal liefert das Abstract, ein zusammenfassender Bericht im Health-Policy-Report des Commonwealth Fund und schließlich eine Sammlung von 46 Charts, die auf der Homepage des US-"Institute on Medicine as a profession (IMAP)" heruntergeladen werden können.

Bernard Braun, 18.12.2007